03/2008
Fachzeitschrift für POLYGIS-Kunden
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POLYGIS-Einsatz an der Hochschule Harz
Fit für die Praxis

Die Kooperation zwischen der IAC Leipzig mbH und dem Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz soll bald schon erheblich erweitert werden, um Ressourcen zusammenzuführen und neue Potenziale zu erschließen. Nach der fruchtbaren Zusammenarbeit im Bereich der Ausbildung und Qualifikation sollen zukünftig auch die angewandte Forschung sowie konkrete Praxisprojekte einbezogen werden. Zwei solcher Praxisprojekte konnten unter Beteiligung IAC bereits erfolgreich umgesetzt werden: Die künftigen Verwaltungsfachleute realisierten mit POLYGIS eine beispielhafte Vermögensbewertung sowie ein kommunales Wirtschaftsinformationssystem.

Praxisbezogene Ausbildung in Halberstadt
Praxiskooperationen und Praxisintegration spielen im Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz schon von jeher eine besonders wichtige Rolle. Insbesondere im Hauptstudium der beiden größten Studiengänge „Öffentliche Verwaltung“ und „Verwaltungsökonomie“ sind dabei speziell auch GIS-Projekte immer von Bedeutung.

Konkret erfolgt die Praxisintegration in den zwei Semester umfassenden Vertiefungsrichtungen (VTR) oder den Semester übergreifenden Projekten (SÜP), die insgesamt drei Semester umfassen. Während dieser Studienphasen sind die Studierenden aufgefordert, sich gemeinsam mit einem Praxispartner mit sehr realen Fragestellungen aus der öffentlichen Verwaltung zu beschäftigen. Anschließend sollen die gewonnenen Kontakte und Kooperationen idealerweise dazu genutzt werden, im Rahmen eines Praxissemesters beziehungsweise eines Diplompraktikums ein interessantes Diplomarbeitsthema zu entwickeln. Darüber hinaus bietet sich den Studenten gegebenenfalls eine Chance, nach Abschluss ihres Studiums eine Einstiegsposition im Kooperationsunternehmen zu erhalten. Bislang wurden mit dieser Konstellation am Fachbereich schon zahlreiche sehr gute Erfahrungen gemacht.

Beispiel 1: Vermögensbewertung mit GIS
Dieses Beispiel betrifft ein Kooperationsprojekt aus dem Jahre 2005 mit der Stadt Halberstadt. Dort sollten die Studierenden die Vermögensbewertung, z. B. von Straßen etc., anhand von GIS–gestützten Verfahren umsetzen. Das Ziel der Vertiefungsrichtung war es, ein praktikables und transferfähiges Modell der GIS-gestützten kommunalen Straßenbewertung im neuen kommunalen Finanzmanagement mit dem Programm POLYGIS zu entwickeln.

Die Kooperationspartner waren:

  • Stadt Halberstadt ,
  • Hochschule Harz, Fb Verwaltungswissenschaften,
  • Projekt Doppik der Hochschule Harz
  • sowie IAC Leipzig mit dem Programm POLYGIS
Da die Kommunen Anfang 2005 kaum Erfahrungen mit der Doppik vorweisen konnten und mit der nordrhein-westfälischen Kommune Hiddenhausen lediglich ein Beispielprojekt vorlag, mussten zunächst die Datengrundlagen geschaffen und wichtige Entscheidungen für das weitere Vorgehen getroffen werden (vgl. Abb. Datengrundlagen). Nach umfangreichen strategischen und operativen Vorarbeiten wurden die Kartierungen und Datenaufnahmen vor Ort durch die Studierenden organisiert. Dabei war es wichtig, dass die Prozesse nicht nur innerhalb dieses Projektes, sondern vor allem auch mit Blick auf eine künftige Integration in den kommunalen Alltag praktikabel waren. Die Ergebnisse der beispielhaften Kartierungen und Vor-Ort-Arbeiten wurden anschließend gesammelt, gesichtet und ausgewertet.

Bewertet wurde der entwickelte Ansatz im Rahmen einer SWOT-Ananalyse, die in einer stark vereinfachten und gekürzten Version hier abgebildet ist (vgl. Abb. SWOT-Analyse als Ergebnis). Diese zeigt einerseits, welche Stärken und Schwächen bei diesem Projektansatz aufgetreten sind - insbesondere die Probleme des Detailierungsgrades in der Datenaufnahme. Andererseits wurden Chancen und Risiken für die kommunale Umsetzung ermittelt – ein eingängiger Beleg, dass diese Projekte tatsächlich optimal auf den Praxiseinsatz abgestimmt sind.

Beispiel 2: Kommunales Wirtschaftsinformationssystem
Das zweite Beispielprojekt stellte die Studierenden vor die Aufgabe, mit Hilfe von POLYGIS ein kommunales Wirtschaftsinformationssystem am Beispiel des neu gebildeten Landkreises Harz aufzubauen. Innerhalb dieses semesterübergreifenden Projekts teilten sich 20 Studierende der Studiengänge „Öffentliche Verwaltung“ und „Verwaltungsökonomie“ in insgesamt vier Arbeitsgruppen auf:

  • Wirtschaft und Gewerbegebiete
  • Touristik und Destinationen
  • Verwaltungen und öffentliche Dienstleister / Einrichtungen und wirtschaftsnahe Infrastruktur.
Die folgenden Inhalte standen im Vordergrund:
  • Einführung in das Gesamtprojekt und die theoretische
  • Einführung in GIS,
  • konkrete Schulung mit POLYGIS
  • sowie theoretische Grundlagen von (kommunalen) Informationssystemen.

Die Aufgaben der Studierenden bestanden in:

  • der Entwicklung eines Informationssystems aus der Perspektive eines Wirtschaftsunternehmens bzw. eines Touristen,
  • der selbständigen Erarbeitung des jeweiligen Arbeitsgruppenthemas einschließlich der darin enthalten fachspezifischen Inhalte und Theorien
  • sowie der Erarbeitung von konzeptionellen Vorschlägen zur Gliederung und zur Umsetzung der gesamten Projektierung.
Die beiden Abbildungen zeigen Screenshots aus den Informationssystemen der studentischen Arbeitsgruppen.

Resümee
Die Praxisprojekte und Praxiskooperationen sind quasi das „Lebenselexier“ der Fachhochschulen. Denn im Gegensatz zu den sehr theoretisch angelegten Lehrveranstaltungen an Universitäten liegt einer der großen Wettbewerbsvorteile gerade in der Integration von Praxisproblemen und -anliegen. Diese Integration von Praxisanforderungen in Lehrveranstaltungen und in die Lehre ist nie perfekt, denn immerhin werden die Studierenden für diese Leistungen benotet. Allerdings haben die Ergebnisse schon ein solches Niveau, dass nahezu alle Praxispartner mit den Ergebnissen sehr zufrieden sind.

Zukünftige Planungen
Die Verbindung zwischen Verwaltungen, Firmen und Hochschule birgt erhebliche Potenziale, die sich nicht zuletzt an den hier gezeigten einfachen Beispielen, aber auch an Forschungsprojekten am Fachbereich dokumentieren. Dieses Potenzial wollen der Fachbereich Verwaltungswissenschaften und die IAC Leipzig in noch breiterem Umfang erschließen. Sowohl gemeinsame Messeauftritte als auch intensivierte Kooperationen im Aus- und Fortbildungsbereich sind konkret geplant und sollen in der zweiten Jahreshälfte in einem eigenständigen Kooperationsvertrag festgelegt werden.

Weitere Informationen erteilt:
Prof. Dr. Jürgen Stember,
Tel: 03943 / 659 400,
jstember@hs-harz.de