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Die Gemeinde als Unternehmen
"Man muss mit den Daten arbeiten"
"Verantwortung" ist eine der Lieblingsvokabeln des Hohwalder Bürgermeisters Manfred Elsner. Seit fast acht Jahren steht der 47-jährige an der Spitze der 5000-Seelen Gemeinde. Zuvor war er unmittelbar nach der politischen Wende Bürgermeister von Langburkersdorf geworden, dass sich durch die Gemeindegebietsreform Sachsens in einen Ortsteil Hohwalds verwandelte. Und schon vor dieser Zeit trug Elsner Verantwortung in Leitungsfunktionen beim Kombinat Fortschritt Landmaschinen im sächsischen Neustadt, das unmittelbar an Hohwald grenzt. Heute ist aus dem

Orthofotos der Gemeinde und die Grundstückgrenzen aus der vorläufigen ALK des Freistaates Sachsen: Die Überlagerung zeigt, dass amtliche Daten und Realität noch nicht immer übereinstimmen. |
6000-Mitarbeiter-Unternehmen ein Teil des amerikanischen Landmaschinenherstellers Case Corporation geworden, in dem noch 200 Menschen arbeiten. Das skizziert auch recht anschaulich die nicht eben rosige wirtschaftliche Situation der Region kurz vor der tschechischen Grenze. "Umso wichtiger ist es, die Gemeinde so wirtschaftlich wie nur möglich zu führen", schussfolgert Elsner und sieht in PolyGIS ein "erstklassiges" Werkzeug, seine Vorstellungen von der "Gemeinde als Unternehmen" zu verwirklichen. Das sei auch notwendig, um Hohwald die Existenzberechtigung zu erhalten, denn der Zusammenschluss der ehemals selbstständigen Orte Langburkersdorf, Berthelsdorf und Rückersdorf am ersten Januar 1994 geht auf eigene Initiative der damaligen drei Bürgermeister zurück. "Wir wollten durch den seinerzeit noch möglichen freiwilligen Zusammenschluss verhindern, dass am Ende Planer am grünen Tisch über den Zuschnitt der Gemeinde entscheiden", erinnert sich Elsner. Herausgekommen ist ein räumlich etwas unförmiges Gebilde, das mit seiner Einwohnerzahl und einer Fläche von knapp 60 Quadratkilometern formal alle Vorstellungen des Freistaates Sachsen von einer Gemeinde erfüllt, sich aber wie ein dickes "U" um das regionale Zentrum Neustadt legt.
"Um diese Struktur sinnvoll und wirtschaftlich zu verwalten, brauche ich als Verantwortlicher umfassende Informationen." Wie Elsner das meint, macht er an zwei kleinen Beispielen deutlich: Straßenbeleuchtung und Regenwassergully. Dank PolyGIS weiß die Gemeinde genau, wo ihre 536 Lampen entlang der Straßendörfer verteilt sind. "Und ich weiß auch genau, dass eine Lampe mit 85 Mark Betriebskosten jährlich zu Buche schlägt", so Elsner. Wenn sich diese Kosten ändern, könne dank PolyGIS schnell herausgefunden werden, welche Lampen aus dem Rahmen fallen und mögliche Ursachen beseitigt werden. Bei den Regenwassergullys zieht Elsner eine direkte Linie zu der Verwaltung seines Bauhofs. "Ich muss doch wissen, dass ich 360 Gully habe. Die werden regelmäßig gereinigt, die Ressourcen an Zeit und Personal müssen doch korrekt geplant werden." Das ist Elsners Philosophie: Die Gemeinde ist ein Unternehmen und das GIS ein Werkzeug zur Kostenkontrolle. "Man muss mit den Daten arbeiten, sie nicht nur einsammeln", bringt er es auf den Punkt.

Horst Schulze zeigt die Planungen für
die Umgehungsstraße, von der Hohwald sich eine bessere Anbindung an die Autobahn verspricht. Topographische Karte und Luftbilder für den direkten Planungsraum wurden bereits im Rechner mit Hilfe von PolyGIS integriert. |
Dieses Konzept hat Elsner von Beginn an verfolgt und deswegen frühzeitig in ein GIS investiert, auch wenn dies der kleinen Gemeinde finanziell nicht immer leicht fiel. Auslöser waren ab 1994 die umfangreichen Planungs- und Vermessungsarbeiten für die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung. "Nur ein Ortsteil hatte seinerzeit eine zentrale Trinkwasserversorgung und für das Abwasser existierte kein einziger Meter Kanal", beschreibt der FDP-Politiker den vorgefundenen Zustand. Von Anfang an wollte Elsner nicht, das die dafür entstandenen Geodaten im Aktenschrank verschwinden. So verlangte er von allen Dienstleistern, ihm die Daten in Form von Messpunkten zur Verfügung zu stellen, so dass er sie in jedem Fall universell weiter nutzen kann. Als die Entscheidung 1996 zugunsten von PolyGIS fiel, machte Elsner das Projekt von Beginn an zur Chefsache.
Vielleicht auch deshalb ist in den zurückliegenden Jahren eine sechsstellige Summe aus dem laufenden Haushalt in das GIS geflossen. Darin enthalten sind allerdings auch eigene Datenerhebungen in Form einer Befliegung, die allein mit rund 70.000 Mark den Etat belasteten. "Aber das war schlicht notwendig, denn wir brauchten den Gebäudebestand, um die Anliegerbeiträge für den Aufbau des Versorgungsnetzes auszurechnen", so Elsner. Die derzeit noch vom Land gelieferte Vorstufe der automatisierten Liegenschaftskarte zeigt dagegen nur selten die Bebauung und wenn, dann "hat die Lage der Häuser mit der Realität nur bedingt zu tun", weiß Horst Schulze, der im Bauamt täglich mit diesen Unstimmigkeiten konfrontiert ist. Auch ganz grundsätzlich sind die amtlich festgestellten Grundstücksgrenzen mit der Wirklichkeit nicht immer in Einklang zu bringen. "Bringe ich Luftbild und ALK im PolyGIS zusammen, sehe ich das auf einen Blick" erläutert Schulze.

Bürgermeister Elsner empfiehlt auch anderen Kleingemeinden unbedingt die Anschaffung eines eigenen GIS. |
So macht das GIS auch schlagartig die Probleme mit der vorhandenen Datenbasis deutlich. "Da werden noch viele schwierige Einzelfälle auf uns zukommen", ahnt Elsner. Aber immerhin weiß Hohwald schon, was noch an Aufgaben auf sie wartet, und kann sich darauf einstellen, im Gegensatz zu vielen anderen ähnlich kleinen Gemeinden. "Wir sind hier im Landkreis immer noch eine Insel mit unserem PolyGIS", sagt Elsner mit leisem Bedauern. Gerne hätte er ein Vorbild gehabt, bei dem er sich die eine oder andere Vorgehensweise abgeschaut hätte. Doch kaum eine Gemeinde dieser Größenordnung traut sich an ein eigenes GIS. Damit das nicht so bleibt, empfängt und informiert Elsner gerne Besucher, nicht nur aus benachbarten Gemeinden.
Denen präsentiert er dann ein ämterübergreifendes GIS, wie es wohl selten zu finden ist: Bei 14 Mitarbeitern in der Gemeindeverwaltung verfügt Hohwald über eine so genannte Multi-Userlizenz, die es vier Mitarbeiter erlaubt, parallel auf PolyGIS zuzugreifen, das heißt knapp 30 Prozent der Verwaltungsangestellten können PolyGIS gleichzeitig nutzen. Und grundsätzlich können alle Angestellten das System nutzen. Der bei IAC geschulte Horst Schulze hat seine Kollegen soweit in das System eingewiesen, dass im Bedarfsfall jeder die gewünschten Daten selbstständig auf seinen Rechner holt. "Für uns ist PolyGIS heute gelebter Alltag in der Verwaltung", resümiert Elsner.
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