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NKF und (POLY-)GIS
Datensammeln lohnt sich
„Ein Rathaus gehört zum Hausrat einer Stadt“. Was
der deutsche Romantiker Jean Paul im Jahre 1817
so salopp formulierte, bewegt heute in den Kommunen
bundesweit die Gemüter: Mit der von der

Bei der POLYGIS-Einführung in
Meißen war von NKF noch
keine Rede. Heute ist man für
die Bewertung des Anlagevermögens
vorbereitet.
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Innenministerkonferenz im November 2003 beschlossenen
Reform des Gemeindehaushaltsrechts
gewinnt die Frage nach Umfang und Wert des kommunalen
„Hausrates“ aktuelle Brisanz. Bis spätestens
zum Jahre 2008 soll die kameralistische Haushaltsführung
in allen Bundesländern in ein Bilanz
basiertes Haushalts- und Rechnungssystem auf der
Grundlage der doppelten Buchführung überführt
werden - Doppik oder NKF (Neues Kommunales
Finanzwesen oder Finanzmanagement) genannt.
Eine enorme Herausforderung für die Kommunen,
die nun Prozesse und Systeme für eine ganzheitliche
Betrachtung ihrer Vermögenslage, ihrer Schulden
und Investitionen aufbauen müssen. Die gute
Nachricht: Viele der erforderlichen Basisdaten und
Planungstools sind in der Verwaltung bereits vorhanden
- im kommunalen GIS.
In den deutschen Kommunen hat eine Entwicklung
begonnen, die das Denken und die Geschäftsprozesse
in der Verwaltung so grundlegend
ändern wird wie wohl kaum eine Reform
der jüngeren Vergangenheit:
Der kommunale Haushaltsplan, Ergebnis
und Symbol der traditionellen
Kameralistik, soll betriebswirtschaftlichen
Prinzipien weichen.
Ziel des NKF ist nicht mehr
und nicht weniger als die Substanzsicherung. Sollen
unsere Städte und Gemeinden für die Bürger funktionsfähig
und lebenswert bleiben - ohne dabei
immer tiefer in die roten Zahlen zu rutschen - müssen
die Bestandswerte, ebenso wie die daraus erwirtschafteten
Erträge und die zum Bestandserhalt
notwendigen Aufwendungen beziffert und in ein
langfristig positives Verhältnis gebracht werden.
Das erfordert Bilanzen, Finanz- und Ergebnispläne.
Ein (gar nicht so) neues Denken
Wer sich im kommunalen Umfeld umhört, stößt
auf durchaus wechselhafte Einschätzungen zum
Thema NKF. Viele Städte, Gemeinden und Kreise
sind beim Aufbau des kommunalen Haushaltswesens
sehr aktiv und bereits weit vorangeschritten
- so etwa die Städte Brühl, Dortmund, Düsseldorf
und Münster, die Gemeinde Hiddenhausen sowie
der Kreis Gütersloh, die seit 1999 im Rahmen eines
Modellprojekts unter Begleitung des Landes Nordrhein-
Westfalen einen Vorschlag für ein kommunales
Haushaltsrecht auf der Basis der kaufmännischen
Buchführung erarbeitet und erprobt haben.
Hauptaufgaben im NKF
- Vermögenserfassung aller betrieblichen Anlagen
- Zuordnung zu Abrechnungs- und Auswertungseinheiten
- Steuerrechtliche Bewertung
- Handelsrechtliche Bewertung
- Abschreibungsberechnungen
- Berichtswesen
- Eröffnungsbilanz (2006-2008)
- Jahresbilanzen (fortlaufend)
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Andere halten sich zurück und bekennen teilweise
unverhohlen ihre Zweifel an der Umsetzung dieser
Reform, zumindest zum gesetzten Termin. Ungeachtet
dieser bisweilen kritisch zurückhaltenden
Grundeinschätzung sind zentrale NKF-Themen,
wie etwa die Vermögenserfassung, in vielen Kommunen
schon längst eine absolute Selbstverständlichkeit:
„Wir müssen doch wissen, was wir haben“,
sagt Bürgermeister Elsner aus der sächsischen Gemeinde
Hohwald, wo große Teile des Vermögensbestandes
bereits in POLYGIS erfasst sind.
Der Bezug zur geografischen Datenverwaltung liegt
in der Tat näher als manch ein Kämmerer vielleicht
spontan vermutet: Ein Großteil, ja vielleicht sogar
der überwiegende Anteil des kommunalen Vermögens
hat einen eindeutigen Raumbezug. Dieses
Anlagevermögen kann im kommunalen GIS quantitativ
beschrieben, dokumentiert und verwaltet
werden. Im Umkehrschluss erscheint somit die
Nutzung des GIS im Rahmen des NKF das sinnvollste
Konzept für eine nachhaltige und durchgängige
kommunale Dateninfrastruktur: Die Bestandsdaten
werden in einer zentralen Datenbank vorgehalten
und von den Fachabteilungen aus eigenem Antrieb
gepflegt. Ihre Nutzung im Rahmen der sich anschließenden
Vermögensbewertung und Finanzplanung
erfordert zumeist nur einen minimalen
Zusatzaufwand - etwa für Schnittstellen zu den entsprechenden
kaufmännischen Systemen - so dass
bei dieser Vorgehensweise eine maximale Wertschöpfung
aus dem Datenbestand gewährleistet ist.
Nachhaltige Vermögenserfassung
mit POLYGIS
In POLYGIS können die für die Doppik entscheidenden
Sachanlagen - vom Grundstück über die
Kanalisation bis hin zum Straßenschild - hinsichtlich
ihrer räumlichen Lage und aller relevanten
Sachattribute umfassend dokumentiert, ausgewertet
und fortgeschrieben werden.

Stadtverwaltung Güstrow:
Wertvolle Datenbestände für
den Aufbau des NKF
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Bereits bei den kommunalen Liegenschaften, also
den bebauten oder unbebauten Grundstücken, bieten
die originär in POLYGIS abgebildeten Funktionalitäten
beste Grundlagen für die Vermögensbewertung:
In entsprechenden Fachanwendungen
hält das System sämtliche relevanten Bestands- und
Planungsdaten im Bereich der Liegenschaftsverwaltung
vor und ermöglicht die Einbindung der Bodenrichtwertkarte
und Forstkarte. Biotope, Schutzgebiete
oder Versiegelungsflächen lassen sich unmittelbar
berechnen und natürlich mit den entsprechenden
Wert- und Kostenparametern verbinden -
im Rahmen des Abwassersplittings ist dies bereits
im System realisiert.
Ähnliches gilt für die kommunale Infrastruktur:
Vom Straßen- und Wegekataster bis hin zum
Straßeninformationssystem, welches alle relevanten
Daten zum Bauzustand und den zugehörigen Anlagen
(Verkehrsanlagen, Brücken, Beleuchtung und
Beschilderung) vorhält, kann POLYGIS praktisch
jede gewünschte Grundlage der Wertermittlung
und Kostenplanung schaffen. Ebenso detaillierte
Grundlagen bieten die Fachanwendungen im Bereich
der Wasserver- und Abwasserentsorgung
sowie für die Infrastruktur im Bereich Grünflächen:
Im POLYGIS-Baum- oder Grünflächenkataster ist
üblicherweise jeder „öffentliche Baum“ einschließlich
der für seine Pflege erforderlichen Aufwendungen
erfasst - zur direkten Übernahme in die Bilanz
und die Kostenplanung.
Last but not least sind die Bestände des oben zitierten
„Hausrates“ also: die öffentlichen Gebäude
einschließlich ihrer Detailausstattung über POLYGIS,
differenziert abzubilden und über Fachanwendungen
wie KomStat nach unterschiedlichen, wertrelevanten
Indikatoren, wie etwa Bevölkerungsentwicklung,
zu klassifizieren.
Keine Angst vor NKF
Angesichts dieser Möglichkeiten erscheint die
„Jahrhundert-Herausforderung NKF“ bereits in
einem milderen Licht: Viele Kommunen können
bereits heute auf eine solide Basis geografischer Datenverarbeitung
zurückgreifen, die mit geringem
Aufwand für die Doppik nutzbar zu machen ist.
Dort, wo das GIS noch in der Planung oder im
Aufbau befindlich ist, lohnt sich mit Sicherheit eine
Neubewertung der Investition in das GIS mit Blick
auf eine gesamthafte Nutzung in den Fachabteilungen
und im Rahmen des NKF.
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Buchtipps zum Thema
Doppelte Buchführung für Kommunen nach NKF
Das Lehrbuch erläutert die
Unterschiede zur Kameralistik, die
Grundlagen des künftigen Gemeindehaushaltsrechts
und das System der Doppik
mit zahlreichen Übungsbeispielen aus der
Kommunalen Buchungspraxis.
Von Phillip Häfner
2.Aufl. 2003, Haufe-Verlag, 29,- EUR
ISBN 3-448-05880-7
Verwaltungs-Kontenrahmen
Von Helge C. Brixner, Rechtsanwalt, Dipl.-Kfm., Geschäftsführer arf
GmbH; Prof. Dr. Jens Harms, Präsident des Rechnungshofes Berlin, Heinz
W. Noe, Ministerialdirigent im Hessischen Ministerium der Finanzen
2003, Verlag C.H.Beck, 56,- EUR
ISBN 3-406-46704-0
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