01/2004

Online-Kundenzeitschrift der
Ingenieurgesellschaft für angewandte
Computertechnik mbH, Leipzig
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Effektive Stadtentwicklungsplanung mit "Kommunaler Statistik"
PolyGIS für die Stadt der Zukunft

Rathaus
Das Rathaus ist das Schmuckstück des Marktplatzes in Neustadt an der Orla
Der Abriss von Neubaugebieten und das gleichzeitige Schließen von Baulücken im historischen Stadtkern können sinnvoll sein, lassen sich aber manchmal schwer rechtfertigen - vor allem in Förderanträgen. In Neustadt an der Orla weiß man seit knapp einem Jahr die PolyGIS-Fachschale "Kommunale Statistik" genau für solch diffizile Aufgaben zu schätzen.

Wasser ist der Quell des Lebens. In Neustadt an der Orla huldigen die Bürger dieser Weisheit alljährlich mit einem Brunnenfest. Außerdem haben sie sieben alte Brunnen wieder belebt und unterirdische Wasserläufe freigelegt. "Will man nicht nur irgendeine ganz normale Kleinstadt sein, muss man sich schon was Besonderes einfallen lassen", erklärt Kirsten Effenberger das Engagement der Neustädter für das Leben spendende Nass. Die Stadtarchitektin arbeitet seit 13 Jahren im Bauamt in Neustadt an der Orla und ist ständig auf der Suche nach neuen und besonderen Projekten. Das sieht man der 9.200-Seelen-Gemeinde auch an. Neben großen Sanierungsobjekten gibt es auch kleine Besonderheiten: auffallend zweckdienliche und schöne Bänke vor der Stadtkirche, darüber ein Blätterdach aus Spalierplatanen oder eine kleine Fußgängerbrücke vor den neuen Vereinshäusern.

Kirsten Effenberger
"Mit handgemalten Karten ist jetzt Schluss. Ich bin froh über die professionellen und sehr repräsentativen PolyGIS-Karten", sagt Kirsten Effenberger

Schluss mit handgemalten Karten
Dabei hat auch Neustadt an der Orla die typischen Probleme einer ostdeutschen Kommune - den Bevölkerungsrückgang beispielsweise. 500 Wohnungen stehen leer und müssen "zurückgebaut" werden. "Das muss genau geplant werden, und will man Fördergelder haben, muss man auch begründen können, wo es sinnvoll ist, Wohnraum abzubauen", sagt Kirsten Effenberger. Ein dafür geeignetes Instrument wie die PolyGIS-Fachschale "Kommunale Statistik" kam der Stadt da gerade recht. Ende 2002 hat ein Partnerunternehmen der IAC in Neustadt an der Orla Software zur Liegenschaftsverwaltung installiert. Zu diesem Zeitpunkt waren hier in der Stadtverwaltung verschiedenste Systeme im Einsatz und man suchte nach einheitlichen und kompatiblen Lösungen. So kam es auch zu einer Präsentation von PolyGIS - die begeistert aufgenommen wurde. Seitdem können die Mitarbeiter der Stadt das im Zuge des Förderprogramms "Stadtumbau Ost" (siehe Kasten) erforderliche Stadtentwicklungskonzept einfacher und anschaulicher erstellen und dokumentieren. "Mit handgemalten Karten ist jetzt Schluss. Ich bin froh über die professionellen und sehr repräsentativen PolyGIS-Karten".

IAC als echter Dienstleister
Vor noch nicht einmal einem Jahr, im Mai 2003 wurde die PolyGIS-Fachschale "Kommunale Statistik" in Neustadt an der Orla auf zwei Arbeitsplätzen installiert. Inzwischen sind neben der Grundkarte und den ALK-Daten die Einwohnermeldedaten, Luftbilddaten, Schul- und Gewerbedaten, der Bauzustand sowie der Leerzustand der Gebäude in das System eingepflegt worden. Zum Teil hat IAC das als Dienstleistung übernommen. Auch in Zukunft möchte die Stadtverwaltung auf diese Möglichkeit zurückgreifen,
Gamsenteich
Neustadt an der Orla glänzt nicht nur mit vielen historischen Gebäuden, sondern auch mit Parkanlagen wie hier, rund um den Gamsenteich
 
Innenstadt
Viele Häuser in der mittelalterlichen Innenstadt sind restauriert
beispielsweise bei der Zuweisung aller Gebäude im Stadtgebiet zu Baublöcken oder bei der Korrektur der zum Teil fehlerhaften Grundkarte vom Katasteramt. Die Stadtarchitektin betont: "Ich möchte Informationen aus PolyGIS schnell und einfach herausholen. Wie sie reinkommen, überlasse ich gern den Fachleuten". Sie sei froh, mit IAC einen echten Dienstleister gefunden zu haben, der nicht nur das System, sondern auch individuelle Anpassung liefert.

Schulkonzept für den Landkreis
Der wichtigste Bereich, der in Neustadt an der Orla derzeit mit der PolyGIS-Fachschale "Kommunale Statistik" bearbeitet wird, ist die Leerstandsanalyse. Nachdem drei ABM-Kräfte ein Vierteljahr lang mittels Stadtbegehungen den Leerstand ermittelt hatten und die Stadtverwaltung diese Daten durch Einwohnermeldedaten und Angaben der Stadtwerke und der Müllentsorgung ergänzt hatte, wurden die Angaben in PolyGIS analysiert. Für einen Vergleich der historischen Altstadt mit einem Neubaugebiet im Süden der Stadt hinsichtlich Altersstruktur, Sozialstruktur und Bausubstanz liefert beispielsweise die PolyGIS-Fachschale übersichtlich und schnell anschauliche Grundlagen. So zeigt sich dann etwa, dass eine Baulücke in der mittelalterlichen Innenstadt durchaus erschließenswert ist - trotz Wohnraumüberschuss. "Das muss man aber gerade bei der Bewilligung von Fördergeldern plausibel begründen", sagt Kirsten Effenberger. "PolyGIS ist da ein wirklich hilfreiches Werkzeug, dessen Nutzungsbreite wir noch gar nicht vollständig ausschöpfen". Das reicht von der Vorbereitung und Präsentation von Wahlen bis zur Kindergarten- und Schulplanung. Letztere ist in Neustadt an der Orla zwar Sache des Landkreises Saale-Orla, aber Dank PolyGIS kann die Stadt Konzepte zum Erhalt der vorhandenen Schullandschaft erstellen und diese dem Landkreis unterstützend zur Verfügung stellen.

Baumkataster für die Zukunft
Wie sehen die Planungen für die Zukunft in Neustadt an der Orla aus? "Als nächstes möchten wir ein Baumkataster mit PolyGIS anlegen", sagt Kirsten Effenberger. "Und noch einige alte Brunnen ausgraben lassen." Wasser ist der Quell des Lebens. Die Neustädter an der Orla bleiben dran.

Förderung

Mit der Ausschreibung des Bundeswettbewerbs "Stadtumbau Ost" reagieren Bund und Länder auf den strukturellen Wohnungsleerstand in Ostdeutschland. Damit werden von 2002 bis 2009 insgesamt rund 2,7 Milliarden Euro für die Stadterneuerung zur Verfügung gestellt. Gefördert werden der Abriss leer stehender und langfristig nicht mehr benötigter Wohngebäude und Aufwertung städtischer Viertel. Darüber hinaus gibt es auch Fördermöglichkeiten über die Europäische Union beispielsweise aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung(EFRE). Daraus lässt sich in einzelnen Fällen sogar die Anschaffung der PolyGIS-Fachschale "Kommunale Statistik" finanzieren.