Geodatenportale im Umfeld der Geodateninfrastruktur
„Ein Geschenk an unsere Heimat“
Mittlerweile sind sie zum
Allgemeingut geworden:
Geoinformationen stellen
eine wichtige Ressource
dar und haben als
Wirtschaftsgut ein enormes
Potenzial. Es wird
geschätzt, dass rund 80
Prozent aller Entscheidungen
im öffentlichen
und privaten Leben einen
räumlichen Bezug haben.
Geoinformationen bilden
die Grundlage für
Planungen, Maßnahmen
und Entscheidungen in
Verwaltung, Wirtschaft
und Wissenschaft.

Kreis- und Gemeindegebiete des
Saarlands |
Um den Mehrwert der raumbezogenen Daten ausschöpfen
zu können, müssen insbesondere die Geoinformationen
der öffentlichen Verwaltung aktuell
und leicht verfügbar sein. Voraussetzung für die
effiziente und wirtschaftliche Nutzung sind dabei
qualitativ hochwertige Geodaten, standardisierte
Schnittstellen, effiziente Prozesse, interoperable
Systeme und harmonisierte Daten. Aus heutiger
Sicht ist es nicht verwunderlich, dass sich Geodateninfrastruktursysteme
zu einer „Weltbewegung“
entwickelt haben, wenngleich deren Verfügbarkeit
immer noch zu bemängeln ist. Einen wesentlichen
Anteil an der Verbreitung von Geoinformationen
haben die Vereinten Nationen mit dem von ihnen
geförderten Projekt GSDI (Global Spatial Data
Infrastructure).
EU-weites Ziel: Geodateninfrastrukturen
In Europa wurde die Grundlage für eine verbesserte
Nutzbarkeit von Geoinformationen mit der am 25.
April 2007 im Amtsblatt der Europäischen Union
veröffentlichten Richtlinie zu Inspire (INfrastructure
for SPatial InfoRmation in Europe) geschaffen,
die den gesetzlichen Rahmen für die künftige europäische
Geodateninfrastruktur (GDI) vorgibt.
Alle europäischen Mitgliedstaaten haben sich dazu
bereit erklärt, eine GDI aufzubauen. Aufgrund
der föderalen Struktur in Deutschland ist hier
die Verantwortung auf Länderebene verankert. So
entstehen die so genannten Länder-GDIen, die sich
bisweilen wieder aus unterschiedlichen regionalen
beziehungsweise fachlichen Einheiten zusammensetzen.
Seit Jahren schon sind die GDIen in der Organisation.
Von den verantwortlichen Stellen werden Regelwerke
herausgegeben, die das Miteinander besser
koordinieren sollen – so auch die Zusammenarbeit
zwischen den Ländern und der Privatwirtschaft:
„Die internetbasierten Geschäftsmodelle der GDI
werden als Teil der Wertschöpfungskette zwischen
Anbietern, Dienstleistern und Endnutzern im Rahmen
von Public-Private-Partnership umgesetzt. Die
GDI repräsentiert die nationale Implementierung
der GSDI (Global Spatial Data Infrastructure) für
Deutschland. Die Geobasisdaten werden durch Kooperation
von Bund, Ländern und Kommunen bereitgestellt.“
(Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft
der Vermessungsverwaltungen der Länder [AdV])
Zudem verabschiedete die Geschäfts- und Koordinierungsstelle
der Geodateninfrastruktur Deutschland
(GDI-DE) die Charta GDI-DE, die sich an
Behörden und Einrichtungen des Bundes, der Länder
und Kommunen, an Verbände, Unternehmen
sowie an Einrichtungen der Forschung, Lehre und
Bildung richtet, die Geodaten erheben, führen
und bereitstellen oder mit Geodaten arbeiten. Mit
dem Beitritt zu dieser Charta wird die Bereitschaft
erklärt, sich aktiv am Aufbau und Ausbau der
Geodateninfrastruktur in Deutschland auf den vier
zentralen Handlungsfeldern Daten, Dienste, Standards
und Netzwerke zu beteiligen sowie eine oder
mehrere Ziele der Initiative GDI-DE zu unterstützen.
Doch die Realität sieht derzeit leider anders
aus. Nach aktuellem Stand ist keine Landes-GDI
bekannt, die in Public-Private-Partnership realisiert
wurde oder werden wird.
Sysiphusarbeit für Geoportale?
Das Bild des Sysiphus, der sich abmüht, ohne auch
nur ein Ende seiner Arbeiten absehen zu können,
drängt sich auf. Dass ein privates Unternehmen
wie die SWBB GmbH nun auf eigene Initiative ein
Geodatenportal für die Bereitstellung der Geobasisdaten
eines ganzen Landes realisiert, ist ein
Novum. Und damit ist das Bild vom Sysiphus nun
wirklich nicht mehr tragfähig. Es zeigt nämlich,
dass durch die richtigen Werkzeuge und eine geeignete
Arbeitsorganisation der Aufbau eines solchen
Systems mit überschaubaren Mitteln möglich ist.
Dennoch müssen wir an dieser Stelle differenzieren.
Bei einem Geodatenportal handelt es sich
um keine komplette Landes-GDI, denn unter der
entsprechenden Infrastruktur versteht man neben
dem Portal grundsätzlich auch das gesamte Geodaten-
und Organisationsmanagement.
Ein Geodatenportal für das Saarland
Grundsätzlich ging es bei der Erstellung durch
SWBB darum, ein Werkzeug für allgemeine Geodatenportale
zu entwickeln. Viele Kommunen und
Städte stellen ihre Geoinformationen in das Internet
und verknüpfen diese Daten mit anderen für die
Bürger bedeutenden Informationen. Dies ist jedoch
ein alter Hut, da bereits mehrere hundert POLYGISKunden
mit dem POLYGIS-Webserver arbeiten.
Wirklich neuartig ist nun das entstandene Entwicklungswerkzeug,
mit dem sich solche Anwendungen
einfach und interaktiv entwickeln lassen.

Luftbilder mit und ohne
Straßeneinblendung vom
Stadtzentrum Saarbrücken |
Jede weitere Thematik lässt sich mit einer einfachen
Entwicklungsumgebung einarbeiten. Zudem können
die Vorteile des POLYGIS-Geodatenmanagements
genutzt werden, worunter beispielsweise die
Integration fremder Datenbestände oder aber die
Aufbereitung von Rasterdaten unterschiedlicher
Herkunft und Formate verstanden wird.
Damit nun das Portalgenerierungswerkzeug nicht
nur eine Sache für die Spezialisten bleibt, hat
SWBB das Portal mit interessanten Daten gefüllt,
so beispielsweise mit hochaktuellen Luftbildern des
gesamten Saarlands. Die 2600 Quadratkilometer in
einer Auflösung von 15 Zentimetern wurden im
April 2007 erfasst. Anschließend wurden die Daten
nach vorheriger Entzerrung in die Rasterdatenbank
von POLYGIS aufgenommen und sind nun,
ergänzt um Straßendaten und Informationen über
öffentliche Einrichtungen des Landes, im Portal
verfügbar.
Am 23. November zum 20-jährigen Bestehen der
SWBB wurde dieses Portal im Kreise von Politikern
und Repräsentanten des Saarlandes der Öffentlichkeit
vorgestellt. Es ist nun online unter http://www.geoportal-saar.de zu erreichen. „Anlässlich
unseres 20-jährigen Bestehens ist das Geoportal
ein Geschenk an unsere Heimat“, so Lothar Bubel,
Geschäftsführer und Gründer der SWBB GmbH.
Im Bereich der Webdienste steht aber noch mehr
an Funktionalität zur Verfügung. Wie bereits oben
beschrieben, ist die GDI-DE aufgrund der Arbeitsteilung
zwischen und in den Ländern fragmentiert.
Oftmals muss man genau den Server kennen, an
den man sich zu wenden hat. Ein zukünftiger
Katalogdienst wird zumindest die Identifizierung
der Server ermöglichen. Auch Standards wie WMS
(Web Mapping Service), mit denen man allein
aus dem Browser heraus auf Geoportale zugreifen
kann, lassen noch eine Lücke offen: Die Integration
der unterschiedlichen WMS-Dienste, die sich an
mehreren Orten befinden. Besonders innovativ ist
SWBB auch hier: Das POLYGIS-Portal stellt eine
Integrationsoberfläche zur Verfügung, die verteilte
WMS-Server wie einen Server erscheinen lässt und
somit eine Zugriffsharmonisierung schafft. Mit dem
Geodatenportal von Rheinland-Pfalz gibt es für diese
innovative Lösung bereits ein lebendes Beispiel.
Und die Pläne zielen noch weiter: Für Bestrebungen
wie XPlanung, mit dem der Austausch von
Planungsinformationen zwischen den Behörden
erfolgen wird, ist die nun verfügbare neue Technik
eine ideale Arbeitsgrundlage, um Planungsvorhaben
und -stände zu visualisieren und transparent
zu machen. Das Gleiche gilt auch für Planungen
gemäß des BauGB (Baugesetzbuch), das gerade in
der jüngsten Diskussion über den Flächenverbrauch
in Deutschland besondere Bedeutung erlangt hat.
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