|
Best-Practice: Stadtverwaltung Borken
Bereichsübergreifendes Liegenschaftsmanagement für die Doppik
Bei der Einführung des NKF (Neues Kommunales
Finanzmanagement) sind die Kommunen
gut beraten, geeignete Informationssysteme zur
Erfassung und Bewertung des kommunalen Vermögens
zu nutzen. Speziell mit Blick auf die
kommunalen Liegenschaften sind jedoch gezielte
organisatorische Vorklärungen und Grundlagenarbeiten
erforderlich, um die anstehenden Aufgaben
effektiv und sachgerecht zu erledigen. Die
Stadt Borken hat hier einen großen Schritt getan
und durch den Einsatz von POLYGIS erfolgreich
ein bereichsübergreifendes Liegenschaftsmanagement
aufgebaut.
Die kommunalen Liegenschaften stellen nicht nur
einen wesentlichen Teil des kommunalen Vermögens
dar, sie sind darüber hinaus mit nahezu allen
anderen Infrastrukturobjekten einer Kommune
verbunden. Die Abbildung dieser Verknüpfungen
im aufzubauenden System stellt die Verantwortlichen
daher vor eine große Herausforderung.
Für die Eröffnungsbilanz sind die kommunalen
Grundstücke zu bewerten. In der Bilanz wird ein
Grundstück als wirtschaftliche Einheit gesehen und
damit zur Grundlage für die Anlagenbuchhaltung
des NKF. Wenn beim NKF von wirtschaftlichen
Einheiten gesprochen wird, so können sich diese
für die Beteiligten allerdings völlig unterschiedlich
darstellen. So kann ein Grundstück aus einem oder
mehreren Flurstücken bestehen. Das Management
der Flurstücke sollte im Liegenschaftskataster erfolgen.
Klassen wirtschaftlicher Einheiten im NKF
Um die finanzielle Bewertung des kommunalen
Vermögens einfacher und vor allem standardisiert
durchführen zu können, empfiehlt sich eine Klassenbildung
des Vermögens. Hierbei ist es erforderlich,
dass ein Einvernehmen zwischen allen Fachbereichen,
die mit Grundstücken zu tun haben, über
die Realnutzung der wirtschaftlichen Einheiten
und die Zuordnung zu den Klassen besteht.
Die eindeutige Bezeichnung und die Beschreibung
durch eine klare Geometrie liefert das GIS. Somit
ist der Aufbau eines GIS-basierten Grundstücksmanagements
als Bestandteil eines kommunalen
GIS sinnvoll, weil es für alle normativ und verbindlich
ist.
Restrukturierung des Grundstücksbestands
in Borken
„Bevor wir den Aufbau oder die Beschaffung eines
Liegenschaftsinformationssystems überhaupt in
Gang gesetzt haben, mussten wir zunächst die
fachlichen Anforderungen aus den Fachämtern
verstehen. Die Vielfalt der Erfordernisse, die
unterschiedlichen Anforderungen und Sprachgebräuche
mussten überwunden werden. Dabei
war uns auch von Anfang an wichtig, die Fortführung
des Datenbestandes zu sichern. Ohne
die völlige Klärung dieser Fragen hätten wir die
Implementierung unseres Systems nicht begonnen“,
so Klemens Taplan, der als GIS-Koordinator
der Stadt Borken im Auftrag des Kämmerers und
der Organisationsabteilung wesentlich an diesem
Projekt beteiligt war.
werden in einer ersten Phase systematisch und
umfassend Grundstücksvereinigungen durchgeführt.
In Arbeitsgruppen, die sich aus Mitarbeitern
der Kämmerei, der GIS-Koordinierung, der Liegenschaftsverwaltung,
den Bereichen Kanal, Straßen
und Grünflächen sowie dem Gebäudemanagement
zusammensetzten, wurde die Feinabstimmung
durchgeführt. Eine große Herausforderung
für die Stadtverwaltung, denn dabei
mussten 4.770 Flurstücke als Ausgangsbasis,
sieben unterschiedliche
Eigentumsbezeichnungen und teilweise
ungültige Belastungseinträge
bewältigt werden. Zur Unterstützung
dienten die Plots und Auswertungen
aus POLYGIS.
„In unserer Stadt Borken hat diese
Vorgehensweise zu einer Reduktion
der Flurstücke um 20 Prozent geführt, was rund
1.000 Flurstücken entspricht. Was wir erreicht
haben, ist eine übersichtliche Flurkarte und eine
Korrektur von Buchungsfehlern im Grundbuch.
Bei der dann anschließenden Phase der Bildung der
wirtschaftlichen Einheiten kam uns der bisherige
konsequente Einsatz von POLYGIS und Archikart
zugute“, resümiert Taplan.

Spezifische Arbeiten der
Fachbereiche für das NKF:
Straßenmanagement, Gebäudeund
Grünverwaltung sowie ALK |
Grundstücksmanagement
Die wirtschaftliche Einheit gilt im NKF als zentraler
Begriff. Die bisherige Liegenschaftsverwaltung ist
dabei im Wesentlichen von den Flurobjekten (das
sind Flurstücke oder Flurstücksobjekte) ausgegangen.
Wirtschaftliche Einheiten ergeben sich aber
auch aus anderen Betrachtungen, wie z. B.:
- Mieten, Pachten, Erbbaurechtsverträge
- Belastungen, Beschränkungen, Rechte Dritter, Berechtigungen
- Vertragsverwaltung zum Ankauf und Verkauf
- Bewirtschaftung
Alle damit verbundenen Verwaltungsprozesse
lösen eine Werteveränderung
des kommunalen Immobilenvermögens
aus. Die darauf aufbauenden
Fachanwendungen dürfen bei
ihren Änderungen am Datenbestand
die Bildschirmdarstellungen in den
anderen Fachämtern nicht verletzen.
Das Grundstücksmanagement liefert
dabei im Hinblick auf das NKF im
Wesentlichen die folgenden Informationen:
Eigentümerinformation
- Nutzungsart gemäß ALB, Realnutzung
- Flur- und Grundstücksbezeichnung
- Abschnitte, Gliederung
- Größe, geografische Ausprägung, Nachbarschaften
- Belastungen
- Baulasten, Altlasten
Weitergehender Nutzen
Nachdem die grundlegenden Arbeiten, ausgehend
von der Grundstücks- und Immobilienverwaltung,
geleistet wurden, können die Fachbereiche
anschließend ihre spezifischen Arbeiten für die
Vorbereitung zum NKF fortsetzen. Vor allem sind
hier das Straßenmanagement, die Gebäudeverwaltung
und die Grünverwaltung zu nennen.
Für die Straßenverwaltung wurde bereits eine Erhebung
auf der Basis von Orthophotos des gesamten
Straßenbestandes durchgeführt. Die Einführung
von POLYGIS-KSIB (Straßen-Erhaltungsmanagement
und -Bewertung) bietet dabei die Grundlage
für die Bewertung des städtischen Straßenvermögens.
Für die Gebäudebewertung sind bereits Erfassungen
der TGA (Technische Geräte Ausstattung) gemacht
worden. Mit den z.T. in 3D-Qualität vorliegenden
Daten lässt sich die Bewertung der Gebäude nahezu
automatisch durchführen, wobei die Bewertung des
Grund und Bodens gemäß den im System vorliegenden
Bodenrichtwerten erfolgt.
Ähnlich wird man bei den Grünflächen vorgehen.
Die Grunddatenmenge für die Bäume wurde aus
den Befliegungsdaten ausgewertet. In der Regewerden
die Bäume jährlich auf ihren Zustand hin
überprüft.

Bei der Implementierung wurden
die ALB/ALK-Anwendungen auf
die bereits im Einsatz befindlichen
Systeme POLYGIS und Archikart
aufgesetzt. Alle definierten wirtschaftlichen
Einheiten wurden mit
den geografischen Objekten in
POLYGIS verknüpft. |
Qualitätssicherung
Die vorbereitenden Arbeiten waren so grundsätzlich,
dass auf eine umfassende Qualitätskontrolle
nicht verzichtet werden konnte. Hierbei kam das
Ebenenkonzept von POLYGIS zu Hilfe. Die neu definierten
Objekte konnten unmittelbar mit der Ausgangslage
verglichen werden, wodurch der Flächenabgleich
zwischen Flurstücks- und Grundstücksverwaltung
möglich wurde.
Vor allem aber der Abgleich in den Arbeitsgruppen
hat zu erheblichen Verbesserungen in der Qualität
des Bestandes geführt, z.B. durch Löschungen von
ungültigen Belastungseinträgen.
Einsatz der Technik –
POLYGIS und Archikart
Bei der Implementierung wurden die ALB/ALKAnwendungen
auf die bereits im Einsatz befindlichen
Systeme POLYGIS und Archikart aufgesetzt.
Alle definierten wirtschaftlichen Einheiten wurden
mit den geografischen Objekten in POLYGIS verknüpft.
Das integrierte Zusammenspiel der Systeme verschafft
den GIS-Experten –
genauso wie den Fachbereichen
– einen vollständigen Überblick. Mit
zusätzlichen GIS-Fachanwendungen verfügt die
Stadt Borken heute über ein nahezu vollständiges
kommunales GIS.
Fortführung
Motiviert durch das NKF wurden sämtliche Grundstücke
im GIS bewertungstauglich gemacht. POLYGIS
war hierbei das wesentliche Hilfsmittel, das die
Reorganisation überhaupt erst möglich gemacht
hat – ein großer Erfolg für die GIS-Abteilung, die
daraufhin den Organisationsauftrag bekommen
hat, die weitere Koordinierung in Borken zu übernehmen.
Fazit
Strukturierte digitale Liegenschaften bilden den
soliden Baustein für das Grundstücksmanagement
einer Kommune. Ihre Ordnungsstruktur
erfüllt darüber hinaus die wichtige Aufgabe
einer Querschnittsfunktion für alle Abteilungen,
die mit den Grundstücken zu tun haben. So ist
ein Datenbestand entstanden, der bilanzfähig ist
und der die Anforderungen für die bilanztechnische
Fortführung im NKF sichert. „Nach diesem
Projekt hat der Einsatz des GIS einen noch
höheren Stellenwert als vorher, da wir erkannt
haben, dass ohne die Unterstützung durch
POLYGIS mit seinen Anwendungen die Projektarbeit
kaum zu lösen gewesen wäre. POLYGIS hatte
für die Teilnehmer der Arbeitsgruppen eine zentrierende
Rolle“, so Taplan.
|