03/2002

Online-Kundenzeitschrift der
Ingenieurgesellschaft für angewandte
Computertechnik mbH, Leipzig
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PolyGIS-Fachschale
Editorial
Kurz belichtet
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Software für die Bauverwaltung

PolyGIS im fränkischen Hilpoltstein

Nicht nur in den neuen Bundesländern, sondern deutschlandweit hat die Leipziger IAC mbH inzwischen das Geoinformationssystem PolyGIS auf dem Markt. Dabei werden Vertrieb und Wartung teilweise von Partnerfirmen übernommen - in Bayern unter anderem von der bec-kommunal Software GmbH. Das Feldkirchner Unternehmen vertreibt PolyGIS in Kombination mit seiner eigenen Software, der bec Bauverwaltung.

Foto: Jonas Siehoff
Fachwerk, wohin das Auge blickt: Auch das Rathaus von Hilpoltstein schmücken historische Holzbalken
"Fachwerkbauten auf Schritt und Tritt", so wirbt das fränkische Hilpoltstein um Besucher - und das ist nicht übertrieben. Selbst die Stadtverwaltung sitzt zwischen historischem Fachwerk, die Amtsstuben werden getragen von mächtigen Holzbalken. Auf den Straßen des Städtchens stehen Blumenkübel und überall liegt Kopfsteinpflaster. "Das war eine Initiative im Rahmen der Städtebauförderung", sagt Michael Pfeiffer, stellvertretender Bauamtsleiter in Hilpoltstein. "Wir haben den Stadtboden mit Granitpflaster neu gestaltet. Hier hat sich in den letzten Jahren viel getan, wobei viele Privatleute mitgezogen haben." Gerade er spürt den Fortschritt aber nicht nur, wenn er durch die Gassen schlendert, sondern vor allem, wenn er bei der Arbeit ist. Seit rund vier Jahren bedient er sich des Geographischen Informationssystems (GIS) PolyGIS. Der Großteil seiner Arbeit besteht aus der Vorbereitung von Bauausschuss-Sitzungen und Bauantragsverfahren. Dabei sind regelmäßig eine Menge Fragen zu klären, zum Beispiel: Wer ist der Eigentümer eines Grundstücks? Oder: Wie groß ist ein Grundstück überhaupt? "Durch das GIS ist eigentlich alles viel einfacher geworden", sagt Pfeiffer. Am deutlichsten mache sich das System für ihn dadurch bemerkbar, dass er die benötigten Daten jetzt bequem am Bildschirm "abholen" könne. Früher habe er bei der Beantwortung von Anfragen regelmäßig zum Planschrank "marschieren" und die Karten heraussuchen müssen. "Und dann lagen die Grundstücke immer im Eck, dann waren's gleich vier Karten", lacht Pfeiffer. Inzwischen kann er sich das Kramen nach den richtigen Ausschnitten sparen, per Mausklick findet er sie passend im GIS. So kann er seine Aufgaben nicht nur schneller erledigen, er nutzt die vorhandenen Daten auch häufiger: "Früher wurde der Gang ja nur gemacht, wenn man ihn machen musste, jetzt klickt man auch so mal rein." Das Besondere an der Lösung in Hilpoltstein: Das Bauamt nutzt PolyGIS in Kombination mit einer speziellen Verwaltungssoftware, der bec Bauverwaltung von der bec-kommunal Software GmbH, Vertriebspartner der IAC mit rund 250 Kunden in Bayern - darunter Kommunen jeder Größenordnung: von der Gemeinde Jachenau am Alpenrand mit rund 900 Einwohnern über Hilpoltstein mit 13.000 bis hin zu Würzburg mit 130.000.

Foto: Jonas Siehoff
Kopfsteinpflaster, Blumenkübel und ein Brunnen zieren die historische Altstadt des fränkischen Hilpoltsteins
"Die Partnerschaft bot sich an, weil immer mehr Kunden die ‚Bauverwaltung' mit einem GIS kombinieren möchten", sagt Winfried Behrendt, Geschäftsführer der bec-kommunal, der den Trend schon seit längerem beobachtet. "Natürlich war GIS vor einigen Jahren noch ein sehr dünnes Thema", erklärt er. "Mitte der Neunziger gab es ja vielfach noch keine digitale Flurkarte in den Gemeinden." Inzwischen würden aber rund 30 Prozent seiner Kunden mit PolyGIS arbeiten. Dabei kümmert sich die bec-kommunal nicht nur um den Vertrieb, sondern auch um die Betreuung der PolyGIS-Anwender. Das nötige Wissen über die Software haben sich ihre Fachkräfte selbst angeeignet - offensichtlich erfolgreich: "In Sachen Hotline gibt es keine Probleme", lobt Pfeiffer.

Begonnen hat für Behrendt alles mit der Nachfrage der Kommunen nach einem Flurstückverwaltungs-Programm mit integrierten Daten des Automatisierten Liegenschaftsbuchs (ALB). Mit Zunahme des Themas GIS habe er sich für eine Zusammenarbeit mit der IAC entschieden, "weil wir beobachten konnten, wie das System entstand und davon überzeugt waren". Infolge programmierte die bec-kommunal eine Schnittstelle zu PolyGIS, so dass der Anwender fast nicht merkt, dass er mit zwei Programmen gleichzeitig arbeitet. Ein einfacher Mausklick aktiviert in der Menüleiste der "Bauverwaltung" den Schalter "GIS ein". Bei Betätigung kann sich Michael Pfeiffer eine Karte der gewünschten Liegenschaften anzeigen lassen und dann aus der Karte heraus über die bec-kommunal-Software verschiedene Abfragen der ALB-Daten starten. Und auch der umgekehrte Weg ist möglich: Über einen in der "Bauverwaltung" gewählten Eigentümer kann auf das GIS zugegriffen werden - die entsprechenden Grundstücke werden dann kartographisch dargestellt. Pfeiffer ist begeistert von dieser einfach zu bedienenden Lösung: "ALB-Daten und GIS gehören einfach zusammen", bekräftigt er. Er habe Kommunen nie verstanden, die "getrennte Wege" gegangen seien. "Erst mit einem GIS macht es Spaß."

Foto: Jonas Siehoff
Seitdem er mit PolyGIS arbeitet, sind die Gänge zur Wandkarte seltener geworden: Michael Pfeiffer, stellvertretender Bauamtsleiter von Hilpoltstein
Früher habe er Anfragen zu Flurstücken, etwa bei Bauantragsverfahren, an das Vermessungs- oder Grundbuchamt gerichtet, und zwar entweder per Fax oder schriftlich. "Und das dauerte", sagt Pfeiffer. In heutigen Zeiten, "wo ja alles viel schneller gehen muss", sei so ein Vorgehen undenkbar. "Nehmen Sie zum Beispiel einen Bauern, der als Beauftragter für den Wegebau in seinem Ort tätig ist", erläutert Pfeiffer. "Der ruft dann bei mir an und braucht eine Wegekarte seines Ortes". Ein paar Mausklicks, und der passende Kartenausschnitt würde ausgedruckt. Noch ein weiteres Beispiel hat Pfeiffer parat: "Nehmen Sie nur unsere Feldgeschworenen" - Gehilfen des Vermessungsamtes, die sich unter anderem darum kümmern, Grenzsteine freizulegen, wenn es darum geht, neue Leitungstrassen für die Wasserversorgung zu bestimmen. Früher hätten die regelrecht das Gelände durchkämmen müssen, heute könne ihnen Pfeiffer hilfreiche Daten aus dem GIS zur Verfügung stellen. "Generell habe ich eine erhebliche Zeiteinsparung", bringt es der Verwaltungsbetriebswirt auf den Punkt - "und dadurch mehr Zeit für andere Aufgaben." Zwar erfordere der digitale Datenbestand auch regelmäßige Pflege, "aber das ist machbar". Über den täglichen Anwendungen schwebt für Pfeiffer eine Vision: "Wir machen die Bauausschuss-Sitzung komplett mit Laptop und Beamer, und wenn dann die Frage kommt: ‚Was haben wir denn da so drum herum?', kann man das auf einen Klick zeigen." Dazu will Pfeiffer Objekte im GIS, zum Beispiel Gebäude, mit Fotos verknüpfen. "Eine digitale Kamera haben wir schon", sagt er. Spätestens nächstes Jahr will er seinen Traum verwirklichen.

Nicht nur im Bauamt von Hilpoltstein kommt PolyGIS zum Einsatz: Die Hauptverwaltung nutzt es bei Verkäufen von Grundstücken, die Kämmerei unter anderem zur Berechnung der Straßenmeter eines Grundstücks für die Straßenreinigung. Vier Vollversionen von PolyGIS hat Hilpoltstein angeschafft, dazu mehr als 15 Viewerversionen sowie die Fachschalen Kanal und Verkehrszeichen. "Jeder Arbeitsplatz in der Kernverwaltung ist ausgestattet", sagt Pfeiffer.

Besonders stolz ist er darauf, dass der Flächennutzungsplan von Hilpoltstein inzwischen komplett digital vorliegt. "Damit sind wir eine unter wenigen Gemeinden." Die Daten für den vorbereitenden Bauleitplan stammen von der digitalen Grundkarte des Vermessungsamtes, die in Bayern der Automatisierten Liegenschaftskarte entspricht. 95 Prozent der 90 Quadratkilometer Fläche von Hilpoltstein sind inzwischen digital erfasst. Wo keine digitalen Daten vorliegen, ließ Pfeiffer analoge Karten im Maßstab von 1:1000 und 1:5000 digitalisieren - auch diese Aufgabe übernahm die bec-kommunal. "Wegen der geringen Personalausstattung lassen wir fast alles fremd machen", erklärt Pfeiffer. "Außerdem bin ich Anwender und muss nicht jede technische Möglichkeit beherrschen, dafür gibt es Dienstleister, die zum Beispiel Daten einlesen können", sagt er.

So wie es aus der Stadtkasse Geld für externe Dienstleister gibt, war auch die Anschaffung der neuen Programme nicht schwer durchzusetzen. "Die Überzeugung, dass wir so etwas brauchen, war einfach da", sagt Pfeiffer. Auch der Bürgermeister habe von Anfang an dahinter gestanden. "Das waren einfach beste Voraussetzungen." Trotzdem habe man sich nicht Hals über Kopf auf das nächstbeste Angebot gestürzt, sondern das System vor dem Kauf erst einmal mehrere Monate lang getestet. Inzwischen hat sich in Hilpoltstein PolyGIS in Kombination mit der bec Bauverwaltung so bewährt, dass Erweiterungen in Planung sind. Noch dieses Jahr soll PolyGIS um Lizenzen der Fachschalen Kanal und Wasser für die Kläranlagen und das Wasserwerk erweitert werden.