01/2003

Online-Kundenzeitschrift der
Ingenieurgesellschaft für angewandte
Computertechnik mbH, Leipzig
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Anwenderbericht
PolyGIS-Einsatz
PolyGIS-Einsatz
PolyGIS-Fachschale
PolyGIS-Funktionen
Lehrgänge
Editorial
Kurz belichtet
IAC-Homepage
PolyGIS erobert Borkener Rathaus

Breiter GIS-Einsatz in der Stadtverwaltung mit vielen Arbeitsplätzen

Freizeitanlage
Die Stadt Borken ist der Träger des Freizeitparks Pröbsting. Erholungssuchende finden hier Möglichkeiten zum Wandern, Baden und Segeln. Die mit PolyGIS erstellte Karte zeigt mit verschiedenen Farben die einzelnen Nutzungen der Freizeitanlage
Die Entscheidung war wohlüberlegt und dennoch schnell getroffen: Im Jahr 2001 begann die Stadtverwaltung im westfälischen Borken PolyGIS einzusetzen. Bis heute sind die anfänglichen vier Arbeistplätze auf über 50 angewachsen, die Aufgaben, die mit PolyGIS bewältigt werden, sind vielfältig und der Blick in die Zukunft zeigt Perspektiven.

Die Ärmel des karierten Hemdes von Dieter Riethmann sind hochgekrempelt. Das hat Symbolcharakter, denn der GIS-Administrator im Borkener Rathaus ist ein Mann der Tat. Als das alte Geo-Informationssystem der Stadtverwaltung in der westfälischen Kleinstadt den Anforderungen nicht mehr genügte, war für Riethmann klar, es muss ein neues System her. Das war im Jahr 2000. Er und einzelne Mitarbeiter aus den verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltung gründeten sofort einen Arbeitskreis. Und los ging's: Besuch der InterGEO, um einen Blick auf den aktuellen GIS-Markt zu werfen, Erstellen eines Sollkonzepts und Anfang 2001 bereits die Ausschreibung.

"Vier GIS-Anbieter schickten ein Angebot, darunter die IAC mbH aus Leipzig. Die waren bis dato für uns unbekannt," erinnert sich Riethmann. Bei der Präsentation ihres Systems PolyGIS habe IAC aber von Anfang an bewiesen, dass sie auch schwierige Aufgaben löst. Da war beispielsweise das Problem mit der Übernahme der ALK-Daten. Die lagen in Borken im seltenen EZSi-Format vor. Eine Übernahme vom alten in das neue System schien schwierig, einige Mitbewerber scheiterten daran, IAC aber nahm diese Hürde. Mit einer entsprechenden PolyGIS-Schnittstelle konnten die Daten konvertiert und überführt werden.

Bevor sich aber Herr Riethmann und sein Kollege Klemens Taplan, der Mitte 2001 als GIS-Koordinator bei der Stadtverwaltung Borken eingestellt wurde, endgültig für PolyGIS entschieden, gingen sie im Sommer 2001 auf Reisen. Nicht in den Urlaub, sondern zu Referenzbesuchen bei PolyGIS-Nutzern quer durch ganz Deutschland. "Das ist bei uns Grundsatz: Wenn neue Software angeschafft werden soll, wird sie vorher sorgfältig geprüft. Und die ehrlichsten Informationen bekommt man von anderen Nutzern," begründen Riethmann und Taplan den großen Aufwand. Vor Ort hätten sie realistisch beobachten können, wie PolyGIS in anderen Stadtverwaltungen eingesetzt wird, wie Probleme gelöst werden und was mit PolyGIS alles möglich ist.

Foto:C.Martin
Klemens Taplan (GIS-Koordinator) und Dieter Riethmann (GIS-Administrator) haben PolyGIS ins Borkener Rathaus gebracht
Bis zum Schluss gab es einen zweiten Anbieter, dessen System ebenfalls für Borken in Frage gekommen wäre. Auch dieses Angebot wurde auf Herz und Nieren geprüft. Letztlich aber fiel die Entscheidung zu Gunsten von IAC, und im November 2001 hielt PolyGIS Einzug ins Borkener Rathaus. Mit vier Arbeitsplätzen wurde angefangen. Nach wenigen Tagen lieferte PolyGIS das erste sichtbare Ergebnis: eine Brandschutzkarte. Das beeindruckt. "Ach, so was ist doch schnell gemacht", wehrt Riethmann bescheiden ab. Dennoch bleibt kein Zweifel daran, dass Riehmann und Taplan nicht nur Experten auf ihrem Gebiet sind, sondern auch sehr engagiert. PolyGIS breitete sich auf das Betreiben der beiden Borkener GIS-Fachleute rasant in der ganzen Stadtverwaltung aus. Die Zahl der Arbeitsplätze stieg rapide und das Anwendungsfeld wurde schnell breiter. "Erste Ergebnisse wie die Brandschutzkarte haben zu einer schnellen Akzeptanz des neuen GIS hier im Hause geführt," sagt Riethmann. "Der schnelle und komfortable Zugriff auf die Flurstücke und deren Visualisierung hat viele Anwender begeistert," ergänzt Taplan.

Nachdem neben den ALK- und ALB-Daten, der Deutschen Grundkarte und den Luftbildern auch die ersten Sachdaten, die Kanaldaten nach PolyGIS überführt worden waren, sollten auch die Graphikdaten des Altsystems übernommen werden. Die dazu notwendige Konvertierung wurde von Riethmann vor Ort in Borken durchgeführt. Im März 2002 folgten Grünflächen- und Baumdaten inklusive der Sachdaten. Hierbei tauchten zunächst Schwierigkeiten auf. "Das Datenbankmodell des alten Systems war komplexer als das PolyGIS-Modell. Dadurch wurde die Übernahme der Daten problematisch", erläutert Riethmann sachkundig. Gemeinsam mit IAC wurde auch diese Aufgabe gemeistert. Da eine Aktualisierung der Grünflächen- und Baumdaten damals sowieso fällig war, haben die Stadtgärtner die Gelegenheit genutzt und per Geländebegehung die Daten überprüft und auf den richtigen Stand gebracht.


Das Bild der Kleinstadt Borken ist geprägt vom Bau der gotischen Remigiuskirche, die im Inneren bedeutende Kunstwerke birgt, beispeilsweise einen romanischen Taufstein von 1200 oder eine Pieta vom Anfang des 15. Jahrhunderts
Seit dem Herbst 2002 arbeiten im Borkener Rathaus 53 Bedienstete mit PolyGIS. Sie teilen sich 36 Lizenzen, von denen acht Voll-Lizenzen sind, acht weitere Light-Lizenzen und 20 Lizenzen für Viewer-Arbeitsplätze. Letztere sind reine Auskunftsarbeitsplätze; das bedeutet, Mitarbeiter in den einzelnen Fachabteilungen der Stadtverwaltung haben die Möglichkeit, für sie relevante Daten aus PolyGIS abzufragen, aber nicht einzugeben oder zu bearbeiten. Riethmann und Taplan unterscheiden bei den aktuellen PolyGIS-Projekten kleine und große Themen. Die kleinen "werden so zwischendurch gemacht", erklären sie. Das sind beispielsweise das Denkmalkataster, das Jagdkataster oder die Wahlbezirke. Auch Teile des Kreisraumordnungskataster, dessen Daten bei der Kreisverwaltung im ArcView-Format vorliegen, wurden schnell und problemlos über eine Schnittstelle übernommen. Ein größeres Thema mit Zukunfstgehalt ist laut Riethmann und Taplan das Hausnummernbuch. Zur Zeit wird es in PolyGIS geführt, um die Vergabe neuer Hausnummern zu dokumentieren. "Wir wollen aber eine Verknüpfung mit den Einwohnerdaten herstellen, um dann den bei den nächsten Kommunalwahlen fälligen, neuen Zuschnitt der Wahlbezirke zu realisieren", erläutert Riethmann seine Pläne. Eine andere Vision ist der mobile GIS-Einsatz in Borken. Mit einem Felderfassungsgerät könnten die Gärtnerei oder der Baubetriebshof Daten aufnehmen, die dann stationär in PolyGIS weiterverarbeitet werden. Auch die Einrichtung von weiteren Auskunftsarbeitsplätzen über einen Browser sind Aufgaben für die nähere Zukunft.

Insgesamt lässt sich die Einführung von PolyGIS in der Borkener Stadtverwaltung als Paradebeispiel für eine schnelle und trotzdem wohlüberlegte Entscheidungsfindung charakterisieren. Auf Basis der Erfahrungen im eigenen Haus und der engen Zusammenarbeit mit IAC wurden Schwierigkeiten überwunden und es möglich gemacht, PolyGIS in kürzester Zeit sehr breit einzusetzen. GIS-Koordinator Klemens Taplan macht deutlich, dass die Aufgabenplanung weitere hochgesteckte Ziele für die Stadtverwaltung vorsieht und Kollege Dieter Riethmann ergänzt: "Unser Ziel ist eine hundertprozentige Verteilung von GIS-Daten im ganzen Haus". Und man glaubt ihnen ohne zu zögern, dass sie das auch in altbekannter Schnelle umsetzen.