02/2003

Online-Kundenzeitschrift der
Ingenieurgesellschaft für angewandte
Computertechnik mbH, Leipzig
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Anwenderbericht
PolyGIS-Fachschale
PolyGIS-Funktionen
IAC-Messeauftritte
IAC-Lehrgänge
Editorial
Kurz belichtet
IAC-Homepage
Straßenverwaltung mit PolyGIS

Straßenverwaltung mit PolyGIS - eine vierteilige Reihe in der vis á gis

Teil 1:
Ziele der Kommunen und Datensituation - in Ausgabe vis á gis 01/03

Teil 2:
Netzaufnahme und Straßenverzeichnis - in Ausgabe vis á gis 02/03

Teil 3:
Messtechnische Straßenzustandserfassung - in Ausgabe vis á gis 03/03

Teil 4:
PolyGIS-KSIB als Erfassungs- und Bewertungsprogramm - in Ausgabe vis á gis 04/03

Die Kommunale Straßeninformationsbank - kurz KSIB - ist eine PolyGIS-Fachschale, mit der Kommunen die Sanierung oder den Neubau von Straßen optimiert planen können. IAC hat dieses wichtige kommunale Werkzeug mit zahlreichen neuen Funktionen ausgestattet und stellt in einer vierteiligen Reihe der vis á gis diese PolyGIS-Fachschale detailliert vor.

2. Teil:
Netzaufnahme und Straßenverzeichnis
Aktuelle Straßendaten rücken zunehmend in den Mittelpunkt einer modernen Straßenverwaltung. Einfaches Datenmanagement, schneller Zugriff und klare Datenstrukturen spielen dabei eine zunehmende Rolle. Die Effektivität einer Straßenbauverwaltung wird durch das Vorhandensein aktueller Straßenverzeichnisse in Form einer Straßeninformationsbank wesentlich erhöht.

Kommunale Straßenverzeichnisse bieten den Vorteil, alle Gemeindestraßen und sonstigen öffentlichen Straßen in einer übersichtlichen und einheitlichen Form zu verwalten. Besitzverhältnisse und Zuständigkeiten werden eindeutig festgelegt und stehen jederzeit zur Einsichtnahme zur Verfügung. Auswertungen, zum Beispiel hinsichtlich Straßenlängen, können einfach und schnell angefertigt und für Ausschreibungen herangezogen werden. Die Anlage von Kommunalen Straßenverzeichnissen ist entsprechend den Landesstraßengesetzen der jeweiligen Bundesländer geregelt.

Die PolyGIS-Fachschale "KSIB - Kommunale Straßeninformationsbank" ist ein modernes Werkzeug zur Verwaltung und Auswertung der Bestands- und Zustandsdaten der Straßen, die sehr viele zusammenhängende Informationen enthält. Damit die unterschiedlichen Informationen auch eindeutig zugeordnet werden können, muss es ein Ordnungssystem geben. Das Ordnungssystem in der PolyGIS-Fachschale KSIB orientiert sich an dem Netzaufbau der ASB (Anweisung Straßeninformationsbank). Die ASB ist der Standard für Straßendatenbanken in Deutschland. Der Bundesminister für Verkehr hat gemeinsam mit einigen Bundesländern in den 1970er Jahren diese Anweisung erarbeitet, um die Informationen für die Straßenbaulastträger in Deutschland zu verarbeiten. Dieses Ordnungssystem ist heute Grundlage für die Zuordnung von Eigenschaften der Straße und für die Einrichtung sowie die Laufendhaltung von Straßeninformationsbanken. Das System der ASB wird auch in vielen Verwaltungen der Kommunen genutzt.

Gliederung
Eine Straße in der KSIB ist durch eine Straßennummer eindeutig bestimmt, z.B. G 101 oder B 80. Der Straßenname kann dagegen im Verlauf einer Straße mehrfach wechseln oder der Straßenname kommt innerhalb der Gemeinde mehrfach vor. Deshalb ist der Straßenname kein eindeutiges Merkmal einer Straße. Eine Straße baut sich aus Abschnitten auf, d.h. jede Straße hat mindestens einen Abschnitt. Diese Abschnitte werden von Netzknoten begrenzt. Weiterhin können Abschnitte durch Stationen nochmals untergliedert werden, beginnend an einem Netzknoten und endend an dem im Verlauf der Straße nächstfolgenden Netzknoten. Durch die Angabe des Abschnittes und der Station ist ein eindeutiges Ordnungsmerkmal für jede Stelle einer Straße gegeben.

Netzknoten

Ausschnitt aus einer Netzknotenkarte
"Die Gliederung des gesamten Straßennetzes in Abschnitte (...) erfordert eine exakte und eindeutige Festlegung ihrer Anfangs- und Endpunkte, an denen die Stationierung beginnt bzw. endet" (ASB 2002, B 1-9). Netzknoten werden an Straßeneinmündungen, Straßenkreuzungen etc. gesetzt. "Netzknoten sind an den Verknüpfungspunkten der Straßen des aufzunehmenden Straßennetzes festzulegen" (ASB 2002, B 1-2). Dazu kommen noch solche Netzknoten, die für die Identifizierung eines Abschnitts benötigt werden. Zwischen zwei Netzknoten kann es immer nur einen Abschnitt geben. Jedem Straßenabschnitt ist eine Straßennummer und eine innerhalb einer Straße fortlaufende Abschnittsnummer zugeordnet. Ein Straßenzug kann dabei aus Abschnitten mit gleichem Straßennamen gebildet werden. Darüber hinaus wird jeder Abschnitt von zwei Netzknoten begrenzt. Durch die Unterscheidung der Netzknoten in Von-Netzknoten und Nach-Netzknoten wird die Richtung des Abschnittes bestimmt. Ein Abschnitt kann durch Stationen weiter untergliedert werden.

Stationen
Objekten und Merkmalen der Straße werden innerhalb eines Abschnittes Stationen zugeordnet. Es kann sich zum Beispiel um die Baulast, den Querschnitt, den Ortsteil oder die zuständige Dienststelle handeln. Diese Merkmale werden Verlaufsobjekte genannt, die deshalb mit einer Anfangs- und einer Endstation beschrieben werden. An Stationen, an denen sich Masten, Bäume, Entwässerungen etc. befinden, wird nur eine Station angegeben, da es sich hier um Punktobjekte handelt.

Bearbeitungsablauf
Für eine Kommune wird nach Festlegung des zu erfassenden Netzes eine netzorientierte Raumbezugsbasis geschaffen. Auf der Basis von vorhandenen Kartengrundlagen wird für die Kommune ein Informationssystem erarbeitet. Insbesondere Karten der Landesvermessung, ALK-Daten, Bestandspläne, Unterlagen zu geplanten Baugebieten, Luftbildaufnahmen etc. können zur Bearbeitung herangezogen werden. Im Programmsystem PolyGIS-KSIB können die vorhandenen Daten zur Erstellung eines Netzentwurfes gespeichert werden.

Das Straßennetz wird im Geoinformationssystem PolyGIS verwaltet. Auf der Basis der Netzdigitalisierung erfolgt der Netzentwurf. Dazu wird das Straßennetz im PolyGIS digitalisiert und zur Datenbank referenziert. Die kommunale Straßeninformationsbank wird aufgebaut. Dazu werden den Elementen des Straßennetzes Eigenschaften in der Datenbank zugewiesen.

Nach Abschluss der häuslichen Datenbearbeitung und der Prüfung des Netzentwurfes durch die Kommune, können die Daten in der Örtlichkeit geprüft werden. Zu den einzelnen Straßenabschnitten können die Netzdaten und Bestandsdaten erfasst werden. Zu den möglichen, in der Örtlichkeit zu erfassenden, Straßendaten gehören beispielsweise:

  • Netz- bzw. Verwaltungsdaten (Abschnittslängen, Ortsdurchfahrtsgrenzen, Fahrstreifen, Ortsteile, Widmung, Baulast etc.)
  • Bestands- bzw. Inventardaten (Bauwerke, Bäume, Entwässerungspunkte, Masten, Nebenanlagen, Oberfläche, Straßenquerschnitte, Geh- und Radwege etc.)

Örtliche Datenerfassung
Die örtlich erfassten Daten werden in der PolyGIS-Fachschale KSIB gespeichert und auf eventuelle Fehler geprüft. Im Anschluss können die Netzknotenpunkte in der Örtlichkeit erfasst und in der Datenbank gespeichert werden. In der KSIB-Fachschale besteht auch die Möglichkeit Fotos, beispielsweise von Netzknoten, Straßenabschnitten oder Entwässerungen zu verwalten.

Die Kommune erhält nach Abschluss dieser Arbeiten ein Straßenverzeichnis mit den erfassten Netz- und Bestandsdaten. Die Daten werden auf einem Rechner der Kommune zur Verwaltung und Auswertung des Straßennetzes in der KSIB-Fachschale gespeichert. Aus der KSIB-Fachschale können die Straßenlisten, wie Längenstatistik, Straßenbestandsverzeichnis oder Objektlisten, ausgegeben werden. Auch die Ausgabe eines Objektbandes, mit der Darstellung des Straßenquerschnittes, ist zur grafischen Veranschaulichung möglich. Im PolyGIS liegt der Kommune das Straßennetz zur Visualisierung und weiteren Bearbeitung vor. Somit ist es möglich, Übersichtskarten des Straßennetzes in einem geeigneten Maßstab auszudrucken. Ein wahlweiser Zugriff auf Objekte der Straße ist über die Karte oder die Datenbank gegeben.

Fazit
Eine Reihe wichtiger Kriterien, wie die Finanzlage der Straßenbaulastträger, der Straßenzustand, das gestiegene Ökologiebewusstsein und die Verkehrsmenge erfordern zwingend eine Planungsgrundlage und eine Grundlage zur Finanzplanung. Notwendige Informationen können durch die Nutzung einer Datenbank rasch zur Verfügung stehen. Ein umfangreicher Kenntnisstand über den Straßenbestand und den Straßenzustand ist gegeben.

Die Firma LEHMANN+PARTNER GmbH ist ein Dienstleistungsunternehmen für das Fachgebiet Straßeninformationsbanken in Deutschland. Seit dem Gründungsjahr 1990 werden von der Gesellschaft Straßeninformationssysteme für Straßenverwaltungen der Autobahnen, Bundes-, Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen eingerichtet, fortgeführt und fachbezogener Service geleistet. Schwerpunkt dabei ist die Erfassung unterschiedlichster Objekte an Straßen und deren Speicherung bzw. Aktualisierung in der Straßeninformationsbank.

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