04/2001

Online-Kundenzeitschrift der
Ingenieurgesellschaft für angewandte
Computertechnik mbH, Leipzig
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Eine geographischen Expedition in die Republik Kirgistan

Von Dr. Lutz Maerker

In der Zeit vom 17. August 2001 bis zum 11. September 2001 führte Dr. Lutz Maerker von der TU Dresden eine Gruppe von 16 Geographiestudenten auf einer Expedition nach Kirgistan. Die Forschungsreise wurde mit finanzieller Unterstützung durch die IAC mbH Leipzig durchgeführt.

Tal
Kerbtal mit Serpentinen im Tienschan
Mit Hilfe der Zuwendungen von IAC konnte die technische Ausstattung der Expedition mit einem GPS-Gerät und einer Videoausrüstung komplettiert werden. Ziel der Reise war es, in den Ketten und Tälern des Tienschan-Gebirges die Spuren, die durch geomorphologische Prozesse hinterlassen worden sind, zu untersuchen. Dabei lernten die Teilnehmer selbstverständlich auch die natürlichen und sozialen Bedingungen dieser zentralasiatischen Republik kennen.

Die intensive Verwitterung, die Erosion durch das Gletschereis und die Flüsse, die zahlreichen Felsstürze und die Akkumulation des Materials schufen eine schier unglaubliche Vielfalt in den Oberflächenformen der Republik Kirgistan. Neben den physisch geographischen Aspekten lernten die Expeditionsteilnehmer von der Hauptstadt bis in entlegene Dörfer auch die Lebensumstände der
Brücke
Hängebrücke bei Kyzyl Oi
Kirgisen und der Angehörigen nationaler Minderheiten 10 Jahre nach Erlangung der Unabhängigkeit vom Sowjetregime kennen. Die Städte entwickeln sich im Spannungsfeld zwischen den Strukturmodellen der sowjetischen und der asiatischen Stadt. Auf dem Lande stellt die inzwischen abgeschlossene Überführung der staats- und genossenschaftlichen Betriebe (Sowchosen und Kolchosen) in kleinbäuerliche Betriebsstrukturen einen tiefen Einschnitt in die Produktions- und Lebensverhältnisse der Menschen dar. Während mehrtägiger Aufenthalte in den Dörfern Kyzyl Oi und Grigorievka konnten die Veränderungen der Feld- und Weidebewirtschaftung in Augenschein genommen werden. Auch die Ausweisung von Naturschutzgebieten bleibt für die ansässige Bevölkerung und die Bedingungen der Landwirtschaft in unterschiedlichen Landesteilen und Höhenlagen nicht ohne Folgen. In Gesprächen mit Vertretern der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), des United Nations Development Program (UNDP) und des Central Asia Mountain Projects (C.A.M.P.) diskutierten die Forscher zudem Programme internationaler Organisationen zur Armutsbekämpfung und Krisenvorbeugung. Es wurde versucht, einen Beitrag zur Abschätzung des Stands und der Potentiale für die Entwicklung umweltverträglicher Tourismusangebote, die dem Land dringend benötigte Devisen einspielen könnten, zu leisten.

Kochen
Während der Exkursion lebte die Gruppe größtenteils unter freiem Himmel in den mitgeführten Zelten. Nur in den Städten bezogen die jungen Forscher Wohnungen bzw. Hotels, die allerdings keinen üppigen Komfort boten. Die Versorgung erfolgte in Eigenregie. Lebensmittel wurden auf dem Basar gekauft und durch die begabtesten Köche unter den Studenten zubereitet.