Landesweites Stadtmonitoring in Sachsen-Anhalt
Effizienzsteigerung im Stadtumbau

In Ostdeutschland stehen derzeit
rund eine Million Wohnungen
leer. Mit bedarfsorientierten
Sanierungskonzepten kann dem
Leerstand entgegengewirkt werden.
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Im Rahmen eines Stadtmonitoring-Projektes des
Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr
sammeln nun seit 2005 44 Kommunen in Sachsen-
Anhalt differenzierte Daten zu ihrer Bevölkerung
und deren räumlicher Verteilung. Die
gewonnenen Erkenntnisse werden komplett in der
POLYGIS-Fachanwendung KOMSTAT verarbeitet
und liefert dann konkrete Entscheidungsgrundlagen,
die bisweilen der rein mathematischen Logik
widersprechen können. So stand Stadtplaner Jens-
Peter Finke in Aschersleben vor der Wahl: Eins
von drei Jugendzentren muss geschlossen werden.
Eins davon befindet sich in einer kleinen Eigenheim-
Kolonie am Rande der Stadt, wo gerade
noch 800 Menschen leben, die beiden anderen
liegen in dicht besiedelten Innenstadtbezirken.
Trotzdem entscheidet sich Finke für den Erhalt
des Jugendklubs am Stadtrand, da dort ein hoher
Anteil an Jugendlichen lebt, der auf die Freizeiteinrichtung
angewiesen ist.
Die Zahlen dazu zieht Finke aus der POLYGISFachanwendung
KOMSTAT der Leipziger IAC
mbH. Mit dieser Software erfasst und analysiert
der Stadtplaner alle kommunalen Daten. Durch
die intelligente Verknüpfung von raum- und sachbezogenen
Daten können so Fragen, etwa zur
Bevölkerungsentwicklung, zum Wohnbedarf oder
zur Gewerbesituation übergreifend beantwortet
werden.
Stadtentwicklung: Rückbau und Sanierung
Die Stadt Aschersleben ist eine von insgesamt
44 Städten und Kommunen, die im Rahmen des
Bund-Länder-Programms „Stadtumbau Ost“ Stadtmonitoring
in Sachsen-Anhalt betreibt. Ziel des
Monitorings ist, den demographischen Umbruch
genauer zu beobachten und zu analysieren, um auf
konkreter Datenbasis die richtigen Entscheidungen
zur Stadtentwicklung treffen zu können.
Die Experten sind sich einig: Die Einwohnerzahl in
Deutschland sinkt stetig. Daher ist Stadtentwicklung
heute meist gleichbedeutend mit Rückbau und
Sanierung. Insbesondere die neuen Bundesländer
sind von diesem Trend negativ betroffen, da sich
hier die Prozesse des Wirtschaftswandels massiv
mit dem demographischen Wandel überlagern.
So existiert zum Beispiel in Sachsen-Anhalt kaum
noch eine Region, in der die Bevölkerungszahl
stabil ist.
Allein Aschersleben, die älteste Stadt in Sachsen-
Anhalt, verlor nach der Wende rund 10.000 industrielle
Arbeitsplätze und 7.000 Einwohner; 2002
standen rund 3.000 Wohnungen leer.

Der Stadtumbau Ost hat zum Ziel,
die Attraktivität ostdeutscher
Städte und Gemeinden als Orte des
Lebens und Arbeitens zu sichern
und zu erhöhen.
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Rückbau sachgerecht planen
Verantwortlich für das „Landesweite Projekt des
Stadtmonitorings in Sachsen-Anhalt“ ist das Ministerium
für Landesentwicklung und Verkehr (MLV),
das damit 2005 startete. Das Projekt steht in engem
Zusammenhang mit dem Bund-Länder-Förderprogramm
Stadtumbau Ost, das mit insgesamt 2,56
Mrd. Euro ostdeutsche Kommunen beim städtebaulichen
Wandel unterstützt. Mittels Stadtmonitoring
können die Kommunen ihren Bedarf an
Finanzmitteln konkret nachweisen und deren Verwendung
sowie den zu erwartenden Nutzen vorab
aufzeigen. Dies ist eine Grundvoraussetzung für die
Genehmigung weiterer Finanzmittel.
Benchmark der Projektlandschaften
„Wir haben uns in Sachsen-Anhalt für einen pragmatischen
Weg beim Aufbau des Stadtmonitorings
entschieden und der Erfolg gibt uns eindeutig
Recht“, resümiert Frank Bartel, Referent für das
Stadtumbauprogramm im Ministerium für Landesentwicklung
und Verkehr (MLV), nach nunmehr
zweijähriger Projektarbeit.
bereits in unseren Nachbarländern so alles gibt und
wie das Stadtmonitoring angegangen wird“, erinnert
sich der Projektleiter. „Hierbei gelangten wir
zu der grundlegenden Erkenntnis, dass ein solcher
Prozess nur mit den Kommunen gemeinsam zu
gestalten ist, und nicht von oben herab oder durch
eine wie auch immer geartete losgelöste Begleitforschung
zu steuern sei“, ergänzt Bartel.
Man identifizierte im Jahr 2002 in Sachsen-Anhalt
insgesamt 44 Städte nach klaren Raumordnungskriterien.
So wurden alle Städte bis hin zu den
Grundzentren zur Projektmitarbeit eingeladen. Als
Grundvoraussetzung musste jede Stadt jedoch ein
integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) vorlegen.
Nach über zwei Jahren ist Frank Bartel mit den Zwischenergebnissen
der Städte zufrieden.
Aus seiner Sicht war es wichtig, dass
das Land viele Entscheidungen
an die Städte abgegeben hat.
Eine Arbeitsgruppe bestehend
aus insgesamt
10 Mitgliedern fungiert
dabei als Steuerungsgruppe,
die
die Projektplanung
und -bewertung in
den 44 Kommunen
vorantreibt und die
Rahmenbedingungen
festlegt. Neben der Auswahl
der zum Aufbau des
Stadtmonitorings einzusetzenden
Software oblag ihr auch
die Auswahl und Verpflichtung der
Projektbegleitforschung, die vom IfS Institut
für Stadtforschung und Strukturpolitik in
Berlin wahrgenommen wird.
Erfolgsfaktoren der Projektarbeit
„Wichtig für den Erfolg des Projektes ist die praxisorientierte
Herangehensweise in Sachsen-Anhalt“,
sagt auch Wolfram Staats, Leiter der Abteilung
Stadtplanung in Halberstadt. Die Stadt am Rande
des Harzes wurde vom Ministerium als Leitkommune
des Projektes vorgeschlagen, da sie bereits
sehr frühzeitig über ein fortgeschrittenes Stadtentwicklungskonzept
verfügte. Der Diplom-Ingenieur
für Städtebau ist der Auffassung, dass „das Verhältnis
zwischen Arbeitsaufwand und Erfolg stimmen
sollte“. So hätte man die Anzahl der zu erhebenden
Indikatoren mit nur etwas mehr als 130 überschaubar
gehalten. Natürlich waren die Kommunen auch
am Aufbau des Indikatorenkatalogs beteiligt. „Wir
haben uns beim Aufbau des Indikatorenkatalogs
nicht von theoretisch-wissenschaftlichen Motiven
leiten lassen, sondern sind nur auf das eingegangen,
was den Kommunen wirklich in der Praxis hilft“,
beschreibt Staats den Auswahlprozess.
Auch bei der Wahl der Software hat man in Sachsen-
Anhalt sichere Wege beschritten. „POLYGIS
KOMSTAT war das einzige fertige Produkt am
Markt, das auf Anhieb alle Leistungsanforderungen
erfüllen konnte“, erinnert sich Staats.
Stadtmonitoring setzt Einsatz voraus
„Das Sammeln der Daten ist zu Beginn des Monitoringprozesses
zwar ein erheblicher Arbeitsaufwand“,
sagt Jens-Peter Finke aus eigener Erfahrung.
Doch der Amtsleiter aus Aschersleben weiß
auch, dass es ohne diese Fleißaufgabe
einfach nicht funktioniert. „Die
Datenerfassung und -pflege
gehören zu meinen täglichen
Aufgaben. Nur
weil wir dies so konsequent
betreiben, bin
ich jederzeit in der
Lage, die gesamten
Stadtstrukturen
abrufen zu können
und in Karten darzustellen.
Die Visualisierung
ist extrem
wichtig für die Überzeugungsarbeit,
die
die Städte zum Beispiel
bei Bund und Land, bei den
Bürgern oder bei potenziellen
Investoren zu leisten haben“, berichtet
Finke aus seiner Praxis. „KOMSTAT in Verbindung
mit POLYGIS ist dafür die optimale Software“, lobt
Finke.
Frank Bartel würde alles wieder genauso machen.
„Die Kommunen verstehen inzwischen, dass sich
die Arbeit, die sie ins Stadtmonitoring investieren,
lohnt“, erklärt er. „Im Zuge der Föderalismusreform
werden Bundes- und Länderprogramme zunehmend
stärker evaluiert. Die Städte werden stärker
als zuvor ihren Bedarf an Fördermitteln, aber auch
die Effekte der verwendeten Mittel nachweisen
müssen“, meint Bartel. „Und deshalb ist schon jetzt
klar: Erfolgreich ist das, was den Kommunen wirklich
nutzt“, rundet Wolfram Staats den derzeitigen
Projektstand ab.
Zu einem intensiven Erfahrungsaustausch
über das landesweite Stadtmonitoring
in Sachsen-Anhalt trafen sich am
20. November 2007 Frank Bartel (MLV),
Wolfram Staats (Leitkommune Halberstadt),
Jens-Peter Finke (Stadt Aschersleben),
Hartmut Vieth (IBA 2010) und
Rolf Lüdicke (KOMSTAT, IAC mbH). Das
Gespräch fand im Ministerium für Landesentwicklung
und Verkehr in Magdeburg
statt.
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