04/2008
Fachzeitschrift für POLYGIS-Kunden
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Aufbau des Rauminformationssystems in Rheinland-Pfalz
Kartenschrank ade

Eines der bekanntesten Wahrzeichen des Bundeslandes Rheinland-Pfalz: das Deutsche Eck

Das Bundesland Rheinland-Pfalz hat in den letzten Jahren das Rauminformationssystem (RIS) Rheinland-Pfalz aufgebaut. Konzept und Inhalte des RIS sind maßgeblich von der Oberen Landesplanungsbehörde der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt an der Weinstraße entwickelt worden. Im Rauminformationssystem werden raumbedeutsame Planungsinformationen aller Planungsebenen zusammengeführt und bereitgestellt. Auf der Basis von POLYGIS ist eine vorbildliche Web-Lösung entstanden.

Als Julius Caesar im Gallischen Krieg 55 v. Chr. zwischen Antunnacum (Andernach) und Confluentes (Koblenz) in nur zehn Tagen eine Rheinbrücke erbauen ließ, hätte er sicher zur Unterstützung gute Planungsinformationen gebrauchen können. Da es sich allerdings um eine Strafexpedition gegen die abtrünnigen und eigenwilligen Bewohner im Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz handelte, hätte eine vorzeitige Information den Erfolg sicher gefährdet.

In der demokratischen Gesellschaft von heute ist das anders. Transparenz durch schnell verfügbare Informationen wird immer selbstverständlicher. Mit dem Einsatz der hoch performanten WebGISTechnik von POLYGIS in Verbindung mit einer stetig zunehmenden Verfügbarkeit an Geobasisund Fachdaten kann nun auch die Öffentlichkeit in gleicher Weise an der Visualisierung von Bestandsund Planungsinformation teilhaben wie die zuständigen Behörden.

Mit mehr als vier Millionen Einwohnern, 24 Landkreisen, 12 kreisfreien Städten, 132 Städten und 2183 Gemeinden gehört Rheinland-Pfalz eher zu den ländlich geprägten Bundesländern. Umso mehr kommt dem Land und seinen Mittelbehörden die Aufgabe zu, die Gemeinden und Kreise bei ihren Planungen zu unterstützen. Damit dies in einem hohen Maße automatisiert geschehen kann, hat die Landesplanung das Rauminformationssystem (RIS) Rheinland-Pfalz entwickelt.

„Bei der Entwicklung des RIS Rheinland-Pfalz haben wir ja nicht bei Null angefangen. Viele Daten lagen aus verteilten Quellen und Systemen in unterschiedlichen Formaten vor. Der Nutzen, den wir erschließen wollten, lag in der Integration dieser Datenbestände in eine landesweite Gesamtschau und dem einfachen Zugang für jede Kommune über das Internet“, sagt Peter Mowitz, der für die GIS-Koordinierung des RIS verantwortlich ist. Landesplanung geschieht auf mehreren Ebenen. Raumordnerische Ziele und Ergebnisse planerischer Entscheidungen fließen in den Landesentwicklungsplan und die Raumordnungspläne der Planungsregionen ein. Daraus ergeben sich Vorgaben für die kommunalen Flächennutzungs- und Bebauungspläne.

Die Informationen aus diesen Planwerken und anderen Sachinformationen mit Raumbezug wären ohne entsprechende IT-Infrastruktur im Einzelfall nur schwer zu beschaffen – oder unterlägen zumindest einem aufwendigen Beschaffungsprozess, der immer wieder neu und immer wieder etwas anders in Gang gesetzt werden müsste. Daher hat man im RIS Rheinland-Pfalz noch weitere Datenbestände aufgenommen, wie zum Beispiel das Raumordnungskataster (ROK25), das ATKIS-DLM 25 als Bezugsgeometrie, die Topographische Karte in verschiedenen Maßstäben und Orthophotos des gesamten Bundeslandes.

Wenn man bedenkt, dass allein für das ROK 25 aus Kartenwerken heterogener Quellen beziehungsweise Fachplanungen wie Naturschutz, Energieversorgung, Denkmalschutz, Straßenplanung oder Landwirtschaft Geo- und Sachinformationen herangezogen werden müssen, bekommt man angesichts dieser Vielfalt an Informationen eine Vorstellung von der Komplexität des RIS.

„Aber gerade hier zeigt sich die Stärke von POLYGIS. Neben der Einfachheit der Bedienung waren es die Strukturierungsmöglichkeiten der komplexen Informationen und das Datenmanagement, die uns davon überzeugt haben, das RIS mit POLYGIS zu implementieren“, betont Mowitz. Für die technische Umsetzung wurde der POLYGIS- InternetServer eingesetzt und die neueste Version des POLYGIS-Web-Client. Alle Strukturierungswerkzeuge wie Mappen, Arbeitssitzungen, Projekte und die gesamte Ressourcenverwaltung können so auch über das Internet an den Anwender weitergereicht werden. Das SuchCenter ermöglicht die Suche und Verortung von Informationen in vielfältiger und flexibler Weise etwa über Adressen, Aktenzeichen oder Objektarten. Die Zusammenstellung der Informationen kann so sachbezogen erfolgen. Es werden keine überfrachtenden Informationsmengen geliefert, sondern ausschließlich die Informationen, die für das konkrete Planungsvorhaben von Bedeutung sind.

Die Daten für die Planungsgrundlage können für die Weiterverarbeitung in die kommunalen Systeme ausgeleitet werden. Wenn man zusätzlich noch in Betracht zieht, dass POLYGIS von über 50 Prozent der Kommunen in Rheinland-Pfalz genutzt wird, dann ist hier ein Datenkontinuum entstanden, das nahezu medienbruchfrei genutzt werden kann.

Aktualisiert wird der Datenbestand kontinuierlich. Dennoch hat man sich entschlossen, das Datenangebot auf einem entkoppelten eigenen Server für die Nutzung im Internet bereitzustellen - aus zwei Gründen. Der eine ist die zukünftige Bereitstellung des Informationsangebotes für die Öffentlichkeit. Hierzu würden in dem strengen Landeskommunikationsnetz zu viele Einschränkungen bestehen.

Der andere Grund liegt in der qualitativen Vorprüfung der Daten. Wenn zum Beispiel ein Überschwemmungsgebiet von einer Kommune eingetragen wird, dann kann es sich gegebenenfalls nur um einen Teil eines größeren Gebietes handeln. Dieses muss erst durch die Angaben der Nachbarkommunen vervollständigt werden. Es geht also dabei um die Datenqualität.


Lars Matti, Horst Steier und Peter Mowitz sorgen für den reibungslosen Ablauf des RIS Rheinland- Pfalz bei der SGD Süd in Neustadt an der Weinstraße.
Darüber hinaus verfügt das RIS noch über eine wegweisende Eigenschaft: Planungsvorhaben können direkt im Internet über die Redliningfunktion als Skizze eingetragen werden. Damit kann sofort entschieden werden, welche Planungsgrundlagen zu berücksichtigen oder welche Planungsebenen einzubeziehen sind. Da es sich hierbei um Skizzen handelt, werden diese als XML Dateien an die Datenmanager in Neustadt geschickt. Dort können aus dieser Meldung entsprechende Eintragungen im RIS generiert werden.

Gegenüber der früheren Arbeitsweise könnte also in Zukunft bei den Datenmanagern des RIS Rheinland- Pfalz nur noch selten nach papierenen Kartenplänen verlangt werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: größt mögliche Übersicht für alle Beteiligten, höchste integrative Aktualität, individuelle Zusammenstellung von Fachthemen, Weiterverwendbarkeit der Daten in den Verbandsgemeinden und umgekehrt Einbindung der kommunalen Flächennutzungs- und Bebauungspläne in den Gesamtbestand.

Sollen darüber hinaus individuell noch weitere Fachthemen einer Betrachtung hinzugefügt werden, wird sich der Anwender zukünftig, sofern verfügbar, das Thema aus dem wachsenden Angebot an GeoPortal- Diensten selbst einbinden können.