03/2004

Online-Kundenzeitschrift der
Ingenieurgesellschaft für angewandte
Computertechnik mbH, Leipzig
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NKF und (POLY-)GIS
Datensammeln lohnt sich

„Ein Rathaus gehört zum Hausrat einer Stadt“. Was der deutsche Romantiker Jean Paul im Jahre 1817 so salopp formulierte, bewegt heute in den Kommunen bundesweit die Gemüter: Mit der von der
Meißen
Bei der POLYGIS-Einführung in Meißen war von NKF noch keine Rede. Heute ist man für die Bewertung des Anlagevermögens vorbereitet.
Innenministerkonferenz im November 2003 beschlossenen Reform des Gemeindehaushaltsrechts gewinnt die Frage nach Umfang und Wert des kommunalen „Hausrates“ aktuelle Brisanz. Bis spätestens zum Jahre 2008 soll die kameralistische Haushaltsführung in allen Bundesländern in ein Bilanz basiertes Haushalts- und Rechnungssystem auf der Grundlage der doppelten Buchführung überführt werden - Doppik oder NKF (Neues Kommunales Finanzwesen oder Finanzmanagement) genannt. Eine enorme Herausforderung für die Kommunen, die nun Prozesse und Systeme für eine ganzheitliche Betrachtung ihrer Vermögenslage, ihrer Schulden und Investitionen aufbauen müssen. Die gute Nachricht: Viele der erforderlichen Basisdaten und Planungstools sind in der Verwaltung bereits vorhanden - im kommunalen GIS.

In den deutschen Kommunen hat eine Entwicklung begonnen, die das Denken und die Geschäftsprozesse in der Verwaltung so grundlegend ändern wird wie wohl kaum eine Reform der jüngeren Vergangenheit: Der kommunale Haushaltsplan, Ergebnis und Symbol der traditionellen Kameralistik, soll betriebswirtschaftlichen Prinzipien weichen.

Ziel des NKF ist nicht mehr und nicht weniger als die Substanzsicherung. Sollen unsere Städte und Gemeinden für die Bürger funktionsfähig und lebenswert bleiben - ohne dabei immer tiefer in die roten Zahlen zu rutschen - müssen die Bestandswerte, ebenso wie die daraus erwirtschafteten Erträge und die zum Bestandserhalt notwendigen Aufwendungen beziffert und in ein langfristig positives Verhältnis gebracht werden. Das erfordert Bilanzen, Finanz- und Ergebnispläne.

Ein (gar nicht so) neues Denken
Wer sich im kommunalen Umfeld umhört, stößt auf durchaus wechselhafte Einschätzungen zum Thema NKF. Viele Städte, Gemeinden und Kreise sind beim Aufbau des kommunalen Haushaltswesens sehr aktiv und bereits weit vorangeschritten - so etwa die Städte Brühl, Dortmund, Düsseldorf und Münster, die Gemeinde Hiddenhausen sowie der Kreis Gütersloh, die seit 1999 im Rahmen eines Modellprojekts unter Begleitung des Landes Nordrhein- Westfalen einen Vorschlag für ein kommunales Haushaltsrecht auf der Basis der kaufmännischen Buchführung erarbeitet und erprobt haben.

Hauptaufgaben im NKF
  • Vermögenserfassung aller betrieblichen Anlagen
  • Zuordnung zu Abrechnungs- und Auswertungseinheiten
  • Steuerrechtliche Bewertung
  • Handelsrechtliche Bewertung
  • Abschreibungsberechnungen
  • Berichtswesen
  • Eröffnungsbilanz (2006-2008)
  • Jahresbilanzen (fortlaufend)
Andere halten sich zurück und bekennen teilweise unverhohlen ihre Zweifel an der Umsetzung dieser Reform, zumindest zum gesetzten Termin. Ungeachtet dieser bisweilen kritisch zurückhaltenden Grundeinschätzung sind zentrale NKF-Themen, wie etwa die Vermögenserfassung, in vielen Kommunen schon längst eine absolute Selbstverständlichkeit: „Wir müssen doch wissen, was wir haben“, sagt Bürgermeister Elsner aus der sächsischen Gemeinde Hohwald, wo große Teile des Vermögensbestandes bereits in POLYGIS erfasst sind.

Der Bezug zur geografischen Datenverwaltung liegt in der Tat näher als manch ein Kämmerer vielleicht spontan vermutet: Ein Großteil, ja vielleicht sogar der überwiegende Anteil des kommunalen Vermögens hat einen eindeutigen Raumbezug. Dieses Anlagevermögen kann im kommunalen GIS quantitativ beschrieben, dokumentiert und verwaltet werden. Im Umkehrschluss erscheint somit die Nutzung des GIS im Rahmen des NKF das sinnvollste Konzept für eine nachhaltige und durchgängige kommunale Dateninfrastruktur: Die Bestandsdaten werden in einer zentralen Datenbank vorgehalten und von den Fachabteilungen aus eigenem Antrieb gepflegt. Ihre Nutzung im Rahmen der sich anschließenden Vermögensbewertung und Finanzplanung erfordert zumeist nur einen minimalen Zusatzaufwand - etwa für Schnittstellen zu den entsprechenden kaufmännischen Systemen - so dass bei dieser Vorgehensweise eine maximale Wertschöpfung aus dem Datenbestand gewährleistet ist.

Nachhaltige Vermögenserfassung mit POLYGIS
In POLYGIS können die für die Doppik entscheidenden Sachanlagen - vom Grundstück über die Kanalisation bis hin zum Straßenschild - hinsichtlich ihrer räumlichen Lage und aller relevanten Sachattribute umfassend dokumentiert, ausgewertet und fortgeschrieben werden.
Güstrow
Stadtverwaltung Güstrow: Wertvolle Datenbestände für den Aufbau des NKF
Bereits bei den kommunalen Liegenschaften, also den bebauten oder unbebauten Grundstücken, bieten die originär in POLYGIS abgebildeten Funktionalitäten beste Grundlagen für die Vermögensbewertung: In entsprechenden Fachanwendungen hält das System sämtliche relevanten Bestands- und Planungsdaten im Bereich der Liegenschaftsverwaltung vor und ermöglicht die Einbindung der Bodenrichtwertkarte und Forstkarte. Biotope, Schutzgebiete oder Versiegelungsflächen lassen sich unmittelbar berechnen und natürlich mit den entsprechenden Wert- und Kostenparametern verbinden - im Rahmen des Abwassersplittings ist dies bereits im System realisiert.

Ähnliches gilt für die kommunale Infrastruktur: Vom Straßen- und Wegekataster bis hin zum Straßeninformationssystem, welches alle relevanten Daten zum Bauzustand und den zugehörigen Anlagen (Verkehrsanlagen, Brücken, Beleuchtung und Beschilderung) vorhält, kann POLYGIS praktisch jede gewünschte Grundlage der Wertermittlung und Kostenplanung schaffen. Ebenso detaillierte Grundlagen bieten die Fachanwendungen im Bereich der Wasserver- und Abwasserentsorgung sowie für die Infrastruktur im Bereich Grünflächen: Im POLYGIS-Baum- oder Grünflächenkataster ist üblicherweise jeder „öffentliche Baum“ einschließlich der für seine Pflege erforderlichen Aufwendungen erfasst - zur direkten Übernahme in die Bilanz und die Kostenplanung.

Last but not least sind die Bestände des oben zitierten „Hausrates“ also: die öffentlichen Gebäude einschließlich ihrer Detailausstattung über POLYGIS, differenziert abzubilden und über Fachanwendungen wie KomStat nach unterschiedlichen, wertrelevanten Indikatoren, wie etwa Bevölkerungsentwicklung, zu klassifizieren.

Keine Angst vor NKF
Angesichts dieser Möglichkeiten erscheint die „Jahrhundert-Herausforderung NKF“ bereits in einem milderen Licht: Viele Kommunen können bereits heute auf eine solide Basis geografischer Datenverarbeitung zurückgreifen, die mit geringem Aufwand für die Doppik nutzbar zu machen ist. Dort, wo das GIS noch in der Planung oder im Aufbau befindlich ist, lohnt sich mit Sicherheit eine Neubewertung der Investition in das GIS mit Blick auf eine gesamthafte Nutzung in den Fachabteilungen und im Rahmen des NKF.

POLYGIS und NKF

Buchtipps zum Thema


Doppelte Buchführung für Kommunen nach NKF
Das Lehrbuch erläutert die Unterschiede zur Kameralistik, die Grundlagen des künftigen Gemeindehaushaltsrechts und das System der Doppik mit zahlreichen Übungsbeispielen aus der Kommunalen Buchungspraxis.
Von Phillip Häfner
2.Aufl. 2003, Haufe-Verlag, 29,- EUR
ISBN 3-448-05880-7

Verwaltungs-Kontenrahmen
Von Helge C. Brixner, Rechtsanwalt, Dipl.-Kfm., Geschäftsführer arf GmbH; Prof. Dr. Jens Harms, Präsident des Rechnungshofes Berlin, Heinz W. Noe, Ministerialdirigent im Hessischen Ministerium der Finanzen 2003,
Verlag C.H.Beck, 56,- EUR
ISBN 3-406-46704-0
Webtipps zum Thema

www.doppik.de
Informationsportal über den aktuellen Stand der Reformprojekte mit umfangreichen Zusatzinformationen.

Zusätzlich empfehlenswert sind die regionalen NKFPortale, wie etwa:

www.neues-kommunales-finanzmanagement.de
Website des Modellprojekts des Landes NRW mit breitem Informationsangebot, Erfahrungsberichten, Kontaktforum und Hotline.
www.doppik-bayern.de
www.doppik-hessen.de
www.rlp-doppik.de (Rheinland-Pfalz)
www.doppik-sachsen-anhalt.de