01/2008
Fachzeitschrift für POLYGIS-Kunden
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Nicht nur für die Doppik
KSIB: Werkzeug zum wirtschaftlichen Straßenmanagement

Im Rahmen des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF) sind Kommunen angehalten, ihr Infrastrukturvermögen in der Eröffnungsbilanz auszuweisen. Aufgrund dessen lassen zur Zeit viele Kommunen ihr Straßennetz erfassen und bewerten. Dies sollten sie allerdings nicht übereilt tun, sondern vor der Beauftragung eines Dienstleisters darüber nachdenken, zu welchen Zwecken die so gewonnenen Daten eingesetzt werden sollen. Denn die Ansprüche, die die Doppik an die zu erfassenden Daten hat, sind eher rudimentärer Art. Zur Einführung eines nachhaltigen Erhaltungsmanagements genügen sie nicht.


Darstellung der Ausgangssituation mit und ohne Luftbild: Digitalisiertes Straßennetz mit Netzknoten und Abschnitten sowie Verkehrsflächen für alle zu bewertenden Flächen.
Speziell für Tiefbauämter ist es sinnvoll, sich im Zuge des NKF für eine qualitativ hochwertige Datenerfassung stark zu machen. Hat nur eine Basiserfassung stattgefunden, bedeutet es nämlich einen hohen Arbeits- und Kostenaufwand die Daten später entsprechend aufzustocken. Anwender von POLYGIS-KSIB profitieren besonders von aussagekräftigen Straßeninformationen, da die Straßeninformationsbank die perfekte Grundlage eines Erhaltungsmanagements darstellt.

Durch die Erfahrung der KSIB-Kunden konnte eine praktische Vorgehensweise identifiziert werden, die sich prototypisch als sehr effektiv herausgestellt hat und die im Folgenden kurz vorgestellt werden soll.

Vorbereitung und Durchführung

1. Netzerfassung
Basis für alle Schritte rund um die Straßen ist die Erfassung des Straßennetzes (Knoten, Abschnitte) in POLYGIS. Mit dieser Vorleistung wird das grundlegende Ordnungssystem aufgebaut, auf das bei allen weiteren Aufgaben zurückgegriffen wird: Verkehrsflächen, Zustandserfassung, Bewertung, Unterhaltungsmaßnahmen, Inventar, Doppik, Planungen usw..

Sowohl die Ausführung dieser Leistungen über Dienstleister als auch die Realisierung dieser Vorarbeiten in kommunaler Eigenleistung haben bei den KSIB-Anwendern zum Erfolg geführt.

2. Erfassung der Verkehrsflächen
Um präzise, realitätsgetreue Verkehrsflächen zu erhalten, empfehlen alle Anwender die Nutzung vorhandener Orthofotos. Denn die Überprüfung im GIS bringt es schließlich an den Tag: die Flächen, die aus den Stationierungen der alten Landesund Kreisstraßenerfassungen und Querschnitten abgeleitet werden, haben mit der geografischen Realität nichts zu tun und führen somit oft zu falschen Bewertungen.

Auch hier haben sowohl die Ausführung dieser Leistungen über Dienstleister als auch die Realisierung der Flächenerfassung in kommunaler Eigenleistung zum Erfolg geführt.

3. Zustandserfassung
Sorgfalt ist in diesem Schritt für eine qualitativ gute Arbeit unerlässlich. Der Kämmerer benötigt diese Daten zwar nur zum Teil, doch mit Blick auf ein nachhaltig kostensparendes Straßenerhaltungsmanagement lohnt es sich, über den Tellerrand der einmaligen, nur auf das NKF bezogenen Zustandserfassung hinaus zu blicken

Zwei grundsätzlich verschieden Verfahren kommen zum Einsatz:

  • Die messtechnische Erfassung wird von Dienstleistern ausschließlich als Befahrung angeboten.
  • Die visuelle Erfassung kann als Befahrung oder Begehung durchgeführt werden.
Wie unterscheiden sich diese Methoden?

Die messtechnische Erfassung einzusetzen, lohnt sich erst ab einer bestimmten Zahl zu erfassender Straßenkilometer. Zudem ist sie auch nicht so kostenintensiv wie allgemein angenommen. Aufgrund der größtmöglichen Genauigkeit sollten zumindest größere Kommunen diese Erfassungsmethode für Ihre Hauptstraßen kalkulieren lassen. Denn die Ergebnisse sind belastbar und objektiv. Für die vorgeschriebene neue Erfassung nach etwa 4-5 Jahren ist dieses Verfahren prädestiniert, da wiederholsicher. Zudem besteht die Möglichkeit, Bilder vom Straßenraum direkt mit erfassen zu lassen. Die Methoden für diese Verfahren sind durch die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) beschrieben.

Die visuelle Erfassung durch Begehung wird meist von Mitarbeitern der Kommune oder des beauftragten Dienstleisters mit einem Laptop direkt vor Ort durchgeführt. Für Werthaltigkeit des Verfahrens und der gewonnenen Daten ist der Aufbau einer einheitlichen Methodik von großer Bedeutung, damit die Bearbeiter gleiche Kriterien verwenden. Um den Straßenzustand langfristig bewerten zu können, müssen die Tiefen der Spurrinnen in Millimetern gemessen werden.

Bei der visuellen Erfassung durch Befahrung werden von einem Fahrzeug aus Videosequenzen erzeugt, die im Büro des Dienstleisters visuell ausgewertet werden. Hieraus ergeben sich etwa die Maße des Straßenkörpers. Spurrinnentiefen dagegen müssen allerdings physikalisch gemessen werden.

Mit diesem schnellen und kostengünstigen Verfahren können ebenfalls Bilder vom Straßenraum erfasst, mit einigen Bildsequenzen des Videos geografisch verortet und in POLYGIS hinterlegt werden.

Gleichgültig für welche Methode sich eine Kommune entscheidet, sollte sie darauf achten, dass die Daten des Straßennetzes im POLYGIS weitergeführt werden können. Um Kosten zu senken und gleichzeitig eine objektive Grundlage für Beauftragungen, Berechnungen und Bewertungen zu schaffen, ist es oft sinnvoll, das Straßennetz und die Verkehrsflächen selbst zu erfassen.

4. Bewertung
Mit dem Datenunterbau aus den Schritten 1 bis 3 dieses Beitrags bewertet KSIB den Zustand der Straßen nach den von der FGSV empfohlenen Methoden.

Zur Darstellung der Ergebnisse stehen thematisch Karten, Diagramme und Listen zur Verfügung.

5. Doppik
Mit der Datengrundlage aus den Schritten 1 bis 4 und einer Voreinstellung der Bewertungsparameter nach Kriterien, die sich aufgrund landesspezifischer und hausinterner Vorgaben ergeben, bewertet KSIB die Straßen und gibt die Daten über eine Schnittstelle an das Finanzprogramm weiter.


Visuelle Methode: Von der Zustandserfassung bis zur -Auswertung.

6. Steuerung und Maßnahmen
Nachdem die Prozessschritte 1 bis 5 vollzogen sind, ist sehr viel über den Ist-Zustand und den Wert der Straßen bekannt.

Zudem ist eine Unterstützung bei der Planung und Optimierung der unmittelbar anstehenden Baumaßnahmen wünschenswert: Wie akut ist der Handlungsbedarf? Was kostet meine Maßnahme? Wo setze ich die Budgets am besten ein? Wie hoch ist der Wertverlust, wenn ich eine Maßnahme nicht durchführe?

Um die zukünftige Entwicklung des Straßennetzes mit dem Einsatz bestimmter Finanzmittel absehen zu können, hat KSIB bereits ein Tool zur Erstellung solcher langfristigen Prognosen implementiert. Indem die Straßenabnutzungen der Vergangenheit hochgerechnet werden, können auch Aussagen für den Zustand und den Wertverlust der kommenden Jahre getroffen werden (siehe Bildleiste).

Die Maßnahmenplanungen sind zurzeit noch in Diskussion bei der FGSV.

KSIB im Einsatz – Praxisbeispiele


Prognostizierter Straßenverfall im Fünfjahresrhythmus ohne Erhaltungsmanagement in den Jahren 2003, 2008 und 2013.
Um zu verdeutlichen, dass sich die soeben beschriebene Vorgehensweise auch im Praxiseinsatz bewährt hat, werden im Folgenden vier KSIB Beispielkommunen präsentiert.

Auch wenn diese unterschiedliche Lösungsansätze verfolgen, erlangen sie durchaus erfolgreiche Ergebnisse.

Borken
Die Vorgehensweise der Stadt im westlichen Münsterland zeichnet sich durch ein hohes Maß an Eigenleistung und Wirtschaftlichkeit aus. Auf Basis der vorhandenen Luftbilder erfasste ein Dienstleister zunächst die Straßennetze und Verkehrsflächen. Mit einem Laptop, auf dem KSIB und die Daten installiert waren, führten Mitarbeiter der Stadt anschließend die Bewertung und etwaige Flächenkorrekturen im Feld aus.

Über PFM (POLYGIS- Fortführungsmanagement) fand ein täglicher Abgleich zwischen Zentralprojekt und Laptop statt. Die Bewertung war im Februar 2008 zu 98 % fertiggestellt.

Ansprechpartner Borken: Klemens Taplan, Tel.: 02861 939301

Ludwigshafen
sierten Dienstleister Durth Roos Consulting GMBH (DRC) beauftragt, die vorliegenden Bestandsdaten zu prüfen und eine visuelle Zustandserfassung vorzunehmen. Die messtechnische Befahrung führte die Firma Schniering auf den Hauptverkehrsstraßen durch. Dr. Großmann, Projektleiter von DRC, bringt seine Erfahrungen mit KSIB auf den Punkt: „Für uns war es das erste Mal, mit KSIB zu arbeiten. Wir haben KSIB auf einem Tablett-PC vor Ort genutzt. Die Arbeiten konnten in einer sehr hohen Qualität durchgeführt werden. Hervorzuheben ist, dass es keinerlei Probleme mit der Anwendung von KSIB vor Ort gab. Die Stadt Ludwigshafen hat mit der Beschaffung von KSIB eine sehr gute Wahl getroffen.“

Ansprechpartner Stadt Ludwigshafen: Berthold Best, Tel.: 0621 5046601

Brilon
Im Sauerland bildeten die ALK und die vorhandenen Luftbilder die Basis für die Bewertung. Mit der visuellen Flächenerfassung durch Vor-Ort-Begehung und der Bewertung beauftragte man zwei externe Unternehmen.

Die Daten für die Doppik sind bereits vollständig an das Finanzsystem des Kämmerers übergeben.

Ansprechpartner Brilon: Axel Funke, Tel.: 02961 794421

Wiesbaden
Die Stadt Wiesbaden ist einer der Vorreiter im Straßenmanagement. In den Jahren 1999, 2003 und 2007 wurden messtechnische Erfassungen durchgeführt. Durch den Vergleich der Daten aus den ersten beiden Jahren konnte das Tiefbauamt so überzeugend Handlungsbedarf verdeutlichen, dass die Budgets für den Erhalt der Straßen erhöht wurden. Die dritte Befahrung 2007 zeigte dann nachhaltige Verbesserungen: der Mitteleinsatz hatte sich gelohnt.

Ansprechpartner Wiesbaden: Winfried Specht, Tel.: 0611 312377

Ein ausführlicher Bericht über die Erfahrungen mit KSIB bei der Stadt Wiesbaden wird in der nächsten vis à gis sowie auf unseren POLYGIS-Seiten im Internet zu finden sein.