02/2006
Fachzeitschrift für POLYGIS-Kunden
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Kommunales Straßenmanagement mit POLYGIS-KSIB
Werte erkennen, erhalten und schaffen

Kommunales Straßenmanagement mit POLYGIS-KSIB Das neue kommunale Finanzmodell hat mit der Doppik einen erheblichen Einfluss auf die zukünftige Ausgabengestaltung der Kommunen. Der Werterhalt der kommunalen Anlagen (Kanal, Straßen, Immobilien etc.) steht im Zentrum der Betrachtung. Die Doppik überwindet die bisherige Einnahmen/Ausgabenrechnung der Kommunen. Der zukünftige Blick wird sich zunehmend auf den Werterhalt der kommunalen Anlagen richten, der „Bilanzwert einer Kommune“ muss mindestens erhalten bleiben, besser noch er steigt. Die Finanzbetrachtung einer Kommune wird damit vergleichbar mit einem Industrieunternehmen. Die Bilanz steht an zentraler Stelle. Hier werden nicht wie bisher nur die Einnahmen und Ausgaben berücksichtigt sondern ebenso das gesamte Vermögen der Kommune sowie dessen Wertverlust oder -Steigerung. Eine Ausgabe für eine Erhaltungsmaßnahme kann damit durchaus den Bilanzwert der Kommune erhöhen, sie wird also reicher. Richtig investieren heißt das Gebot!

Der effiziente Einsatz der Finanzmittel an der richtigen Stelle ist also entscheidend. Üblicherweise sind mit den kommunalen Anlagen Straßen, Immobilien und Kanal bereits 80 Prozent des Vermögens beschrieben. Daher ist mit der Konzentration auf diese Vermögensarten bereits einiges gewonnen. Tatsächlich besteht aber ein erheblicher Anfangsaufwand für die Bewertung dieser Vermögensformen. Fachgremien wie zum Beispiel die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) beschäftigen sich seit Jahren systematisch und zunehmend mit dem Blick auf die Bewertung für die so genannte Eröffnungsbilanz.

Das ist die erste Bilanz, in der die Vermögenswerte monetär dargestellt werden. In den dann folgenden Jahren werden die Veränderungen in der Bilanz ausgedrückt, neben dem dafür erforderlichen Finanzbedarf.

Am Beispiel der kommunalen Straßen soll hier gezeigt werden wie das Produkt POLYGIS-KSIB (Kommunale Straßeninformationsbank) die Arbeiten für das notwendige Management wesentlich unterstützen kann.

Die FGSV hat eine Vorgehenssystematik für das Straßenerhaltungsmanagement empfohlen, wobei die Grundlage die quantitative Beschreibung der Straßen auf der Basis eines Informationssystems ist:

  1. Informationssystem (Bestandsverzeichnis)
  2. Zustandserfassung (visuell, messtechnisch)
  3. Zustandsbewertung
  4. Erhaltungsplanung
  5. bilanztechnische Bewertung (NKF)

Der Zweck von POLYGIS-KSIB ist, den gesamten Prozess vom Bestandsverzeichnis über die Zustandserfassung und Bewertung bis hin zum Erhaltungsmanagements zu unterstützen. Der Anfangsaufwand ist nicht zu unterschätzen; gemessen am Nutzen und an der Sicherheit der Entscheidungen (gerichtsfeste Entscheidungen) ist er jedoch mehr als gerechtfertigt. Die DOPPIK ist ein weiterer Grund zur Beschaffung der für das technische Management erforderlichen Datenbasis.

Informationssystem
Die Grunddaten bilden die Beschreibung des Straßennetzes auf der Basis von Netzknoten und den Abschnitten zwischen den Netzknoten. Eine Aufgabe, die sich allein mit einem Geografischen Informationssystem optimal lösen lässt.

Mit diesem Knoten / Abschnittsmodell ist DAS zentrale Ordnungsgerüst geschaffen und so eine wesentliche Grundlage für alle weiteren Straßendaten (Widmung, Baulasten, Straßenklassen, Verkehrsflächen, Inventar, Zustandsdaten u.a.) gelegt.

Im nächsten Schritt werden die Verkehrsflächen (Fahrbahnen, Radwege, Gehwege, Grün, u.a.) der Straße digitalisiert. Sachinformationen wie Baulast, Bauklasse, Deckenaufbau, Funktionsdaten, Bauwerksdaten können erfasst werden. Straßenbaumaßnahmen können verwaltet werden. Zur Unterstützung dieses Prozesses können vorhandene Daten mit POLYGIS verwendet werden (DSGK, Orthofotos, ATKIS, ALK).

Zustandserfassung (ZEV)
Die Zustandserfassung kann nach verschiedenen Methoden erfolgen: durch die visuelle Zustandserfassung oder durch messtechnische Zustandserfassung.

Die Visuelle Zustandserfassung kann durch Begehung oder Befahrung ausgeführt werden. Der Befahrungsdienstleister benötigt das Netz der Knoten und Abschnitte (als Ordnungssystem) und liefert die Befahrungsdaten digital im Nummernsystem des gelieferten Netzes an KSIB zurück.

Je nachdem wie die Begehung ausgeführt wird (Papier oder mit PDA), ist auch hier das Netz notwendige Voraussetzung (Ordnungssystem).

Als Ergebnisse der messtechnischen Befahrung entstehen, gemäß den Empfehlungen der FGSV an 20 Meter langen Segmenten, die den Abschnitten zugeordnet sind, sehr umfangreiche Werte, die auf Basis der Festlegungen der FGSV zu einem Substanzwert, Gebrauchswert und Gesamtwert verdichtet werden. Zusätzlich entstehen mit Stroboskop- Kameras gemachte Fotos. Die Segmente bieten den Ansatz für thematische Kartierung (siehe Bild 2). In einer Management-Konsole in KSIB können Diagramme generiert werden. Über Ziel-, Warn- und Schwellwerten werden Varianten ausgelotet werden. Alle Berechnungen sind parametrisierbar.

Als Beispiel von Zustandsmerkmalen seien hier erwähnt: Netzrisse, allg. Unebenheiten, Spurrinnen, Flickstellen, Zustand Bord /Rinne u.a..

Der unmittelbare Vorteil von KSIB ist, dass die Methoden zur Zustandserfassung kombiniert werden können. Zum einen Begehungen (visuelle Zustandserfassung) in Wohngebietstraßen und zum anderen automatisierte Verfahren (visuelle Zustandserfassung und / oder die messtechnische Zustandserfassung aus Befahrungen) für die Straßen, welche die hauptsächliche Verkehrslast tragen.

All das in Kombination mit der Karte schafft schon eine auch optisch sehr aussagekräftige Entscheidungsgrundlage durch Informationen zur Situation.

Zustandsbewertung (ZEB)
In den letzten Jahren ist für die Bewertungsverfahren auf der Basis von praktischen Untersuchungen und Pilotprojekten einiges getan worden. So ist POLYGIS-KSIB Bestandteil des Straßenprojektes in Wiesbaden. Die fachlichen Klärungen, die sich in den Empfehlungen und Normen der FGSV niederschlagen, werden im POLYGIS-KSIB in Algorithmen umgesetzt so, dass eine Bewertung aufgrund der Ordnungsdaten und der Zustandsdaten nahezu automatisch möglich ist.

Neben der Zustandsbewertung nach FGSV sind in KSIB weitere länderspezifische Bewertungsalgorithmen integriert.

Die Straßenzustände können sowohl über Thematische Karten im GIS, als auch über Diagramme und Reports visualisiert werden.

Erhaltungsplanung

Erhaltungsplanung

Die nun folgenden kommunalen Entscheidungen lassen sich gemäß der Tabelle strukturieren.

Alles unterliegt einer kommunalen Strategie. POLYGIS-KSIB stellt unmittelbar die finanziellen Konsequenzen einer Maßnahme dar. Das kommunale Management hat so die Möglichkeit, Alternativen zu betrachten und zu bewerten. In der Kombination mit nicht Straßen gebundenen Maßnahmen wie z.B. Arbeiten an der Entwässerung (unterstützt z.B. durch POLYGIS- Kanal) können sich andere Entscheidungsgrundlagen ergeben. POLYGIS als ganzes ist hier als Management- und Entscheidungs-Unterstützung zu sehen. Jede Erhaltungsmaßnahme kann damit in ihren wirtschaftlichen Folgen eingeschätzt werden: Was kostet das? Wie erhöht sich der Substanzwert? Wie erhöht sich der Gebrauchswert?

Bewertung des kommunalen „Anlagegut Straßen“ für die Doppik-Bilanz
POLYGIS-KSIB ordnet jedem Straßenabschnitt Werte für den Bestand, für die damit verbundenen ausstehenden Verpflichtungen und für die Erhaltung zu. Damit entsteht der Anfangsbilanzwert für das kommunale Straßenvermögen. In den folgenden Jahren werden die Veränderungen gemessen. Das kommunale Management hat jetzt die Möglichkeit, seine Maßnahmen zur Erhaltung in seiner finanziellen langfristigen Auswirkung einzuschätzen. Die eingesetzten Finanzmittel finden ihre Auswirkung in der Wertsteigerung des Straßenbestandes.

Aber bei diesem jungen Thema sind noch Fragen offen: Wie erfolgt die Abschreibung in der Anlagenbuchhaltung der Doppik? Durch Veränderungsmeldungen aus der Straßendatenbank, durch Neueinspielung des kompletten Straßenbestandes? Was ist das Anlagegut? Welcher Bilanzkontenrahmen wird zugrunde gelegt? Diese Fragen sind mit KSIB bereits beantwortet, denn Sie stellen mit der Einrichtung von KSIB alle diese Basisinformationen einmalig ein. So ist KSIB gerüstet für die mögliche Vielfalt bei Ländern und Kommunen.

Zusätzlicher Nutzen
Allein schon die Dokumentation der Straßeninformationen führt zu weiterem Nutzen. Sollten bislang Baulasten und Baulastenträger noch nicht geklärt sein, so ist dies der optimale Zeitpunkt es zu tun. Alle fachlichen und quantitativen Größen stehen jetzt zur Verfügung. Ungeklärte Widmungen und Straßenklassifizierungen lassen sich jetzt vervollständigen. Daraus abgeleitet entsteht das Straßenbestandsverzeichnis, welches zum einen Basis für die Gewährung von Zuschüssen und Fördermitteln ist und zum anderen der Kommune die notwendige Transparenz über den in Ihrem Verantwortungsbereich liegenden Straßenbestand vermittelt.

Neben dem optimalem Einsatz der Finanzmittel (mit dem Ziel des Erhaltes des volkswirtschaftlichen Vermögens, also dem Substanzwert) ist die Sicherstellung eines anforderungsgerechten, verkehrsicheren Fahrbahnzustandes (Gebrauchswert) im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht eine grundlegende Aufgabe der Kommune. Die Grundlagen dafür stehen jetzt zur Verfügung.

POLYGIS begleitet und unterstützt Sie über die gesamte Prozesskette, dabei erschließt POLYGIS zusätzlichen Nutzen aus den bereits verfügbaren Informationen anderer Fachanwendungen wie den Ver- und Entsorgungsanwendungen. Kombinierte Baumaßnahmen (z.B. mit Kanal) können zu wesentlichen Baukostenreduktionen führen. Ausgleichsmaßnahmen können mit KSIB, POLYGIS und dem Liegenschaftskataster geplant werden.

POLYGIS ist an wesentlichen Pilotprojekten beteiligt, so dass die zukünftigen Erfahrungen zu Bewertungen und Methoden ständig einfließen werden.

Die FGSV
FGSV Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswege e.V. Köln (www.fgsv.de) erstellt in Zusammenarbeit mit den kommunalen Verbänden, den Kommunen, Wissenschaftlern und Ingenieuren Arbeitspapiere für den praktischen Gebrauch beim Management von Straßen und Wegen.

Hervorzuheben sind:

  • die Empfehlungen zur Wirtschaftlichkeitsuntersuchung
  • an Straßen (EWS, 1997)
  • das Arbeitspapier AP9 zur Systematik der Straßenerhaltung
  • die Zustandserfassung- und Bewertung der Fahrbahnoberflächen von Straßen (ZEB)
  • die Erhaltungsplanung.