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"Ein System für alles"
PolyGIS im Multifunktionseinsatz bei der Stadt Peine

Im niedersächsischen Peine entstand bereits Mitte der 80er Jahre der Wunsch nach Geoinformatik-Lösungen für die Liegenschaftsverwaltung oder die Kanaldokumentation. Aber die Stadtväter suchten so lange, bis sie mit nur einem System für alle Anforderungen direkt in digitale Welten springen konnten. Schließlich dauerte es bis 1996. |
Die Eule gilt als Symbol des Studiums und der Weisheit. Die niedersächsische Stadt Peine hat sie zu ihrem Wahrzeichen erhoben und vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Stadtväter bei ihrer Suche nach einem Geoinformationssystem (GIS) für die ehemalige Stahlstadt viel Geduld und Zeit für das Studium des Angebots verwendeten. Am Anfang der 90er Jahre stand nach Auskunft von Werner Schrader vom Hochbauamt Peine die simple Erkenntnis des damaligen EDV-Leiters der Stadtverwaltung: Ein System für alles.
"Wir konnten ja damals schon beobachten, wie benachbarte Kommunen für spezielle Aufgaben auch jeweils spezielle Software angeschafft hatten", weiß er zu berichten. Diese Kommunen ständen heute häufig vor der Aufgabe ihre vielfältigen Systeme für Kanaldokumentation, Liegenschaftsverwaltung oder Bauleitplanung wieder unter einem Dach zusammen führen zu müssen, um doppelte und damit teure Datenhaltung und -erhebung zu vermeiden. Dagegen ließ man sich in Peine Zeit und setzte auf Papier und Bleistift, bis man im Frühjahr 1996 auf die Software PolyGIS der Leipziger Firma IAC stieß. Über einen eher zufälligen CeBIT-Kontakt und Dank einer Untersuchung der Technischen Universität München, die unterschiedliche GIS in ihren Leistungsspezifikationen bewertet hatte, wurde Schrader auf das Leipziger Unternehmen aufmerksam.
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Zu diesem Zeitpunkt hatten sämtliche kommunalen Ämter über einen verwaltungsinternen EDV-Lenkungsausschuss ihre Wünsche in einem dicken Papierstapel zusammengetragen und eine Art Pflichtenheft daraus destilliert. Damit reiste Schrader nach Aschersleben, der ostdeutschen Partnerstadt Peines, die PolyGIS bereits nutzten. Endgültig überzeugt hat ihn allerdings eine Vorführung in Leipzig, als das GIS die von Schrader mitgebrachten offiziellen Peiner Daten des Amtlichen Liegenschaftskatasters (ALK) im sogenannten EDBS-Format problemlos verdaute.
"Als die Entscheidung schließlich gefallen war, haben wir denn auch gleich richtig angefangen", erinnert sich Schrader. Man ignorierte die von IAC mit Blick auf die gemeinhin schmalen kommunalen Budgets eher vorsichtig formulierte Mindestkonfiguration für die Hardware und investierte in Rechner, Drucker und Netzwerk genau so viel Geld, wie in die ersten sechs Softwarelizenzen. Aus finanziellen Gründen machte das Kanalkataster den Anfang. "Da konnten wir die notwendigen

Werner Schrader hat in Peine eine lange Geschichte bis zur GIS-Einführung in 1996 erlebt. "Wir haben die Entscheidung noch nie bereut", ist sich Schrader auch heute noch sicher, dass sich der lange Weg gelohnt hat. |
Investitionen schließlich über die Gebühren am leichtesten gegen finanzieren", begründet Schrader diese Strategie, denn im Vergleich zu den Preisrichtlinien für anderen kommunalen Leistungen dürfen in die Abwassergebühren die Abschreibungen für die Infrastruktur eingehen und damit auch die Investitionen für die Netzdokumentation. Auf diese Weise verschaffte sich Peine die Plattform für alle künftigen GIS-Anwendungen. Nach und nach baute die Verwaltung das System auf heute 20 Arbeitsplätze aus, auf denen vom Versiegelungskataster für die getrennte Abwassergebühr bis zum Parkraumkonzept zahlreiche Geodaten-Anwendungen laufen. Auch im nächsten Jahr werden sicher wieder einige neue Arbeitsplätze dazu kommen, denn in Peine hat man längst noch nicht alle Register für die Anwendung der Geoinformationstechnologie gezogen. "Wahrscheinlich gibt es für jede Anforderung auch irgend ein Spezialsystem eines anderen Herstellers, dass ähnliche Leistungsmerkmale wie PolyGIS aufweist, aber dann eben auch nur diese eine Aufgabe erfüllen kann. Das nützt uns nichts, wenn sie zum Beispiel nicht gleichzeitig auch die Flächennutzungsplanung oder die Erstellung eines Fahrradwegekatasters erlauben", fasst Schrader den Grundgedanken der "Ein-System-für-alles-Philosophie" zusammen.
Durch seine Position als Nachzügler konnte Peine zahlreiche Klippen umschiffen. So musste beispielsweise kein Mitarbeiter seine bisher gewohnte Software aufgeben, eine häufige Quelle für verwaltungsinterne Widerstände gegen technische Neuerungen. Gleichwohl musste auch Peine sein Lehrgeld zahlen. "Schon vor der Systemeinführung sind im Auftrag der Stadt von einem Vermessungsbüro digitale Schachtdaten für die Kanalisation erhoben worden", erinnert sich Schrader. Leider habe die Verwaltung aus Unerfahrenheit schlicht übersehen, sich die Nutzungsrechte an diesen Daten zu sichern. Für rund 100.000 Mark mussten sie also gekauft werden, nachdem die Stadt bereits ihre Erhebung gezahlt hatte.
Auch ein anderes Problem blieb bis heute ungelöst: Das Facility Management für die gut 250 Immobilien im kommunalen Besitz. "Das war Mitte der 80er Jahre eigentlich der erste Anstoß, um überhaupt über eine Geoinformatiklösung nachzudenken, und genau dieser Bereich liegt bis heute brach", so Schrader. Die Folgen illustriert er an einem simplen Beispiel. Alle fünf Jahre werden die Innenräume des Rathauses neu gestrichen. "Und jedesmal wird wieder neu ausgemessen, um die Quadratmeterzahl für die Farbmenge zu ermitteln, weil sich niemand mehr an das vorige Mal erinnern kann."
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