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Weiterbildung
Wieviel Schulung braucht der Mensch?
Sind Schulungen eine beliebig wählbare Option oder sind sie unverzichtbarer Bestandteil einer GIS-Einführung? An dieser Frage scheiden sich die Geister.
Wer kann es denn nicht verstehen, dass man nach einer meist sorgsam und langwierig geplanten Investition statt die Schulbank zu drücken gleich mit dem Projekt anfangen möchte. Außerdem spart man so Zeit und Geld und in das neue Programm findet man sich doch auch so rein, oder? Also braucht man keine Schulung!?
Stellt man dann nach den ersten Schritten im Umgang mit der Software fest, dass man nicht so recht vorankommt, dann ist die Ursache schnell klar: das Programm ist nicht bedienerfreundlich genug. So unzulässig dieser Schluss auch ist, so oft stellt man fest, dass dennoch vielfach nach dieser Maxime verfahren wird. Nach nunmehr acht Jahren Erfahrung mit GIS-Einführungsprozessen hat das Team der IAC GmbH, Leipzig, auf diesem Sektor schon so einiges erlebt und möchte all denjenigen, die glauben, Schulungen seien überflüssig und nur Geld- und Zeitverschwendung, eindringlich nachfolgende Gegenargumente ins Stammbuch schreiben, denn schließlich kann man aus Fehlern lernen, muss man aber nicht.
Zahlen lügen nicht!
Nachfolgend eine interessante Statistik, in welcher ganz allgemein Investitionen in Informationstechnologie in den USA und Deutschland gegenübergestellt werden.
| Von einer IT-Investition werden prozentual verwendet: |
| |
Deutschland |
USA |
| Für Vorbereitung, Test,
Auswahl, Ausschreibung |
35 % |
15 % |
| Für Hardware und Software |
60 % |
60 % |
Für Schulung und Training (Quelle: IDC, 1998) |
5 % |
25 % |
Diese Statistik bestätigt die sprichwörtliche Deutsche Gründlichkeit. Aber wie sieht der Lohn der gründlichen, deutschen Vorbereitung eigentlich aus? Die Produktivitätssteigerung der IT-Investition in den USA liegt durchschnittlich um 40 bis 60 % über der deutschen IT-Investition!
Warum, fragt sich der Experte. Die Antwort ist einfach: Die gründliche, deutsche Vorbereitung wird auf dem Ausbildungssektor verspielt! Entgegen der vielerorts herrschenden Meinung verbessert man Prozesse in erster Linie mit Menschen und dann erst mit Technik. In Deutschland scheint diese Erkenntnis noch nicht in alle Bereiche vorgedrungen zu sein.
Interessant ist auch das Zeitverhalten. Die US-Amerikaner benötigen für die System- und Technologieauswahl lediglich 4 bis 9 Monate. In Deutschland werden durchschnittlich 16 bis 36 Monate verwendet, d.h. pro Zeiteinheit wenden die US-Amerikaner etwa das doppelte Budget auf, wählen doppelt so intensiv aus. Man entschließt sich schnell und ist wirtschaftlich viel eher im grünen Bereich - durch Training der Mitarbeiter.
Aus Kundenumfragen ist seit 1995 bekannt, dass die zufriedensten und produktivsten PolyGIS-Anwender jene sind, welche ein umfangreiches Basistraining genossen haben und keine der jährlich wiederkehrenden Update-Schulungen (und sei es nur zum Erfahrungsaustausch) ausgelassen haben. Hier stimmen internationale Vergleichsstatistik und Erfahrungen eindeutig überein.
Schulungen - wie?
Schulungen sind entsprechend des Einführungsverlaufes individuell zu terminieren, denn Schulungen sind wesentlicher Bestandteil in der Einführungsphase. Schulungen sollten stets entkoppelt vom normalen Arbeitsalltag extern stattfinden, denn die Schulungsteilnehmer sind nur so garantiert ungestört und können sich voll auf die Schulungsmaßnahme konzentrieren. Außerdem ist zum Schulungserfolg ein Betriebsablauf notwendig, der explizit auf Schulungen eingerichtet ist. Die Schulungsarbeitsplätze müssen bereits ohne größere Vorbereitungen voll einsatzfähig sein. Dies ist nur beim professionellen Schulungsunternehmen gewährleistet.
Zeit ist Geld
Erfahrungen aus erfolgreichen Einführungsverläufen zeigen, dass die Grundschulung je nach Modul zwischen 2 und 4 Tagen dauern sollte. In Verbindung mit einer Reihe von flankierenden Planungsmaßnahmen zur selbständigen Bearbeitung der ersten Aufgaben in der Projektarbeit kann das in der Schulung gelernte optimal eingesetzt werden. Wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Projektstart ist neben der Schulung selbst die klare Definition der Startaufgaben. Es reicht nicht zu wissen, was man in den nächsten zwei Jahren alles machen will, sondern die detaillierte Planung der ersten Schritte ist wesentliche Voraussetzung für den Projekterfolg. Ebenso ist es zweckmäßig, bereits vor der Schulung und der Softwareinstallation das Kartenwerk und die Sachdaten "Projektreif" aufzubereiten.
Schulung - wer?
Wenn Schulungen erfolgreich sein sollen, dann ist neben der didaktischen Vorbereitung die Auswahl und Definition der Schulungsteilnehmer sowie die sinnvolle Gruppenzusammenstellung mindestens ebenso wichtig. Es macht schlichtweg wenig Sinn, wenn eine Schulungsgruppe inhomogen zusammengesetzt ist und die einzelnen Teilnehmer völlig unterschiedliche Schulungsziele haben. In vielen Fällen, insbesondere bei Teilnehmern, die eher der konkreten Sachbearbeitung im späteren Projektverlauf angehören, ist oft ein Vorbereitungstag erforderlich. Meist gehören diese Teilnehmer nicht unmittelbar zum "GIS-Insiderkreis" und benötigen zur Grundorientierung eine allgemeine Einführung, um einen Gesamtüberblick zu erhalten. Nur so kann gewährleistet werden, dass bei den später gemischten Lehrgängen dann ein gemeinsames Lernniveau erreicht werden kann, das einzelne Teilnehmer weder unter- noch überfordert.
Schulung - Objekt?
In jedem Fall soll an ausgesuchten Schulungsbeispielen mit fingierten Schulungsdaten geschult werden. Dies gewährleistet einen möglichst effizienten Erfolg, da der Schulungsverlauf nicht unmittelbar durch projektrelevante Fragen beeinträchtigt wird. Geschult wird in der Regel an kleinen, übersichtlichen Demonstrationsprojekten, die Abläufe und Verfahren in den Vordergrund stellen. Parallel sollten die Daten des Kunden aufbereitet werden und am Schulungsende dem Kunden vorgestellt und übergeben werden können. Dies ist eine optimale Ausgangsposition für die ersten nachfolgenden Projektschritte. Außerdem ist es sehr motivations- und produktivitätsfördernd, wenn das Startprojekt funktionierend und zweckmäßig strukturiert zum Abschluß der Schulung vorgestellt werden kann.
Fazit
Nur eine möglichst klare Definition der Aufgaben, eine zugeschnittene Datenvorbereitung und konzentriertes, ausreichendes Training führen dazu, dass sich die Investition bei der GIS-Einführung schnell amortisiert. Umfragen, Statistiken und Erfahrungen bestätigen dies seit Jahren. Ausreichende und gut geplante Schulung kann die neue Software schnell zum kalkulierbaren und beherrschbaren Werkzeug machen. Auch im späteren Projektverlauf sollte zielgerichtet Zeit für weitere Nachschulungen eingeplant werden. Update-Schulung, Aufbauschulungen und Vertiefungsschulungen sind in jedem Fall wesentlich effektiver als ein Projektverzug provoziert durch mangelnde Kenntnis und unsichere Softwarehandhabung.
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