03/2003

Online-Kundenzeitschrift der
Ingenieurgesellschaft für angewandte
Computertechnik mbH, Leipzig
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Anwenderbericht
PolyGIS-Fachschalen
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Editorial
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PolyGIS-Einsatz erleichtert Planung des Stadtjubiläums
1250 Jahre Aschersleben -
von der Gründung bis zum GIS

Foto: C. Martin
Eine wechselvolle Geschichte hat die Stadt Aschersleben hinter sich. Heute erstrahlt sie mit vielen restaurierten Häusern in neuem Glanz
Sieben Jahre lang nutzt die Stadt Aschersleben schon das Geoinformationssystem PolyGIS und stößt auf immer neue Einsatzmöglichkeiten. Neben den Hauptaufgaben Bauleitplanung und Bauverwaltung löst das GIS hier auch Exotischeres: Radwegeplanung, Fördermittelanträge oder sogar die Planung von Stadtfesten.

Dieses Jahr wird gefeiert in Aschersleben. Die Stadt wird 1250 Jahre alt und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Frühmittelalterliche Völkerwanderungen, Frankenzüge, der Dreißigjährige Krieg und die industrielle Revolution prägten die älteste Stadt Sachsen-Anhalts. Und weiter geht's auch heute mit rasanten Entwicklungen. Da wird saniert, aus-, um- und neugebaut. Baulücken entstehen und verschwinden, der Wandel ist überall sichtbar. Gründe genug zum Feiern. Und so wurde das diesjährige Stadtjubiläum Ende Juni mit einer Festwoche würdig begangen. Zehn Tage lang genossen die 27.000 Einwohner mit ihren Gästen Kultur, Markttreiben, Party, Sport und Kulinarisches. Den Höhepunkt bildete ein über drei Kilometer langer historischer Festumzug, den Abschluss ein imposantes Feuerwerk. Und die Planungen für dieses aufwendige Ereignis? Begannen nicht nur lange im Voraus, sondern wurden auch durch den Einsatz von PolyGIS unterstützt.

Hybrides GIS gefragt
Seit 1996 arbeitet die Stadtverwaltung Aschersleben mit PolyGIS. "Damals ging es um
Foto: C. Martin
"Einfach loslegen, nicht lange zögern", ist das Motto von Jens-Peter Finke, Mitarbeiter der Abteilung Stadtplanung
Bebauungspläne. Die machen wir immer noch mit PolyGIS. Aber das System kann viel mehr und das wissen wir zu nutzen", sagt Jens-Peter Finke, Mitarbeiter der Abteilung Stadtplanung in Aschersleben. Das reiche von der Radwegeplanung über Fördermittelanträge bis zur Planung von Stadtfesten. Dabei folgt Finke einem Motto, das da lautet: "Einfach loslegen, nicht lange zögern!" Als Mitte der 90er Jahre die kommunalen Mittel knapp wurden, musste auch in Aschersleben gespart werden. Bebauungspläne wurden bis dato extern für viel Geld in Auftrag gegeben. "Das können wir doch selbst", beschlossen Finke und seine Kollegen. Schließlich lagen Daten einer 1993 durchgeführten Befliegung vor und damit zumindest Teile der digitalen Stadtgrundkarte. Was fehlte, könnten Scans ersetzen. Also brauchte man ein hybrides GIS, das sowohl Raster- als auch Vektordaten verarbeiten kann. PolyGIS erfüllt diese Anforderung und so fiel die Entscheidung nach einigen Recherchen auf dem Markt für die IAC-Software schnell - getreu Finkes Motto. Die Anschaffungskosten waren um ein vielfaches geringer als die Honorare für externe Ingenieurbüros. Und die Investition rentiert sich bis heute.

So spart Aschersleben ganz aktuell dank PolyGIS bares Geld bei der Erstellung eines städtebaulichen Leitbildes für einen Teil des Stadtgebietes. Der Auftrag wurde zwar extern vergeben, aber die Kosten sind dennoch minimiert. "Alle nötigen Unterlagen wie Stadtgrundkarte, Katasterdaten und Bebauungspläne liegen digital in PolyGIS vor und können so dem externen Auftragnehmer schnell zur Verfügung gestellt werden, ohne dass zusätzliche Kosten für die Grundlagenermittlung anfallen", sagt Finke. Die Datenübertragung im neutralen dxf-Format funktioniere ohne Schwierigkeiten. Noch besser wäre es natürlich, wenn der Auftragnehmer auch mit PolyGIS arbeiten würde. Das sei aber leider nicht immer der Fall.

Vielfältige Aufgaben mit PolyGIS gelöst
Foto: Stadt Aschersleben
Die aus Sandstein gebaute Stephanikirche wurde vor 500 Jahren errichtet
Der Schwerpunkt der PolyGIS-Nutzung im Ascherslebener Rathaus liegt auch heute noch auf der Bauleitplanung und der Bauverwaltung. Hier werden Bebauungspläne erstellt, der Flächennutzungsplan fortgeführt und Beitragsberechnungen durchgeführt. Inzwischen gibt es auch im Ordnungsamt und der Abteilung Tiefbau mehrere PolyGIS-Arbeitsplätze, insgesamt sind es 15. Wichtig sind aber nicht nur die großen Aufgaben. Finke erledigt immer öfter "so nebenbei" auch kleinere Aufträge für andere Abteilungen der Stadtverwaltung. "Die sind auf den Geschmack gekommen und wissen so langsam zu schätzen, was ein GIS alles kann", so Finke. Er spiele häufig den internen Dienstleister. So zum Beispiel auch für das Organisationsbüro der 1250-Jahr-Feier. Als der Weg für den Festumzug festgelegt werden sollte, merkten die Organisatoren schnell, dass die Route vielen Anforderungen gerecht werden musste. Sie durfte nicht zu lang und nicht zu kurz sein, unbelebte Stadtteile galt es zu meiden, Zuschauer mussten genügend Platz auf den Bürgersteigen finden, Durchgangsverkehr musste umgeleitet werden können. So planten die Organisatoren mehrmals neu und seien begeistert davon gewesen, wie schnell man in PolyGIS einen neuen Zugweg kreieren, ausmessen und eventuell wieder verwerfen könne. "Das war eine enorme Arbeitserleichterung", sagt Finke. Und dass das endgültige Ergebnis ausgedruckt als Karte auch noch die Festbroschüre sinnvoll komplettierte und ästhetisch bereicherte, war ein weiterer Nebeneffekt.

Präsentationen überzeugen
Diese anschaulichen Beweise für die Wirtschaftlichkeit von PolyGIS nutzt die Stadtverwaltung Aschersleben seit langem. "Bei der letzten Präsentation des Flächennutzungsplans vor dem Stadtrat haben wir selbstverständlich mit einem Beamer gearbeitet und den Entscheidern direkt aus PolyGIS heraus nicht nur die Änderungen, sondern zum Vergleich auch die alte Version zeigen können", berichtet Finke stolz. Das mache Eindruck und verhelfe dem GIS-Einsatz zu immer breiterer Akzeptanz. Finke hofft, dass solch positive Ergebnisse grünes Licht für seine Zukunftspläne bedeuten. Er wünscht sich als nächstes so schnell wie möglich den Einsatz der PolyGIS-Fachschale "Kommunale Statistik", mit der Kommunen ihre Stadtentwicklung vorausschauend und nachhaltig planen können.

Foto: Stadt Aschersleben
Historische Kostüme waren der Blickfang beim Festumzug der 1250-Jahrfeier in Aschersleben
Diese PolyGIS-Fachschale macht aus endlosen Zahlenkolonnen anschauliche Planungsgrundlagen. Statistische Angaben einer Kommune, beispielsweise zu Einwohnerzahlen oder der Wohnungs- und Gewerbesituation, werden in einen geographischen Bezug gesetzt und graphisch als farbige Karten dargestellt. Damit wäre es auch in Aschersleben möglich, konkrete Fragen, die beispielsweise den "Stadtumbau Ost" betreffen, schnell und direkt zu beantworten. So gibt es bestimmte Prioritätsgebiete, in denen viele Wohnungen leer stehen und deren Sanierung vorrangiges Ziel der Stadtentwicklung ist. Will man hier eine sinnvolle vorausschauende Planung ansetzen, muss man beispielsweise vergleichende Analysen zu den tatsächlichen und den zu erwartenden Einwohnerzahlen anstellen. Da die Stadt Aschersleben bereits über alle dazu nötigen Daten verfügt, fehlt nur noch das Werkzeug. Mit der Fachschale "Kommunale Statistik" schließt IAC die Lücke. Geht es weiter nach Finkes Motto "Einfach loslegen, nicht lange zögern", ist es absehbar, dass die "Kommunale Statistik" in Aschersleben bald zum Einsatz kommt, und Finke darüber hinaus auch weiterhin mit vielen kleinen Aufgaben "nebenbei" betraut wird. Nächstes Jahr wird der "Sachsen-Anhalt-Tag" in Aschersleben stattfinden. "Da gibt es wieder viel zu tun für mich und PolyGIS", weiß Finke jetzt schon.