04/2007
Fachzeitschrift für POLYGIS-Kunden
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Stadt Radebeul: Doppik am Beispiel KSIB – Teil 2
Auf dem Weg zum modernen Dienstleister

Die Bewältigung der Aufgaben in der Stadtverwaltung Radebeul setzt voraus, dass verschiedenste Informationen erfasst, verwaltet und ausgewertet werden. Ein Geografisches Informationssystem (GIS) kann hierbei ein wichtiges Instrument sein, da es neben sachlichen Aspekten (Sachdaten) gleichzeitig einen grafischen Bezug (Grafikdaten) besitzt.


Radebeul, wegen seiner reizvollen Lage auch „sächsisches Nizza“ genannt, ist die größte Stadt im Landkreis Meißen.
Die kommunalen Straßen und Wege inklusive des entsprechenden Inventars bilden einen beachtlichen Anteil des kommunalen Anlagevermögens – so auch in der sächsischen Kreisstadt Radebeul. Um die dortigen Verkehrsflächen zu erfassen, wurde ein Straßenkataster auf Basis von KSIB aufgebaut. Da es sich bei KSIB (Kommunale Straßeninformationsbank) um eine grafikorientierte Anwendung handelt, mit der in anderen Kommunen bereits erfolgreich gearbeitet wird, entschied sich die Stadt Radebeul für diese POLYGIS-Fachschalenlösung.

In einem ersten Schritt wurde die Netzstruktur nach Netzknoten und Netzabschnitten auf Basis der aktuellen topografischen Daten sowie des Luftbildes digitalisiert. Dabei erfolgten schrittweise die Zuordnung der betreffenden Flurstücke, die Bildung der Verkehrsflächen sowie deren Zuordnung zu den jeweiligen Netzabschnitten – ein sehr zeitaufwendiger Prozess. Damit war es dann möglich, die Widmungen zu erfassen und die entsprechenden Bestandsverzeichnisse nach Auflage des Sächsischen Straßengesetzes auszugeben.

In einem zweiten Schritt wird der tatsächliche Zustand der kommunalen Straßen, Wege und Plätze ermittelt. Hierbei bilden die Zustandsdaten der Verkehrsflächen die Grundlage für den folgenden Schritt: die Bewertung dieser Flächen. Für die Erfassung des Straßenzustandes gibt es verschiedene Möglichkeiten: die Begehung, die Befahrung oder eine Kombination beider. Radebeul entschied sich nach detaillierter Analyse für die kombinierte Variante, die im Frühjahr 2008 durchgeführt wird. Derzeit wird die Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen geprüft, um Kosten zu reduzieren.

Warum eine Befahrung?
Bei der Befahrung werden erstmals Messdaten erhoben, die zum einen eine objektive und genaue Zustandserfassung und Bewertung im Rahmen der Doppik erlauben, andererseits eine elementare Grundlage für das daran anschließende PMS (Pavement Management System) bilden. Im Ergebnis der Befahrung stehen neben den eigentlichen Straßenzustandsdaten weitere Daten bzw. Funktionen zur Verfügung, die die Nutzung von Synergien ermöglichen. So sind beispielsweise georeferenzierte Einzelbilder in einer Videodatenbank verfügbar, die es erlauben, über einen entsprechenden Viewer eine Straßenbefahrung am Bildschirm des Fachamtes durchzuführen. Diese Bilder wiederum sind ebenfalls am PC messbar und können um weiterer Objekte des Verkehrsraumes wie Verkehrszeichen, Bäume oder Grünanlagen ergänzt werden. Somit kann parallel ein digitales Verkehrszeichenkataster aufgebaut werden.

Im Ergebnis stehen Daten zur Verfügung, die von der Befahrungsfirma im POLYGIS-KSIB-Format bereitgestellt und direkt in die Fachschale eingelesen werden können. Auf Basis dieser Daten erfolgt dann in KSIB die Bewertung, die es in Zukunft erlaubt, ein optimiertes Straßenerhaltungs- und Unterhaltungsmanagementsystem zu führen.

Ergebnis
Die Straßenerfassung ermöglicht den Aufbau und die Pflege eines Erhaltungsmanagements, das die Reihenfolge der Maßnahmen deutlicher ablesen lässt. Es bietet ferner die Möglichkeit, Abwägungen vorzunehmen, die eine Koordinierung mit den Maßnahmen der Medienträger oder benachbarter kommunaler Verwaltungen erfordert. Mit dem Ergebnis der messtechnischen Erfassung sind gleichzeitig alle Zustandsmerkmale wie Art der Oberflächen, Unebenheiten, Spurrinnen, Risse, Flickstellen, Oberflächenbeschaffenheiten oder Verkehrszeichen abrufbar.

Zusammenfassung
Mit der Entscheidung zum Aufbau eines kommunalen GIS hat die Stadt Radebeul eine wichtige und zukunftsweisende Entscheidung getroffen. Sie steht hier erst am Anfang einer Vielzahl von Möglichkeiten. Aber bereits jetzt lässt sich sagen, dass durch den Einsatz des GIS eine Reihe von Prozessen effizienter und transparenter gestaltet werden konnten.
Birgit Sturm, Mitarbeiterin SG Straßen
Rainer Klose, GIS-Verantwortlicher

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