02/2002

Online-Kundenzeitschrift der
Ingenieurgesellschaft für angewandte
Computertechnik mbH, Leipzig
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Internet-GIS weist neue Wege

PolyGIS im östlichen Vorpommern

Und noch einen Vorteil bietet das Internet-GIS: Wenn UMTS oder ein vergleichbarer Dienst einmal läuft, ist es nur noch ein kleiner Schritt zur mobilen Anwendung. Mit Partnern im östlichen Vorpommern hat die IAC mbH erstmals ein Internet-GIS aufgebaut und weist somit den Weg in die Zukunft. Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten tun sich auf, die das Instrument sowohl für Versorger großer Einzugsgebiete als auch im kleinräumigen Gebrauch interessant machen. An erster Stelle kommt dabei ein Argument zur Geltung, das heutzutage hohe Bedeutung hat: Kosten sparen.

Landschaft
Das landschaftlich reizvolle Vorpommern ist dünn besiedelt, was Ver- und Entsorger vor besondere Herausforderungen stellt. Hilfe bietet PolyGIS
Schnurgerade Eichenalleen reichen zum Horizont, Störche staksen durch sattgrüne Feuchtwiesen, knallgelbe Rapsfelder wogen im Ostseewind. Die Landschaft in Vorpommern gehört zu den lieblichsten, die Deutschland zu bieten hat. Als bodenständig gelten ihre Bewohner, die nicht jedem kurzlebigen Trend hinterherlaufen.

Eher vertrauen die Vorpommern eigenen Lösungen, die auch überregional Maßstäbe setzen: Zum ersten Mal hat die Leipziger IAC mbH mit Partnern im nordöstlichen Zipfel Deutschlands ein Geoinformationssystem (GIS) aufgebaut, das als reine Internet-Anwendung funktioniert. Seit 1999 pflegt das Ingenieurbüro D. Neuhaus & Partner GmbH aus Anklam für seine Kunden zentrale Datenbestände, die mit PolyGIS von IAC bearbeitet werden. Das Besondere daran: Weil in Vorpommern die erforderlichen Bandbreiten noch nicht vorhanden sind, steht der Server mit PolyGIS im rund 300 Kilometer entfernten Leipzig bei der IAC. Die Anwender greifen per Internet darauf zu und brauchen dafür nichts weiter als einen Internetzugang und einen Browser.

"Eine Internet-Lösung war für uns das einzig vernünftige", sagt Günter Lange. Als Geschäftsführer der Gesellschaft für kommunale Umweltdienste mbH (GKU) ist er verantwortlich für die Wasserver- und Abwasserentsorgung in einem Gebiet von vier Abwasserzweckverbänden im östlichen Vorpommern. Über 3000 Quadratkilometer umfasst die Fläche, die mit rund 135.000 Einwohnern aber nur dünn besiedelt ist. Entsprechend schwierig ist es für die GKU, vernünftig wirtschaften zu können. Dazu kommt folgendes Problem: "Der Wasserverbrauch liegt bei uns mit 80 Litern am Tag weit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt", sagt Lange. "Die Leute hier sind sparsam."

G. Lange
Versorgt mit Hilfe von PolyGIS ein Gebiet von 3000 Quadratkilometern mit Trinkwasser: Günter Lange, Geschäftsführer der Gesellschaft für kommunale Umweltdienste
Sparzwängen begegnet der Ingenieur für Wasserwesen überall. Deshalb setzt er seit September vergangenen Jahres auf PolyGIS. "Ich muss das nicht haben, weil jeder eins hat, sondern ich erwarte konkrete Einsparungen". So überlegte er vor der Anschaffung gemeinsam mit Neuhaus & Partner auch lange, welches GIS für ihn am sinnvollsten wäre. Dabei galt es, die besondere geographische Situation zu berücksichtigen: Entsprechend der Größe des Versorgungsgebiets liegen die Betriebsstellen der GKU weit voneinander entfernt.

Logischer Schluss war ein Internet-GIS. "So können wir den Wartungsaufwand in den verschiedenen Betriebsstellen minimieren", sagt Lange. Bis jetzt arbeiten Mitarbeiter in drei der insgesamt fünf Betriebsstellen online mit PolyGIS. Auch dieses Vorgehen war von der GKU gewünscht. "Die finanzielle Lage ist für uns nicht so einfach, deshalb haben wir nach einer Lösung gesucht, die wir Schritt für Schritt aufbauen können", erklärt Lange.


Nicht weit vom Ostseestrand hat die IAC mbH PolyGIS erstmals als Internet-Anwendung installiert. Den Auftrag dazu gab das Ingenieurbüro D. Neuhaus & Partner GmbH aus Anklam
Schon seit Gründung der GKU 1993 wünscht er sich ein GIS für die Leitungsdokumentation. Zum einen geht es um die allgemeine Verfügbarkeit der Daten. "Wir wollen nicht immer unsere alten Meister holen müssen, weil die als Einzige noch wissen, wo irgendwann welche Leitung verlegt wurde", sagt Lange schmunzelnd. Des Weiteren liegt ihm die Genauigkeit der Angaben am Herzen. "Zum Beispiel gibt es immer wieder Anfragen von Energieversorgern, die wir einfach nicht genau genug beantworten können", sagt er. "Und den Aufwand bei einem Leitungstreffer sparen wir uns gerne."

Auch bei der Finanzierung betont der Geschäftsführer die Vorteile des Internet-GIS: "Durch die Überweisung einer monatliche Pauschale an Neuhaus und Partner können wir die Kosten deckeln". Das Ingenieurbüro fungiert als GIS-Dienstleister, der sich auch um die Zusammenstellung und weitere Pflege der benötigten Daten kümmert. Dabei trifft Neuhaus & Partner auf das bekannte Problem, dass für Mecklenburg-Vorpommern noch keine flächendeckende Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK) vorliegt. Andere Grundlagen müssen herhalten.

Das Ingenieurbüro benutzt einerseits bereits vorhandene Vermessungsdaten, der Grundstein dafür wurde vor Jahren gelegt. "Seit 1996 gibt es die Anforderung an die jeweiligen Vermesser, ihre Daten in einer bestimmten Form zu erheben", sagt Holger Groß, Prokurist von Neuhaus & Partner. Liegen für ein Gebiet keine Vermessungsdaten vor, behilft er sich mit Stadtkarten aus DDR-Zeiten, die für wichtige Teile Vorpommerns vorliegen. Die seien "bis auf einige Zentimeter genau und gut zu gebrauchen".

W. Witte
"Da schaue ich auch selbst mal rein", sagt Wolfgang Witte, Geschäftsführer der Stadtwerke Torgelow GmbH, über das neue Internet-GIS seines Unternehmens
Künftig erhobene Fach- und Sachdaten will die GKU jedoch auch ohne größeres Zutun eines Dienstleisters in das System einspeisen können. Zum Einsatz kommen soll das Modul Polyflexia von PolyGIS, mit dem Daten per Internet in die verwendeten Fachschalen geschrieben werden können. Das Modul ist hochmodern und wurde von der IAC erstmalig auf der CeBIT in diesem Jahr präsentiert. Der Aspekt der selbstständigen Datenpflege ist Lange wichtig. Auch so soll Geld gespart werden. Außerdem will er die Arbeit im Hause behalten: "Arbeitsplätze spielen eine große Rolle für uns." Gegen Ende des Jahres sollen "seine Leute" Sachdaten, wie Zustandsberichte von Leitungen und Schächten, online in das System schreiben können. Neuhaus & Partner bliebe lediglich noch betreuend tätig.

Das größte Ziel allerdings liegt in fernerer Zukunft: "Wenn UMTS erst einmal läuft, sollen die Leute draußen auch mobil mit dem GIS arbeiten können", sagt Lange. Allerdings denke er da langfristig: "Das kann innerhalb der nächsten zehn Jahre passieren".

Auch an anderer Stelle war man in Vorpommern auf der Suche nach der passenden GIS-Lösung. Um Synergien zu nutzen, beschlossen Stadtverwaltung und Stadtwerke Torgelow, gemeinsam eine digitale Stadtgrundkarte aufzubauen. Seit August 1999 wird das Kartenwerk auf Grundlage von Vermessungsdaten und der auch hier vorliegenden Stadtkarten aus DDR-Zeiten zusammengestellt. "Analoge Kartenverwaltung ist einfach nicht mehr zeitgemäß", sagt Wolfgang Witte, Geschäftsführer der Stadtwerke Torgelow GmbH.

Ein bedeutendes Argument für die digitale Technik sieht er in der Datensicherung und -archivierung. "Schließlich verschleißen analoge Daten mit der Zeit." Des Weiteren will er die Daten nicht nur zur Visualisierung seiner Leitungsnetze, sondern auch für Berechnungen nutzen, zum Beispiel in der Wasserwirtschaft. Nach einer Präsentation von Neuhaus & Partner war für ihn schnell klar, dass in Torgelow eine Internet-Lösung der beste Weg sei. Hier war der Grund weniger die räumliche Ausdehnung des Versorgungsgebiets wie im Fall der GKU, sondern die Tatsache, dass mit der Stadtverwaltung und den Stadtwerken zwei verschiedene Nutzergruppen das gleiche GIS benutzen. Per Passwort ist der Zugriff auf den jeweiligen Bereich beschränkt. Die Kosten teilen sich Stadt und Stadtwerke anteilsmäßig.

Bei den Stadtwerken arbeiten inzwischen drei Personen mit PolyGIS, "Und wenn mir danach ist, schaue ich auch selbst mal rein", sagt Witte. Als Ingenieur für Schiffselektronik und Nachrichtendienst fuhr er lange Jahre zur See und lässt sich jetzt auch auf dem Trockenen das Ruder nicht aus der Hand nehmen. Wenn UMTS so weit ist, will auch er seinen Technikern das Internet-GIS als mobile Anwendung zur Verfügung stellen. "Das macht sich dann bei der Havariebehebung unbezahlbar."