02/2007
Fachzeitschrift für POLYGIS-Kunden
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POLYGIS in der Stadtentwässerung Karlsruhe
Ein System wächst mit seinen Aufgaben
Karlsruhe
Im Stadtgebiet Karlsruhe gibt es heute ein Kanalnetz von etwa 1.100 Kilometern Gesamtlänge. Rund 290 Kilometer wurden bereits vor dem 2. Weltkrieg verlegt.

Viel vor, viel dahinter. Dieses Motto der Stadt Karlsruhe gilt auch in der Fachabteilung Stadtentwässerung im Tiefbauamt: 1.100 Kilometer Kanalnetz, 40.000 Hausentwässerungsanlagen, 90.000 hydraulisch wirksame Einzelflächen, 140 Grundwasserpegel – ursprünglich erfasst in 3.500 detaillierten Katasterplänen und einer umfassenden Film- und Bilddokumentation plus Schieber- und Bohrkataster – sollten in einem integrierten Kanalinformationssystem verwaltet werden. Dieses erstellt exakte Präsentationsgrafiken, unterstützt Kanalnetzberechnungen, Fließwegverfolgungen, Hausentwässerungsuntersuchungen und vieles andere mehr. Mit POLYGIS wurde 2006 nach langem Suchen ein System gefunden, das diese komplexen Aufgaben der Fachleute in der Karlsruher Kanalinspektion und -planung bewältigt.

Informationsprospekte und Fachartikel liegen beim Gesprächstermin mit Dipl. Ing. Albrecht Dörr, Planungsleiter der Stadtentwässerung Karlsruhe, seinem Mitarbeiter Rüdiger Haas und ihren Kollegen Harald Eder und Niclas Biehle aus der Kanalinspektion auf dem Tisch. Auch der einleitende historische und technische Überblick macht deutlich: Hier sind Profis am Werk. So verwundert es auch nicht, dass die Dokumentation und Verwaltung des umfangreichen Kanalnetzes bereits seit 1991 EDV-gestützt erfolgen. Ausgangspunkt war eine Eigenentwicklung, ein alphanumerisches System, das auf Basis der umfangreichen Erfassungsdaten erforderliche Reports und Statistiken erstellte. Parallel wurde ein digitales Kanalkataster als grafische Lösung mit Raumbezug geführt. Die doppelte Datenhaltung befriedigte die Verantwortlichen in Karlsruhe jedoch auf Dauer nicht. Neben dem Mehraufwand bei der Erfassung und Pflege kam es zu Widersprüchen zwischen grafischen und numerischen Daten – beides verstärkte sich mit zunehmender Datenfülle und Komplexität der Aufgaben.

Der lange Weg zur Gesamtlösung
Doch die Suche nach einem einheitlichen Planungs- und Betriebssystem zog sich hin: Eine erste deutschlandweite Marktstudie 1999 brachte keine befriedigende Perspektive. „Wir haben alle damals gängigen Systeme mit Blick auf unsere Aufgabenstellungen überprüft.

Hier sind Profis am Werk: Dipl.-Ing. Albrecht Dörr, Planungsleiter der Stadtentwässerung Karlsruhe mit seinem Mitarbeiter Rüdiger Haas und ihren Kollegen Niclas Biehle und Harald Eder aus der Kanalinspektion (v.r.n.l.)
Das Ergebnis sah eigentlich immer so aus, dass wir einen Haufen Geld investiert hätten, um dann im Resultat weniger zu haben als zuvor“, erläutert Albrecht Dörr. Erst 2005 stießen die Karlsruher, die eigentlich auf der Suche nach einer Lösung für gesplittete Abwassergebühren waren, auf POLYGIS. Nach einem weiteren Benchmark kam das System unter acht Wettbewerbern in die engere Wahl. Schon während des Auswahlverfahrens war klar, dass für den in Karlsruhe üblichen Arbeitsstandard bei allen Systemen Anpassungen erforderlich waren. Das umfangreiche Dokumentationsmaterial aus dem eigentlichen Kanalkataster sowie die diversen Sonderkataster für 5.000 Bohrlöcher, 140 Grundwassermessstellen etc. mussten ebenso integriert werden wie zum Beispiel die Ergebnisse der Kanalmesskampagne, die die Stadtentwässerung 2002/2003 durchgeführt hatte. Neben der gewohnten Präzision wünschte man sich eine komfortable Unterstützung aller wichtigen Planungs- und Betriebsaufgaben durch integrierten Datenzugriff, Fließwegverfolgung oder Kanalnetzberechnung auf der Grundlage der realen Anschlussgegebenheiten. „Wir haben vor diesem Hintergrund zahlreiche Anwender speziell auch nach ihren Erfahrungen mit der Flexibilität und Servicebereitschaft der einzelnen Anbieter befragt“, führt Planungsmitarbeiter Rüdiger Haas aus. „POLYGIS erhielt auch unter diesem Aspekt Bestnoten.“

Integrierte Kanalinformation mit POLYGIS
Die SWBB aus dem saarländischen Kirkel wurde eingeladen, auf der Basis ihrer POLYGIS-Fachanwendung Kanal eine Premiumlösung für den komplexen Bedarf in Karlsruhe zu entwickeln, und nahm die Herausforderung an. Geschäftsführer Lothar Bubel: „Wir sahen hier die Möglichkeit, einen namhaften Referenzkunden zu gewinnen, dessen Arbeit für das gesamte Arbeitsfeld Stadtentwässerung wegweisend ist.“

In einem dreitägigen Workshop Anfang 2006 stellten die Fachleute der Karlsruher Stadtentwässerung den Entwicklern der SWBB ihre Aufgaben und Gedankenwelt vor und testeten mögliche Anwendungsfälle. Binnen weniger Monate waren große Teile des Pflichtenhefts umgesetzt und die Bestandsdaten überführt. „Die haben sich wirklich ins Zeug gelegt“, lobt Dörr, dem durchaus klar ist, wie schwierig es für einen GIS-Entwickler ist, die komplexen Anforderungen einer Großkommune nachzuvollziehen. Als Beispiel führt er das integrierte Kanalinformationssystem an, das auf Knopfdruck jede gewünschte Information aus dem Netz – Planauszug, Bild, Film, Tabelle oder Berechnung – zur Verfügung stellt und damit die Arbeitsprozesse der Planung und des Betriebs optimal und effizient unterstützt. „Auf unseren Wunsch entwickelte SWBB sogenannte flat tables, die es ermöglichen, alle im Einzelfall benötigten Informationen per Knopfdruck aus der Datenbank abzurufen“, erläutert der Planungsleiter, dem man den Stolz auf seine Lösung ebenso anmerkt wie die Hochachtung für das Engagement der SWBB. „Auch die Präsentationsgrafik ist tatsächlich genau so, wie wir sie benötigen.“

Produktive Arbeit und neue Perspektiven
Seit Anfang 2007 ist POLYGIS in der Stadtentwässerung Karlsruhe an 10 Vollarbeitsplätzen im produktiven Betrieb. Bis zu 30 Auskunftsarbeitsplätze sollen in absehbarer Zeit hinzukommen. Aktuell laufen die Erfassung und Bearbeitung der insgesamt 40.000 Hausentwässerungsleitungen in Karlsruhe. 6.000 sind bereits im System. „Heute haben wir etwa 90 Prozent dessen erledigt, was wir uns ursprünglich mit POLYGIS vorgenommen hatten“, berichtet Niclas Biehle und sein Kollege Haas ergänzt „aber danach fällt uns bestimmt noch etwas Neues ein.“