Nicht nur für die Doppik
KSIB: Werkzeug zum wirtschaftlichen Straßenmanagement
Im Rahmen des Neuen Kommunalen Finanzmanagements
(NKF) sind Kommunen angehalten,
ihr Infrastrukturvermögen in der Eröffnungsbilanz
auszuweisen. Aufgrund dessen lassen zur
Zeit viele Kommunen ihr Straßennetz erfassen
und bewerten. Dies sollten sie allerdings nicht
übereilt tun, sondern vor der Beauftragung eines
Dienstleisters darüber nachdenken, zu welchen
Zwecken die so gewonnenen Daten eingesetzt
werden sollen. Denn die Ansprüche, die die Doppik
an die zu erfassenden Daten hat, sind eher
rudimentärer Art. Zur Einführung eines nachhaltigen
Erhaltungsmanagements genügen sie nicht.

Darstellung der Ausgangssituation
mit und ohne Luftbild:
Digitalisiertes Straßennetz mit
Netzknoten und Abschnitten sowie
Verkehrsflächen für alle zu
bewertenden Flächen. |
Speziell für Tiefbauämter ist es sinnvoll, sich im
Zuge des NKF für eine qualitativ hochwertige
Datenerfassung stark zu machen. Hat nur eine
Basiserfassung stattgefunden, bedeutet es nämlich
einen hohen Arbeits- und Kostenaufwand die
Daten später entsprechend aufzustocken. Anwender
von POLYGIS-KSIB profitieren besonders von
aussagekräftigen Straßeninformationen, da die
Straßeninformationsbank die perfekte Grundlage
eines Erhaltungsmanagements darstellt.
Durch die Erfahrung der KSIB-Kunden konnte eine
praktische Vorgehensweise identifiziert werden, die
sich prototypisch als sehr effektiv herausgestellt hat
und die im Folgenden kurz vorgestellt werden soll.
Vorbereitung und Durchführung
1. Netzerfassung
Basis für alle Schritte rund um die Straßen ist die
Erfassung des Straßennetzes (Knoten, Abschnitte)
in POLYGIS. Mit dieser Vorleistung wird das
grundlegende Ordnungssystem aufgebaut, auf das
bei allen weiteren Aufgaben zurückgegriffen wird:
Verkehrsflächen, Zustandserfassung, Bewertung,
Unterhaltungsmaßnahmen, Inventar, Doppik, Planungen
usw..
Sowohl die Ausführung dieser Leistungen über
Dienstleister als auch die Realisierung dieser Vorarbeiten
in kommunaler Eigenleistung haben bei den
KSIB-Anwendern zum Erfolg geführt.
2. Erfassung der Verkehrsflächen
Um präzise, realitätsgetreue Verkehrsflächen zu
erhalten, empfehlen alle Anwender die Nutzung
vorhandener Orthofotos. Denn die Überprüfung
im GIS bringt es schließlich an den Tag: die Flächen,
die aus den Stationierungen der alten Landesund
Kreisstraßenerfassungen und Querschnitten
abgeleitet werden, haben mit der geografischen
Realität nichts zu tun und führen somit oft zu
falschen Bewertungen.
Auch hier haben sowohl die Ausführung dieser
Leistungen über Dienstleister als auch die Realisierung
der Flächenerfassung in kommunaler Eigenleistung
zum Erfolg geführt.
3. Zustandserfassung
Sorgfalt ist in diesem Schritt für eine qualitativ gute
Arbeit unerlässlich. Der Kämmerer benötigt diese
Daten zwar nur zum Teil, doch mit Blick auf ein
nachhaltig kostensparendes Straßenerhaltungsmanagement
lohnt es sich, über den Tellerrand der
einmaligen, nur auf das NKF bezogenen Zustandserfassung
hinaus zu blicken
Zwei grundsätzlich verschieden Verfahren kommen
zum Einsatz:
- Die messtechnische Erfassung wird von Dienstleistern ausschließlich als Befahrung angeboten.
- Die visuelle Erfassung kann als Befahrung oder Begehung durchgeführt werden.
Wie unterscheiden sich diese Methoden?
Die messtechnische Erfassung einzusetzen, lohnt
sich erst ab einer bestimmten Zahl zu erfassender
Straßenkilometer. Zudem ist sie auch nicht so kostenintensiv
wie allgemein angenommen. Aufgrund
der größtmöglichen Genauigkeit sollten zumindest
größere Kommunen diese Erfassungsmethode für
Ihre Hauptstraßen kalkulieren lassen. Denn die
Ergebnisse sind belastbar und objektiv. Für die
vorgeschriebene neue Erfassung nach etwa 4-5 Jahren
ist dieses Verfahren prädestiniert, da wiederholsicher.
Zudem besteht die Möglichkeit, Bilder
vom Straßenraum direkt mit erfassen zu lassen.
Die Methoden für diese Verfahren sind durch die
Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen
(FGSV) beschrieben.
Die visuelle Erfassung durch Begehung wird meist
von Mitarbeitern der Kommune oder des beauftragten
Dienstleisters mit einem Laptop direkt vor Ort
durchgeführt. Für Werthaltigkeit des Verfahrens
und der gewonnenen Daten ist der Aufbau einer
einheitlichen Methodik von großer Bedeutung,
damit die Bearbeiter gleiche Kriterien verwenden.
Um den Straßenzustand langfristig bewerten zu
können, müssen die Tiefen der Spurrinnen in Millimetern
gemessen werden.
Bei der visuellen Erfassung durch Befahrung werden
von einem Fahrzeug aus Videosequenzen erzeugt,
die im Büro des Dienstleisters visuell ausgewertet
werden. Hieraus ergeben sich etwa die Maße des
Straßenkörpers. Spurrinnentiefen dagegen müssen
allerdings physikalisch gemessen werden.
Mit diesem schnellen und kostengünstigen Verfahren
können ebenfalls Bilder vom Straßenraum
erfasst, mit einigen Bildsequenzen des Videos geografisch
verortet und in POLYGIS hinterlegt werden.
Gleichgültig für welche Methode sich eine Kommune
entscheidet, sollte sie darauf achten, dass die
Daten des Straßennetzes im POLYGIS
weitergeführt werden können.
Um Kosten zu senken und gleichzeitig
eine objektive Grundlage für
Beauftragungen, Berechnungen
und Bewertungen zu schaffen, ist
es oft sinnvoll, das Straßennetz und
die Verkehrsflächen selbst zu erfassen.
4. Bewertung
Mit dem Datenunterbau aus den
Schritten 1 bis 3 dieses Beitrags
bewertet KSIB den Zustand der
Straßen nach den von der FGSV
empfohlenen Methoden.
Zur Darstellung der Ergebnisse stehen
thematisch Karten, Diagramme
und Listen zur Verfügung.
5. Doppik
Mit der Datengrundlage aus den
Schritten 1 bis 4 und einer
Voreinstellung der Bewertungsparameter
nach Kriterien,
die sich aufgrund
landesspezifischer und
hausinterner Vorgaben
ergeben, bewertet KSIB
die Straßen und gibt die
Daten über eine Schnittstelle
an das Finanzprogramm
weiter.

Visuelle
Methode: Von der
Zustandserfassung
bis zur -Auswertung.
6. Steuerung und Maßnahmen
Nachdem die Prozessschritte 1 bis
5 vollzogen sind, ist sehr viel über
den Ist-Zustand und den Wert der
Straßen bekannt.
Zudem ist eine Unterstützung bei
der Planung und Optimierung der
unmittelbar anstehenden Baumaßnahmen
wünschenswert: Wie akut
ist der Handlungsbedarf? Was kostet
meine Maßnahme? Wo setze ich die
Budgets am besten ein? Wie hoch ist
der Wertverlust, wenn ich eine Maßnahme
nicht durchführe?
Um die zukünftige Entwicklung
des Straßennetzes mit dem Einsatz
bestimmter Finanzmittel absehen zu
können, hat KSIB bereits ein Tool
zur Erstellung solcher langfristigen
Prognosen implementiert. Indem
die Straßenabnutzungen der Vergangenheit
hochgerechnet werden, können
auch Aussagen für den Zustand
und den Wertverlust der kommenden
Jahre getroffen werden (siehe
Bildleiste).
Die Maßnahmenplanungen sind
zurzeit noch in Diskussion bei der
FGSV.
KSIB im Einsatz – Praxisbeispiele

Prognostizierter Straßenverfall
im Fünfjahresrhythmus ohne
Erhaltungsmanagement in den
Jahren 2003, 2008 und 2013. |
Um zu verdeutlichen, dass sich die
soeben beschriebene Vorgehensweise
auch im Praxiseinsatz bewährt
hat, werden im Folgenden vier KSIB Beispielkommunen
präsentiert.
Auch wenn diese unterschiedliche Lösungsansätze
verfolgen, erlangen sie durchaus erfolgreiche
Ergebnisse.
Borken
Die Vorgehensweise der Stadt im westlichen Münsterland
zeichnet sich durch ein hohes Maß an
Eigenleistung und Wirtschaftlichkeit aus. Auf Basis
der vorhandenen Luftbilder erfasste ein Dienstleister
zunächst die Straßennetze und Verkehrsflächen.
Mit einem Laptop, auf dem KSIB und die Daten
installiert waren, führten Mitarbeiter der Stadt
anschließend die Bewertung und etwaige Flächenkorrekturen
im Feld aus.
Über PFM (POLYGIS- Fortführungsmanagement)
fand ein täglicher Abgleich zwischen Zentralprojekt
und Laptop statt. Die Bewertung war im Februar
2008 zu 98 % fertiggestellt.
Ansprechpartner Borken: Klemens Taplan, Tel.:
02861 939301
Ludwigshafen
sierten
Dienstleister Durth Roos Consulting GMBH
(DRC) beauftragt, die vorliegenden Bestandsdaten
zu prüfen und eine visuelle Zustandserfassung vorzunehmen.
Die messtechnische Befahrung führte
die Firma Schniering auf den Hauptverkehrsstraßen
durch. Dr. Großmann, Projektleiter von DRC,
bringt seine Erfahrungen mit KSIB auf den Punkt:
„Für uns war es das erste Mal, mit KSIB zu arbeiten.
Wir haben KSIB auf einem Tablett-PC vor Ort
genutzt. Die Arbeiten konnten in einer sehr hohen
Qualität durchgeführt werden. Hervorzuheben ist,
dass es keinerlei Probleme mit der Anwendung
von KSIB vor Ort gab. Die Stadt Ludwigshafen hat
mit der Beschaffung von KSIB eine sehr gute Wahl
getroffen.“
Ansprechpartner Stadt Ludwigshafen: Berthold
Best, Tel.: 0621 5046601
Brilon
Im Sauerland bildeten die ALK und die vorhandenen
Luftbilder die Basis für die Bewertung. Mit der
visuellen Flächenerfassung durch Vor-Ort-Begehung
und der Bewertung beauftragte man zwei
externe Unternehmen.
Die Daten für die Doppik sind bereits vollständig
an das Finanzsystem des Kämmerers übergeben.
Ansprechpartner Brilon: Axel Funke, Tel.: 02961
794421
Wiesbaden
Die Stadt Wiesbaden ist einer der Vorreiter im
Straßenmanagement. In den Jahren 1999, 2003 und
2007 wurden messtechnische Erfassungen durchgeführt.
Durch den Vergleich der Daten aus den
ersten beiden Jahren konnte das Tiefbauamt so
überzeugend Handlungsbedarf verdeutlichen, dass
die Budgets für den Erhalt der Straßen erhöht
wurden. Die dritte Befahrung 2007 zeigte dann
nachhaltige Verbesserungen: der Mitteleinsatz hatte
sich gelohnt.
Ansprechpartner Wiesbaden: Winfried Specht, Tel.:
0611 312377
Ein ausführlicher Bericht über die Erfahrungen mit
KSIB bei der Stadt Wiesbaden wird in der nächsten
vis à gis sowie auf unseren POLYGIS-Seiten im
Internet zu finden sein.
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