01/2007
Fachzeitschrift für POLYGIS-Kunden
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Umfassendes Straßenmanagement mit POLYGIS-KSIB
Den Straßen auf der Spur

Mit diesem kurzen Überblick möchten wir die Aufmerksamkeit auf eine POLYGIS-Fachanwendung lenken, die sich im letzten halben Jahr aufgrund des wachsenden kommunalen Bedarfs einer erheblichen Aufmerksamkeit erfreut. Die Anforderungen an das neue Thema Straßenmanagement sind so dynamisch, dass seither grundlegende Weiterentwicklungen durchgeführt wurden.

Das Ziel der Kommunalen Straßeninformationsbank, kurz POLYGIS-KSIB, ist die Lieferung eines vollständigen so genannten PMS (Pavement- Management-System, Pavement = Fahrbahn). Die Entwicklungen orientieren sich an den neusten Fachempfehlungen und den Bewertungskriterien, die im Umfeld des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF) aktuell entwickelt werden.

Aktueller Funktionsumfang
Abbildung 1 zeigt den Aufbau und die funktionalen Gliederungen. Die dargestellten Bereiche beschreiben den Funktionsumfang und die Aufgabenkomplexe, in die ein modernes PMS gegliedert ist. Grau hinterlegt ist die bisher vorhandene Funktionalität von KSIB.

Die Basis ist die detaillierte Erfassung des Straßennetzes. Für diese Aufgabe sind fachlich spezialisierte Dienstleister prädestiniert. Inzwischen sind jedoch auch Anwender bekannt, die das Netz mit POLYGIS und KSIB selbständig erfasst haben.

Mit dem Bestandsnetz in KSIB hat man ein erstes verwertbares Ergebnis – das Gemeindebestandsverzeichnis. Um das Verzeichnis den gesetzlichen Ansprüchen gemäß auszuwerten und in Dokumente „zu gießen“, bedarf es entsprechender Formulare, die in KSIB als Report enthalten sind.

Mit dem Netz als Grundlage kann zudem auf Basis von KSIB das Unterhaltungsmanagement betrieben werden. Hierzu zählen Schäden von der Erfassung bis zur Beauftragung sowie die typischen Unterhaltungsmaßnahmen (Beispiele siehe Abb.1).

Auch für die Zustandserfassung ist das Bestandsnetz die wesentliche Voraussetzung. KSIB unterstützt dabei alle gängigen Formen der Datenerhebung. So kann man durch Begehung die Daten für eine visuelle Bewertung erfassen. Zu gängigen Befahrungstechniken für die visuelle Bewertung sind Schnittstellen zur Datenübernahme (LEHMANN & PARTNER GmbH, Kirchheim) vorhanden. Die Schnittstellen zur Datenübernahme aus Befahrungen zur messtechnischen Bewertung (Schniering Ingenieurgesellschaft mbH, Essen) und zum Austausch der bereits digital vorliegenden Netze sind vorhanden.

Mit Hilfe des Netzes und der Zustandsnoten ist dann die Bewertung für die Doppik nur noch ein kleiner Schritt. Die optimale Einrichtung der erforderlichen Parameter im Vorfeld und das Verständnis dafür, sind derzeit bei vielen Kunden in der Diskussion. POLYGIS bietet zu diesem Thema Konsultationen an.

Eine Leistungsübersicht zu KSIB lässt sich wie folgt geben:

  • Gliederung des Straßennetzes nach Abschnitten und Knoten
  • Erfassung von Verwaltungsdaten wie Widmungen
  • Erfassung von Straßeninventardaten, z.B. Bauwerken, Masten oder Nebenanlagen
  • Erfassung von Verkehrsflächen zur präzisen Zustandsbewertung, aufbauend auf Straßen und Abschnitte
  • Komplette graphische Darstellung und Auswertung des Straßennetzes mit Integration von Daten wie ALK, ALB, ATKIS, Orthofotos, Stadtgrundkarten, Baumdaten u. a.
  • GIS-basierende Erfassungsmethoden (z.B. für die Verkehrsflächen-Digitalisierung auf Basis von Orthofotos) reduzieren den Grundaufwand für die Erfassung der Straßendaten und der Zustände erheblich und tragen zu einer wesentlich höheren Genauigkeit der Flächen gegenüber althergebrachten Stationierungsmodellen bei
  • Automatische Integration visuell ausgenommener Zustandsdaten aus Begehung und Befahrung (System von LEHMANN & PARTNER GmbH)
  • Automatische Integration messtechnisch aufgenommener Zustandsdaten z.B. des Systems ARGUS (Automatic Road Condition Graduating Unit System) der Firma Schniering
  • Komplette Verwaltung und Auswertung der Straßenzustandsgrößen aus der messtechnischen Zustandserfassung an Segmenten (z.B. Längsund Querneigung, Risse, Flickstellen, Längsebenheit, Querebenheit, Spurrinnentiefe u. a.)
  • Automatische Ermittlung von Substanz-, Gebrauchs- und letztlich Gesamtwert. Der Berechnungsalgorithmus beruht auf den gesetzlichen Grundlagen und den Normungen und Empfehlungen der FGSV. Die Variabilitäten sind durch Parameter einstellbar. Die Ergebnisse lassen sich als Diagramme und thematische Karten darstellen
  • Durch Klassenbildung bei Straßentypen und -aufbauten, Nutzung, Abnutzung und Schäden lassen sich Zustandsermittlung und Bewertung erheblich vereinfachen und beschleunigen
  • Ziel-, Warn- und Schwellenwerte sind variable Werte, die sich auf einzelne Zustandsgrößen beziehen, wodurch sich eine Prioritätensteuerung ergibt
  • Beliebige Auswertungsmöglichkeiten der Daten wie z.B. Längenbilanzen oder Flächenbilanzen nach allen Merkmalen einer Fläche
  • Kartographische Datenauswertung zur Darstellung der räumlichen Verteilung der Straßendaten und Zustände
  • Management und Bewertung des Straßeninventars
  • Ausgabe des Straßenverzeichnisses
  • Belieferung der Anlagenbuchhaltung der Doppik mit parametrisierbarer Schnittstelle (Bestand, Veränderungen, Abschreibungswerte, Generierung der Inventarnamen, Kontenzuordnung gem. des vorgegebenen Kontenplanes)
  • Voreinstellungen für die landesspezifischen Merkmale, insbesondere den Bewertungsparametern

Ausblick
Mit den in der Forschungsgesellschaft für Straßenund Verkehrswesen e. V. (FGSV) aktiven Städten wird KSIB in diesem Jahr zum kommunalen Pavement- Management-System (Pavement = Fahrbahn) erweitert. Die Stadt Wiesbaden als führendes und aktives Mitglied in der FGSV ist in diesem Prozess sowohl fachlicher Mentor für KSIB als auch unser Beta-Tester. Über den weiteren Fortschritt halten wir Sie selbstverständlich auf dem Laufenden.

Die FGSV

Die FGSV ist die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V. (www.fgsv. de). Sie entwickelt Empfehlungen und Methoden zum Erhaltungsmanagement von Straßen. Die Arbeitspapiere der FGSV sind die Leitlinie für das kommunale Straßenmanagement. Insbesondere die Arbeitspapiere 9/M1 und 9/ M2 aus 2001 und die Empfehlungen für Innerortsstraßen sind von kommunalem Interesse. Die Systematik der Zustandserfassung sieht eine Vorgehensweise vor, die sich im Einzelnen wie folgt darstellt:

M Messtechnische Zustandserfassung
V Visuelle Zustandserfassung
A Auswertung
R Rechnergestützte Erhaltungsplanung
S Substanzwert (Bestand)

Die sich anschließenden Bewertungen und Kriterien sind teilweise derzeit noch in der Diskussion.