01/2002

Online-Kundenzeitschrift der
Ingenieurgesellschaft für angewandte
Computertechnik mbH, Leipzig
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ALK - Problem oder Lösung?

Ein Kommentar von Peter Krückel, LANDSCAPE GmbH, Köln

Es ist, seit dem das GIS-Zeitalter begonnen hat, immer die gleich Frage: wann kommt die ALK, wie genau ist sie und was kosten die Daten? Das, was die Stammesväter aller Geodaten sich ehemals unter der "Automatisierten Liegenschaftskarte" vorgestellt haben, gerät immer mehr in Zweifel, ob dieses von amtswegen hochherrschaftlich erdachte Konstrukt denn tatsächlich das Allheilmittel zur Bekämpfung der Geodatenarmut sein kann oder ob nicht viel mehr neue Probleme durch die ALK erst entstehen. Zu sehr drückt der Stachel der Enttäuschung aus den alten Bundesländern, die bis heute nach mehr als 15 Jahren immer noch nicht eine vollständige Flächendeckung erreicht haben. Auch in den neuen Bundesländern droht nun Ungemach.
ALK
ALK-Verfügbarkeit in Sachsen-Anhalt
Obwohl mit Sachsen-Anhalt hier das einzige Bundesland allmählich Licht am Ende des Tunnels sieht - immerhin wird dort eine vollständige Verfügbarkeit der ALK für Ende 2002 prognostiziert - tappen die anderen Bundesländern doch auch weiterhin mindestens für die nächsten 4 bis 6 Jahre im Dunkeln und es ist wohl davon auszugehen, dass sich hier ein ähnliches Desaster androht wie in weiten Teilen der alten Republik.

Doch was heißt das für die GIS-Einführung: warten, bis das die ALK vorliegt. Vielleicht kann man da lange warten und der Zug der Modernisierung rast in hoher Geschwindigkeit an einem vorbei. Sicher nicht. Pragmatismus heißt die Antwort. Bei der Frage, warum man eigentlich die teuren amtlichen Daten braucht, zucken die meisten schon heute mehr mit den Schulter und wenn man es recht überlegt, fällt einem da auf Anhieb auch nicht so schrecklich viel ein. Zum Aufbau eines GIS jedenfalls braucht man sie erst einmal nicht.

Hier reichen von öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren erhobene Daten genauso aus, wie die Inhalte aus den Grund- bzw. Flurkarten, die schnell und kostengünstig digitalisiert werden können. Wer wirklich heute ein modernes GIS nutzen und einführen will, der soll jetzt loslegen, denn desto schneller ergibt sich unter Umständen die Situation, dass man die ALK vielleicht gar nicht mehr braucht. Ein Beispiel, das für viele Ermutigung sein kann, sich dem amtlichen Karten(-druck) zu entziehen, liefert die mecklenburgische Kleinstadt Güstrow. Hier hat man schon 1996 begonnen, das PolyGIS von IAC einzuführen. Angefangen hat man in Güstrow - immerhin auch eine Stadt mit mehr als 30.000 Einwohnern - ganz pragmatisch mit den eigenen wenigen Vermessungsdaten und der digitalisierten Flurkarte. Heute ist fast das gesamte Stadtgebiet bereits intensiv genauestens vermessen und man hat in Güstrow jetzt eine Datengrundlage, die die Genauigkeit der ALK, wenn sie denn irgendwann einmal fertig ist, wohl bei weitem übertreffen wird. So ist man sich in Güstrow deshalb auch einig, dass man die ALK wohl nicht vorbehaltlos übernehmen wird. Dies gilt erst recht bei den merkwürdigen Preismodellen, die sich die Geodatenwächter für das bereits mit Steuermitteln erhobene Werk erdenken.

Die Antwort auf die Eingangs dieses Kommentars gestellte Frage, ALK - Problem oder Lösung, läßt sich also nicht eindeutig mit ja oder nein beantworten, denn vielleicht ist die ALK weder Problem noch Lösung. Eines jedenfalls hat die Erfahrung in der gesamten Republik schon heute gezeigt: zur erfolgreichen Nutzung eines GIS ist die ALK selten eine Lösung doch häufiger ein Problem.

Tabelle "Verfügbarkeit der ALK in den fünf neuen Bundesländern"