04/2005
Fachzeitschrift für POLYGIS-Kunden
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Mit KomStat die Stadtentwicklung planen
Neue Perspektiven schaffen

Der demografische Wandel wird in den nächsten Jahrzehnten zu den wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen gehören. Die rückläufige Bevölkerungs-Entwicklung und der damit verbundene Strukturwandel haben in vielen Teilen Deutschlands Leerstand, Einnahmeausfälle und zusätzliche Kostenbelastungen für die Kommunen hervorgerufen. Um sich den demografischen Herausforderungen stellen zu können, wuchs in vielen Stadtverwaltungen der Bedarf, Daten zu einzelnen Gebieten konsistent und aufwandsarm zu erheben, um diese für statistische Auswertungen und als Entscheidungsgrundlage zu nutzen. Mit der POLYGIS-Fachschale KomStat ist ein Planungs- und Analyseinstrument auf dem Markt, das für kommunale Aufgabenbereiche wie Stadtentwicklung, Einwohnerwesen, Wahlen und die damit in Zusammenhang stehenden statistischen Abfragen genutzt werden kann. Eine Vielzahl kommunaler Anwender sowie die Bundesländer Thüringen und Sachsen-Anhalt setzen KomStat bereits für ihre Zwecke ein.

Demografische Prognose als Chance
Die gegenwärtige und zukünftige Bevölkerungsentwicklung ist durch zwei wesentliche Merkmale geprägt: niedrige Geburtenzahlen und eine steigende Lebenserwartung. Auf der Grundlage dieser beiden Komponenten ist vorhersehbar, dass in den nächsten 30 bis 50 Jahren die Zahl der älteren Menschen – sowohl absolut als auch relativ – stetig ansteigen wird und sich die Zahl der Bevölkerung und der Erwerbstätigen immer mehr verringert. Schätzungen und Prognosen gehen heutzutage davon aus, dass die Bevölkerungszahl der Bundesrepublik wahrscheinlich bis zum Jahr 2050 auf knapp 50 Millionen Bundesbürger schrumpft. Ab 2015 wird kaum eine Stadt von dieser demografischen Entwicklung verschont bleiben. Bund, Länder und Kommunen müssen sich den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen, die Infrastruktur der demografischen Herausforderung anpassen und auf die fehlenden Steuereinnahmen sowie Leerstände reagieren. Im Gegensatz zum Wetter kann man den demografischen Wandel langfristig prognostizieren.

Und hier liegen auch die Chancen: Kommunen können sich auf die zukünftige Bevölkerungsentwicklung einstellen und entsprechend reagieren. Im Vorfeld müssen aber sichere Daten gesammelt werden, die gerade bei umstrittenen Entscheidungen bei der Stadtentwicklungsplanung oder bei Stadtumbau-Projekten für Klarheit sorgen.

Stadtmonitoring und Datenerhebung
Auf dem Weg zur Stadt der Zukunft stehen die Kommunen vor großen Aufgaben. Nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit muss die Stadtentwicklungsplanung dazu beitragen, die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen und ihnen eine attraktive Umwelt zu schaffen. Dabei müssen die Kommunen in der Lage sein, ihre Maßnahmen und Ziele objektiv erfassen und bewerten zu können.

So stellen die Bewertung und Erfolgskontrolle der Stadtentwicklung und -planung, kurz das Stadtmonitoring, eine wichtige Aufgabe für die Kommunen dar. Voraussetzung dafür sind eine umfassende Analyse u.a. der städtebaulichen, wohnungspolitischen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Entwicklungen in Stadt und Umland sowie die Beschaffung der dafür notwendigen Daten. Dies kann sukzessive in der gesamten Stadtverwaltung geschehen: Bevölkerungsdaten können beispielsweise aus der lokal geführten EWO-Software (MESO, adKOMM, Saskia, u.a.) bezogen werden, Sozialdaten vom Landkreis, Arbeitsmarktdaten vom Arbeitsamt und Gebäudedaten beispielsweise durch Ortsbegehung erhoben werden. Mit der daraus gewonnenen Datengrundlage können u.a. Fragen zur Bevölkerungsstruktur, -entwicklung und -prognose, zur Wohnungssituation, zur Gewerbesituation und -entwicklung sowie zu Umfeldfaktoren übergreifend beantwortet werden. Dabei liegt es auf der Hand, dass dazu ein geeignetes Planungs- und Analyseinstrument genutzt werden muss. Mit KomStat steht den Kommunen ein solches Instrument zur Verfügung. Die Anwendung ermöglicht es, Maßnahmen, Ziele und Visionen für die Stadtentwicklungsplanung mit räumlichem Bezug zu formulieren, aufeinander abzustimmen und fortzuschreiben.

Mit KomStat planen und analysieren
Das Stadtmonitoring ist im Zusammenhang mit den Förderprogrammen Stadtumbau Ost und West oder im Rahmen des Europäischen Fonds zur Entwicklung (EFRE) eine wichtige Voraussetzung, um Maßnahmen für die Stadtentwicklung effektiv zu planen und somit gezielt Fördermittel und knapper werdende Gelder an die richtige Stelle zu lenken. Dabei können Kommunen das eigene Bundesland bei der Einwerbung von Fördergeld effizient unterstützen.
Denn die Erfassung, Analyse und Auswertung großer Datenmengen sind Voraussetzung für die Bewilligung von Fördermittel für die einzelnen Projekte. Die Umsetzung verschiedener Stadtentwicklungsprojekte wie Stadtumbau Ost, Stadtumbau West oder Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) erfolgt schnell und effizient mit KomStat. Die Anschaffung der POLYGIS-Fachschale KomStat begründet sich meist damit, dass Unterlagen für die Fördermittelbeantragung zusammengestellt und dafür Daten aus einem längerfristigen Monitoring benötigt werden.

Bei der praktischen Anwendung von KomStat zeigt sich jedoch sehr schnell die eigentliche Wertschöpfung: Die POLYGIS-Fachschale bietet sich den Kommunen nicht nur als Erfassungssoftware für übergeordnete Behörden an, sondern erweist sich darüber hinaus als langfristige Planungshilfe bei der Stadtentwicklung. Zahlreiche Kommunen, darunter die Städte Borken, Meißen, Güstrow und Freiberg (Sachsen) sowie der Freistaat Thüringen und seit Kurzem das Bundesland Sachsen- Anhalt setzen KomStat ein, um ihre Einwohnerentwicklung zu prognostizieren, die Schul- und Kindergartenplanung zukunftsgerecht zu gestalten, Wohnungsbestände zu analysieren oder Wahlen vorzubereiten und durchzuführen.

Mehrwert liegt in langfristiger Nutzung
KomStat ist mehr als nur ein Instrument zur Datenerfassung für Fördermittelgeber wie Bund und Europäische Union. Vielmehr bietet KomStat die Möglichkeit sämtliche kommunalstatistische Daten wie Bevölkerungsdaten, Sozialdaten, Wohnungsdaten, Gewerbedaten oder Infrastrukturdaten optimal als Abbildungs- und Planungshilfe für Maßnahmen der mittel- und langfristigen Stadtentwicklung (z.B. bei der Planung von Schulbezirken) einzusetzen. Dabei besteht der Mehrwert von KomStat nicht allein in den umfangreichen Auswertungsmöglichkeiten, sondern vielmehr in der Möglichkeit, Daten über längere Jahre zu vergleichen. Erst die kontinuierliche und langfristige Erhebung von Daten erlaubt eine vergleichende Analyse und den Einsatz zweckmäßiger Maßnahmen im Sinne der Nachhaltigkeit für kommende Generationen.

Durch die Kombination geografischer Daten mit aggregierten Einwohnerdaten in einer kleinräumigen Gliederung werden eine besonders hohe Informationsqualität und effiziente Arbeitsweise erreicht. Insbesondere die übergreifende Wirkung durch die Bündelung von Daten, die bisher nur in einzelnen Ämtern vorliegen, schafft eine völlig neue Entscheidungsgrundlage und eine schnellere Datenverfügbarkeit. Das spart Geld und Zeit und schafft enorme inhaltliche Synergien.