02/2007
Fachzeitschrift für POLYGIS-Kunden
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POLYGIS im Einsatz bei den Landkreisen

„Die Größe eines Landkreises solle so sein, dass ein Landrat an einem Tag mit der Kutsche zu einem Ort hin und zurück reisen kann.“ Dies zumindest waren die Überlegung der Herren Freiherr vom Stein und Fürst von Hardenberg im Jahr 1808. Beide setzten sich dafür ein, den preußischen Feudalstaat durch eine effektive Verwaltungsstruktur zu einem modernen Gesellschaftssystem zu entwickeln. Die daraus entstandenen kommunalen Aufgaben weisen nahezu alle einen geografischen Raumbezug auf und eignen sich heute in besonderer Weise für eine GIS-gestützte Verwaltung in POLYGIS.

Die bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts begründete Selbstverwaltung der kommunalen Gebietskörperschaften hat bis heute Bestand und ist in Paragraph 28 des Grundgesetzes geregelt.

Flexible Nutzung der Grunddaten: Kataster, Fachdaten im Kataster, Unterstützung mit Orthofotos. POLYGIS-Fachanwendungen für Kreise und Kommunen: POLYGIS-ALK und -ALB, POLYGIS-ROK oder POLYGIS-NATUR.

Seither hat sich natürlich viel geändert. Die etwa 1000 preußischen Kreise wurden auf 323 bundesdeutsche Kreise reduziert. Die Kreise sind in 13 Landesverbänden und diese im Deutschen Landkreistag organisiert. Sie nehmen eine wesentliche Aufgabe für die Kommunen im Auftrag des Staates wahr und haben die Pflicht, kleinere kreisangehörige Gemeinden bei der Verwaltungsarbeit zu unterstützen. Im Wesentlichen nimmt der Kreis folgende Aufgaben wahr: Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz, Abfallbeseitigung, Lebensmittelüberwachung, Tierseuchenbekämpfung, Kfz-Zulassung, Unterhaltung der Kreisstraßen, Grundstücks- und Liegenschaftsvermessungen, Liegenschaftskataster, berufsbildende Schulen, Gesundheitswesen, Führerscheinwesen, Bauaufsicht, Jugendpflege und Katastrophenschutz. Diese Vielfalt kann je nach Größe der kreisangehörigen Gemeinden variieren.

Nahezu all diese Aufgaben haben mit Personendaten im Sinne von Eigentumsverhältnissen zu tun und weisen einen geografischen Raumbezug auf – die Voraussetzung für den Einsatz in POLYGIS. Entscheidend hierbei ist die enge Zusammenarbeit mit den Kommunen. Es ist offensichtlich, dass Instrumente aus der IT-Welt diese Zusammenarbeit wesentlich unterstützen können, denn die Nutzung eines Geografischen Informationssystems (GIS) gestaltet das Zusammenspiel zwischen Kreis und Gemeinde wesentlich einfacher.

POLYGIS im Einsatz bei den Landkreisen
Am Beispiel des Landratsamtes Freiberg lässt sich die Bedeutung für die tägliche Arbeit sehr gut aufzeigen. Vor der Einführung von POLYGIS bestanden bereits einige Fachverfahren, die allerdings in unterschiedlichen Datenbanksystemen organisiert waren. Grunddatenbestände wie ALK und ALB sind aber in den Kreisen und den Gemeinden der zentrale Leitbestand für die meisten Fachverfahren.

Mit POLYMAP sind diese Daten nun in einer Gesamtsicht verfügbar. Dabei wurden die ursprünglichen Verfahren nicht verändert, die Sachdaten aus unterschiedlichen Datenhaltungssystemen werden integriert. In diesem Beispiel sind die Daten aus Foxpro (TSN), MySQL (ALB), MS-Access (WrV), MSSQL (SALKA), WMS (Landesvermessung) und sämtliche Daten aus POLYGIS in einer geografischen Gesamtsicht darstellbar und auswertbar.

Beispiele aus der Praxis
Das einfache Beispiel für die Windkrafträder ist hier besonders aussagekräftig. Die geplanten Positionen der Windkraftanlagen kommen aus einer Datenbank. Die Sicherheitsradien um die Kraftanlagen werden errechnet. Die Verschneidung der Radien mit der ALK und dem ALB geben dann Auskunft darüber, welche Eigentümer von der Planung betroffen sind. Die Ergebnisse können anschließend im Intranet verfügbar gemacht werden. Dieses Beispiel für die GIS/Intranet-Integration lässt sich durch weitere ergänzen.

Raumordnungskataster und Flächennutzungsplanung

So ist beispielsweise die Tierseuchenüberwachung eine besondere Aufgabe der Kreise. Sie wird durch das amtliche Meldesystem TSN unterstützt. TSN beinhaltet eine Client-Software, die zur Datenerfassung und -auswertung dient. Sie ist fest vorgeschrieben und für die Einzelbetrachtung implementiert worden. In vielen Fällen ist aber nicht nur das eine Verfahren für die Auswertungen von Bedeutung. Vielmehr sind im Falle der intensiven Tierhaltung zusätzliche Überprüfungen gemäß dem Immissionsschutzrecht durchzuführen. Mit Hilfe der Funktionalitäten von POLYGIS und POLYMAP können die Verfahren integriert werden. POLYGIS verwaltet und liefert die Grunddatenbestände wie ALK und ALB. POLYMAP koppelt diese mit Tierhalterdaten. Diese verbleiben bei den Verfahrensherren, werden aber in der Karte eingeblendet und sind über Filter such- und auswertbar. Für den Endanwender sind diese Vorgänge transparent. Er erhält eine Gesamtsicht auf die Daten – angepasst an konkrete tägliche Aufgabenstellungen.

Die sich stetig weiter entwickelnden Aufgaben können meist nicht vollständig vorausgedacht werden. Die Entwicklung der Gesellschaft, der Bevölkerung und der Wirtschaft stellt die Kreise vor neue Herausforderungen. Diesem Bedarf in der öffentlichen Verwaltung gerecht zu werden, setzt ein zukunftsfähiges Technikkonzept voraus, das mit den Mitteln von POLYGIS gegeben ist: Integration und Adaption von beliebigen Fachdatenbeständen, einfache thematische geografische Auswertungen und die POLYGIS-Fachanwendungen für Kreise und Kommunen wie POLYGIS-ALK und -ALB, POLYGIS-ROK (Raumordnungskataster) oder POLYGIS-NATUR. Darüberhinaus werden diese Verfahren durch Partneranwendungen unterstützt. Die POLYGIS-Technologie macht alle Verfahren direkt auch für Intranet und Internet verfügbar. Die umfangreichen Datenmengen für die Grunddaten wie ALK, ALB oder Orthofotos werden durch die verteilte Datenhaltung von POLYGIS für alle Beteiligten verfügbar gemacht.