02/2001

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"Eigentlich ein Dolmetscher"

PolyGIS in Schmalkalden-Meiningen

Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen nutzt die untere Naturschutzbehörde PolyGIS. Aber auch sonst hat das Programm in den Naturschutzbehörden Süd-Thüringens viel Verbreitung gefunden. Bei der Kommunikation zu anderen Behörden indes beginnt für die Administratoren die Arbeit als Dolmetscher zwischen den Systemen.

Wald
Reinhard Kühnert wählt seine Worte mit Bedacht. "Ich bin hier ja so eine Art Dolmetscher", umreisst er schließlich seine Aufgabe. Das dürfte es wohl treffen, denn gleich in zweifacher Hinsicht muss der gelernte Elektroingenieur und heutige Verantwortliche für das Geoinformationssystem PolyGIS in der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Schmalkalden-Meiningen Dinge von einer in die andere Sprache übertragen. Zum einen vermittelt Kühnert zwischen seinen technisch orientierten ehemaligen Kollegen aus der Informatik und den biologisch orientierten Umweltexperten der Naturschutzbehörde, zum anderen hat er immer wieder Daten aus PolyGIS in andere GIS-Systeme - vornehmlich des Landes Thüringen - hinüber zu schaufeln. "Das geht schon, ist aber etwas umständlich", lautet seine Erfahrung. Es geht, weil PolyGIS über zahlreiche Schnittstellen verfügt und seine Daten beispielsweise zu shape-files umwandeln kann, aber es ist umständlich weil andere GI-Systeme bei der Bescheibung der Daten und den Dateinnamen nicht so selbstverständlich mit Umlauten oder langen Begriffen agieren, wie PolyGIS. "Im Prinzip muss ich dafür wieder im guten alten DOS agieren", sagt Kühnert und das bedeutet: Kein Dateiname mit mehr als acht Zeichen. Also kopiert der Administrator seine PolyGIS-Daten eigens in einen neuen Projektordner und benennt von Hand alle Bezeichnungen um. Erst dann läuft der Datentransfer. In seiner zweiten Dolmetscherfunktion hat Kühnert hingegen die zeitraubenden
Fluss
Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen hat sich der Einsatz von PolyGIS bewährt. Vor allem der unproblematische Geodatentransfer mit PolyGIS ist beim Arbeiten im Netzwerk mit mehreren Behörden äußerst hilfreich.
Übersetzungsprozeduren verkürzen können. "Die Umweltexperten und die EDV-Leute können sich inzwischen ganz gut verständigen", beschreibt er das mit ein wenig Ironie. Das heißt, Biologen und Geographen können ihre Wünsche für das GIS inzwischen so formulieren, dass auch ein Informatiker weiß, wie eine Funktion im System am Ende aussehen soll und umgekehrt: Die Informatiker können ihre Systeme mittlerweile so erläutern, dass auch ein technisch weniger begabter Biologe weiß, welche Knöpfchen er drücken muss, um die aktuellsten Biotop-kartierungen auf seinen Bildschirm zu bekommen. "Das war nicht immer so", erinnert sich Kühnert an seine Anfänge bei der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Ende des Jahres 1996.

Seinerzeit allerdings bestand seine Aufgabe erst mal darin "aufzuräumen und Strukturen zu schaffen", wie er es formuliert. Natürlich bezieht sich der GIS-Mann mit diesem Ausspruch ausschließlich auf die vorgefundenen Datenbanken und Geo-Daten. Denn anders als in den westlichen Bundesländern ging und geht es in den neuen Ländern kaum darum, vorhandenen Datenfriedhöfen Leben einzuhauchen. Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen wie auch anderswo mussten überhaupt erst mal Daten erhoben werden. In zahlreichen Projekten haben daher immer wieder wechselnde ABM-Kräfte Daten aus den Aktenbeständen digitalisiert und dabei ihre jeweils eigene Ordnung geschaffen. Problematisch sind dabei bis heute die Geobasisdaten. "In unserem Landkreis, der bei der Gebietsreform 1994 aus den Landkreisen Schmalkalden, Meiningen und Teilen von Suhl-Land gebildet wurde, existiert auch jetzt nur für Bruchteile der Fläche die Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK)", berichtet Kühnert. So behalf man sich anfangs mit einer gescannten und georeferenzierten Version der topographischen Karte im Maßstab 1:10.000. "Das hat IAC seinerzeit für uns gemacht", erinnert sich Kühnert.

Zwischenzeitlich sind weitere Kartenblätter als Rasterdaten hinzugekommen, dazu gehören die TK 50.000 und die TK 100.000, sowie Luftbilder der Jenaer Geospace GmbH aus einer Befliegung im Jahr 1997. All diese Datensätze kann PolyGIS dank eines eigenen Rasterformats sehr schnell darstellen. "Die Fähigkeit als echtes hybrides GI-System auf dem Hintergrund dieser Rasterdaten auch digitalisierte Vektordaten aus anderen Datenquellen verarbeiten und darstellen zu können, macht PolyGIS für unsere Zwecke so hilfreich", meint Kühnert. Allerdings kann die Software die Probleme aufgrund der fehlenden Liegenschaftskarten nicht lösen. "Für unsere Belange aus dem Bereich Naturschutz, sowie Emissions- und Wasserschutz mag die topographische Karte ja zunächst mal ausreichen, aber sobald fiskalische Fragen berührt sind, brauchen wir halt den Blick auf die Liegenschaften", so Kühnert.

Deutlich wird dies insbesondere bei der Übertragung der Naturdenkmalsflächen der ehemaligen DDR in die aktuellen Karten. Das waren nach DDR-Recht als schützenswerte Flächen ausgewiesene Gebiete, die aber auf der Ebene der Flurstücke nur selten genau von den übrigen Grundstücken abgegrenzt waren. "Wenn wir solche Gebiete in den Katalog unserer Biotopkartierungen aufnehmen, müssen wir die Grenzziehungen heute häufig nach Ortsbegehungen und bestem Wissen und Gewissen vornehmen, so lange wir die Flurstücksgrenzen nicht exakt im Kartenwerk haben", so Kühnert. Eine andere Schwierigkeit liegt auf verwaltungstechnischer Ebene. Gerne würde Kühnert neben der Naturschutzbehörde auch andere Ämter von PolyGIS profitieren lassen. "Mit der neuen Netzwerklizenz könnten wir problemlos bis zu zehn GIS-Arbeitsplätze einrichten", doch bis auf Teile des Planungsamtes, das im Landkreis an Schuleinzugsbereichen und Nahverkehrskonzepten mit PolyGIS feilt, scheitert dies an der fehlenden Lizensierung der Geobasisdaten. Die digitale Version der TK 1:50.000 etwa kann die Untere Naturschutzbehörde aufgrund einer Rahmenver-einbarung des thüringischen Landwirtschafts-ministeriums mit dem Innenministerium des Landes unentgeltlich nutzen. Das aber bedeutet, dass andere Fachämter außerhalb der Zuständigkeit der Naturschutzbehörden keinen Zugriff auf diese topographische Karte haben dürfen. "Das ist zwar im PolyGIS technisch leicht zu lösen, da ich im Netzwerk ja beliebige Zugriffsrechte verteilen oder beschneiden kann, aber natürlich ist das für eine ämterübergreifende Zusammenarbeit, die gerade bei einem GIS sinnvoll wäre, nicht hilfreich", so Kühnerts Kommentar.