04/2007
Fachzeitschrift für POLYGIS-Kunden
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Geodatenportale im Umfeld der Geodateninfrastruktur
„Ein Geschenk an unsere Heimat“

Mittlerweile sind sie zum Allgemeingut geworden: Geoinformationen stellen eine wichtige Ressource dar und haben als Wirtschaftsgut ein enormes Potenzial. Es wird geschätzt, dass rund 80 Prozent aller Entscheidungen im öffentlichen und privaten Leben einen räumlichen Bezug haben. Geoinformationen bilden die Grundlage für Planungen, Maßnahmen und Entscheidungen in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft.


Kreis- und Gemeindegebiete des Saarlands
Um den Mehrwert der raumbezogenen Daten ausschöpfen zu können, müssen insbesondere die Geoinformationen der öffentlichen Verwaltung aktuell und leicht verfügbar sein. Voraussetzung für die effiziente und wirtschaftliche Nutzung sind dabei qualitativ hochwertige Geodaten, standardisierte Schnittstellen, effiziente Prozesse, interoperable Systeme und harmonisierte Daten. Aus heutiger Sicht ist es nicht verwunderlich, dass sich Geodateninfrastruktursysteme zu einer „Weltbewegung“ entwickelt haben, wenngleich deren Verfügbarkeit immer noch zu bemängeln ist. Einen wesentlichen Anteil an der Verbreitung von Geoinformationen haben die Vereinten Nationen mit dem von ihnen geförderten Projekt GSDI (Global Spatial Data Infrastructure).

EU-weites Ziel: Geodateninfrastrukturen
In Europa wurde die Grundlage für eine verbesserte Nutzbarkeit von Geoinformationen mit der am 25. April 2007 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlichten Richtlinie zu Inspire (INfrastructure for SPatial InfoRmation in Europe) geschaffen, die den gesetzlichen Rahmen für die künftige europäische Geodateninfrastruktur (GDI) vorgibt.

Alle europäischen Mitgliedstaaten haben sich dazu bereit erklärt, eine GDI aufzubauen. Aufgrund der föderalen Struktur in Deutschland ist hier die Verantwortung auf Länderebene verankert. So entstehen die so genannten Länder-GDIen, die sich bisweilen wieder aus unterschiedlichen regionalen beziehungsweise fachlichen Einheiten zusammensetzen. Seit Jahren schon sind die GDIen in der Organisation.

Von den verantwortlichen Stellen werden Regelwerke herausgegeben, die das Miteinander besser koordinieren sollen – so auch die Zusammenarbeit zwischen den Ländern und der Privatwirtschaft: „Die internetbasierten Geschäftsmodelle der GDI werden als Teil der Wertschöpfungskette zwischen Anbietern, Dienstleistern und Endnutzern im Rahmen von Public-Private-Partnership umgesetzt. Die GDI repräsentiert die nationale Implementierung der GSDI (Global Spatial Data Infrastructure) für Deutschland. Die Geobasisdaten werden durch Kooperation von Bund, Ländern und Kommunen bereitgestellt.“ (Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder [AdV]) Zudem verabschiedete die Geschäfts- und Koordinierungsstelle der Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE) die Charta GDI-DE, die sich an Behörden und Einrichtungen des Bundes, der Länder und Kommunen, an Verbände, Unternehmen sowie an Einrichtungen der Forschung, Lehre und Bildung richtet, die Geodaten erheben, führen und bereitstellen oder mit Geodaten arbeiten. Mit dem Beitritt zu dieser Charta wird die Bereitschaft erklärt, sich aktiv am Aufbau und Ausbau der Geodateninfrastruktur in Deutschland auf den vier zentralen Handlungsfeldern Daten, Dienste, Standards und Netzwerke zu beteiligen sowie eine oder mehrere Ziele der Initiative GDI-DE zu unterstützen.

Doch die Realität sieht derzeit leider anders aus. Nach aktuellem Stand ist keine Landes-GDI bekannt, die in Public-Private-Partnership realisiert wurde oder werden wird.

Sysiphusarbeit für Geoportale?
Das Bild des Sysiphus, der sich abmüht, ohne auch nur ein Ende seiner Arbeiten absehen zu können, drängt sich auf. Dass ein privates Unternehmen wie die SWBB GmbH nun auf eigene Initiative ein Geodatenportal für die Bereitstellung der Geobasisdaten eines ganzen Landes realisiert, ist ein Novum. Und damit ist das Bild vom Sysiphus nun wirklich nicht mehr tragfähig. Es zeigt nämlich, dass durch die richtigen Werkzeuge und eine geeignete Arbeitsorganisation der Aufbau eines solchen Systems mit überschaubaren Mitteln möglich ist. Dennoch müssen wir an dieser Stelle differenzieren. Bei einem Geodatenportal handelt es sich um keine komplette Landes-GDI, denn unter der entsprechenden Infrastruktur versteht man neben dem Portal grundsätzlich auch das gesamte Geodaten- und Organisationsmanagement.

Ein Geodatenportal für das Saarland
Grundsätzlich ging es bei der Erstellung durch SWBB darum, ein Werkzeug für allgemeine Geodatenportale zu entwickeln. Viele Kommunen und Städte stellen ihre Geoinformationen in das Internet und verknüpfen diese Daten mit anderen für die Bürger bedeutenden Informationen. Dies ist jedoch ein alter Hut, da bereits mehrere hundert POLYGISKunden mit dem POLYGIS-Webserver arbeiten. Wirklich neuartig ist nun das entstandene Entwicklungswerkzeug, mit dem sich solche Anwendungen einfach und interaktiv entwickeln lassen.


Luftbilder mit und ohne Straßeneinblendung vom Stadtzentrum Saarbrücken
Jede weitere Thematik lässt sich mit einer einfachen Entwicklungsumgebung einarbeiten. Zudem können die Vorteile des POLYGIS-Geodatenmanagements genutzt werden, worunter beispielsweise die Integration fremder Datenbestände oder aber die Aufbereitung von Rasterdaten unterschiedlicher Herkunft und Formate verstanden wird. Damit nun das Portalgenerierungswerkzeug nicht nur eine Sache für die Spezialisten bleibt, hat SWBB das Portal mit interessanten Daten gefüllt, so beispielsweise mit hochaktuellen Luftbildern des gesamten Saarlands. Die 2600 Quadratkilometer in einer Auflösung von 15 Zentimetern wurden im April 2007 erfasst. Anschließend wurden die Daten nach vorheriger Entzerrung in die Rasterdatenbank von POLYGIS aufgenommen und sind nun, ergänzt um Straßendaten und Informationen über öffentliche Einrichtungen des Landes, im Portal verfügbar.

Am 23. November zum 20-jährigen Bestehen der SWBB wurde dieses Portal im Kreise von Politikern und Repräsentanten des Saarlandes der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist nun online unter http://www.geoportal-saar.de zu erreichen. „Anlässlich unseres 20-jährigen Bestehens ist das Geoportal ein Geschenk an unsere Heimat“, so Lothar Bubel, Geschäftsführer und Gründer der SWBB GmbH. Im Bereich der Webdienste steht aber noch mehr an Funktionalität zur Verfügung. Wie bereits oben beschrieben, ist die GDI-DE aufgrund der Arbeitsteilung zwischen und in den Ländern fragmentiert. Oftmals muss man genau den Server kennen, an den man sich zu wenden hat. Ein zukünftiger Katalogdienst wird zumindest die Identifizierung der Server ermöglichen. Auch Standards wie WMS (Web Mapping Service), mit denen man allein aus dem Browser heraus auf Geoportale zugreifen kann, lassen noch eine Lücke offen: Die Integration der unterschiedlichen WMS-Dienste, die sich an mehreren Orten befinden. Besonders innovativ ist SWBB auch hier: Das POLYGIS-Portal stellt eine Integrationsoberfläche zur Verfügung, die verteilte WMS-Server wie einen Server erscheinen lässt und somit eine Zugriffsharmonisierung schafft. Mit dem Geodatenportal von Rheinland-Pfalz gibt es für diese innovative Lösung bereits ein lebendes Beispiel.

Und die Pläne zielen noch weiter: Für Bestrebungen wie XPlanung, mit dem der Austausch von Planungsinformationen zwischen den Behörden erfolgen wird, ist die nun verfügbare neue Technik eine ideale Arbeitsgrundlage, um Planungsvorhaben und -stände zu visualisieren und transparent zu machen. Das Gleiche gilt auch für Planungen gemäß des BauGB (Baugesetzbuch), das gerade in der jüngsten Diskussion über den Flächenverbrauch in Deutschland besondere Bedeutung erlangt hat.