Aufbau des Rauminformationssystems in Rheinland-Pfalz
Kartenschrank ade

Eines der bekanntesten
Wahrzeichen des Bundeslandes
Rheinland-Pfalz: das Deutsche Eck
|
Das Bundesland Rheinland-Pfalz hat in den letzten
Jahren das Rauminformationssystem (RIS)
Rheinland-Pfalz aufgebaut. Konzept und Inhalte
des RIS sind maßgeblich von der Oberen Landesplanungsbehörde
der Struktur- und Genehmigungsdirektion
Süd in Neustadt an der Weinstraße
entwickelt worden. Im Rauminformationssystem
werden raumbedeutsame Planungsinformationen
aller Planungsebenen zusammengeführt
und bereitgestellt. Auf der Basis von POLYGIS ist
eine vorbildliche Web-Lösung entstanden.
Als Julius Caesar im Gallischen Krieg 55 v. Chr.
zwischen Antunnacum (Andernach) und Confluentes
(Koblenz) in nur zehn Tagen eine Rheinbrücke
erbauen ließ, hätte er sicher zur Unterstützung
gute Planungsinformationen gebrauchen können.
Da es sich allerdings um eine Strafexpedition gegen
die abtrünnigen und eigenwilligen Bewohner im
Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz handelte, hätte
eine vorzeitige Information den Erfolg sicher
gefährdet.
In der demokratischen Gesellschaft von heute ist
das anders. Transparenz durch schnell verfügbare
Informationen wird immer selbstverständlicher.
Mit dem Einsatz der hoch performanten WebGISTechnik
von POLYGIS in Verbindung mit einer
stetig zunehmenden Verfügbarkeit an Geobasisund
Fachdaten kann nun auch die Öffentlichkeit in
gleicher Weise an der Visualisierung von Bestandsund
Planungsinformation teilhaben wie die zuständigen
Behörden.
 |
Mit mehr als vier Millionen Einwohnern, 24 Landkreisen,
12 kreisfreien Städten, 132 Städten und
2183 Gemeinden gehört Rheinland-Pfalz eher zu
den ländlich geprägten Bundesländern. Umso mehr
kommt dem Land und seinen Mittelbehörden die
Aufgabe zu, die Gemeinden und Kreise bei ihren
Planungen zu unterstützen. Damit dies in einem
hohen Maße automatisiert geschehen kann, hat
die Landesplanung das Rauminformationssystem
(RIS) Rheinland-Pfalz entwickelt.
„Bei der Entwicklung des RIS Rheinland-Pfalz
haben wir ja nicht bei Null angefangen. Viele Daten
lagen aus verteilten Quellen und Systemen in unterschiedlichen
Formaten vor. Der Nutzen, den wir
erschließen wollten, lag in der Integration dieser
Datenbestände in eine landesweite Gesamtschau
und dem einfachen Zugang für jede Kommune
über das Internet“, sagt Peter Mowitz, der für die
GIS-Koordinierung des RIS verantwortlich ist.
Landesplanung geschieht auf mehreren Ebenen.
Raumordnerische Ziele und Ergebnisse planerischer
Entscheidungen fließen in den Landesentwicklungsplan
und die Raumordnungspläne der
Planungsregionen ein. Daraus ergeben sich Vorgaben
für die kommunalen Flächennutzungs- und
Bebauungspläne.
Die Informationen aus diesen Planwerken und
anderen Sachinformationen mit Raumbezug wären
ohne entsprechende IT-Infrastruktur im Einzelfall
nur schwer zu beschaffen – oder unterlägen zumindest
einem aufwendigen Beschaffungsprozess, der
immer wieder neu und immer wieder etwas anders
in Gang gesetzt werden müsste. Daher hat man im
RIS Rheinland-Pfalz noch weitere Datenbestände
aufgenommen, wie zum Beispiel das Raumordnungskataster (ROK25), das ATKIS-DLM 25
als Bezugsgeometrie, die Topographische Karte in
verschiedenen Maßstäben und Orthophotos des
gesamten Bundeslandes.
Wenn man bedenkt, dass allein für das ROK 25 aus
Kartenwerken heterogener Quellen beziehungsweise
Fachplanungen wie Naturschutz, Energieversorgung,
Denkmalschutz, Straßenplanung oder Landwirtschaft
Geo- und Sachinformationen herangezogen
werden müssen, bekommt man angesichts
dieser Vielfalt an Informationen eine Vorstellung
von der Komplexität des RIS.
„Aber gerade hier zeigt sich die Stärke von POLYGIS.
Neben der Einfachheit der Bedienung waren
es die Strukturierungsmöglichkeiten der komplexen
Informationen und das Datenmanagement, die
uns davon überzeugt haben, das RIS mit POLYGIS
zu implementieren“, betont Mowitz.
Für die technische Umsetzung wurde der POLYGIS-
InternetServer eingesetzt und die neueste Version
des POLYGIS-Web-Client. Alle Strukturierungswerkzeuge
wie Mappen, Arbeitssitzungen,
Projekte und die gesamte Ressourcenverwaltung
können so auch über das Internet an den Anwender
weitergereicht werden. Das SuchCenter ermöglicht
die Suche und Verortung von Informationen in
vielfältiger und flexibler Weise etwa über Adressen,
Aktenzeichen oder Objektarten. Die Zusammenstellung
der Informationen kann so sachbezogen
erfolgen. Es werden keine überfrachtenden Informationsmengen
geliefert, sondern ausschließlich
die Informationen, die für das konkrete Planungsvorhaben
von Bedeutung sind.
Die Daten für die Planungsgrundlage können für
die Weiterverarbeitung in die kommunalen Systeme
ausgeleitet werden. Wenn man zusätzlich
noch in Betracht zieht, dass POLYGIS von über
50 Prozent der Kommunen in Rheinland-Pfalz
genutzt wird, dann ist hier ein Datenkontinuum
entstanden, das nahezu medienbruchfrei genutzt
werden kann.
Aktualisiert wird der Datenbestand kontinuierlich.
Dennoch hat man sich entschlossen, das Datenangebot
auf einem entkoppelten eigenen Server für
die Nutzung im Internet bereitzustellen - aus zwei
Gründen. Der eine ist die zukünftige Bereitstellung
des Informationsangebotes für die Öffentlichkeit.
Hierzu würden in dem strengen Landeskommunikationsnetz
zu viele Einschränkungen bestehen.
Der andere Grund liegt in der qualitativen Vorprüfung
der Daten. Wenn zum Beispiel ein Überschwemmungsgebiet
von einer Kommune eingetragen
wird, dann kann es sich gegebenenfalls nur um
einen Teil eines größeren Gebietes handeln. Dieses
muss erst durch die Angaben der Nachbarkommunen
vervollständigt werden. Es geht also dabei um
die Datenqualität.

Lars Matti, Horst Steier und Peter
Mowitz sorgen für den reibungslosen
Ablauf des RIS Rheinland-
Pfalz bei der SGD Süd in Neustadt
an der Weinstraße.
|
Darüber hinaus verfügt das RIS noch über eine
wegweisende Eigenschaft: Planungsvorhaben können
direkt im Internet über die Redliningfunktion
als Skizze eingetragen werden. Damit kann sofort
entschieden werden, welche Planungsgrundlagen
zu berücksichtigen oder welche Planungsebenen
einzubeziehen sind. Da es sich hierbei um Skizzen
handelt, werden diese als XML Dateien an die
Datenmanager in Neustadt geschickt. Dort können
aus dieser Meldung entsprechende Eintragungen
im RIS generiert werden.
Gegenüber der früheren Arbeitsweise könnte also
in Zukunft bei den Datenmanagern des RIS Rheinland-
Pfalz nur noch selten nach papierenen Kartenplänen
verlangt werden. Die Vorteile liegen auf
der Hand: größt mögliche Übersicht für alle Beteiligten,
höchste integrative Aktualität, individuelle
Zusammenstellung von Fachthemen, Weiterverwendbarkeit
der Daten in den Verbandsgemeinden
und umgekehrt Einbindung der kommunalen
Flächennutzungs- und Bebauungspläne in den
Gesamtbestand.
Sollen darüber hinaus individuell
noch weitere Fachthemen einer
Betrachtung hinzugefügt werden,
wird sich der Anwender zukünftig,
sofern verfügbar, das Thema aus dem
wachsenden Angebot an GeoPortal-
Diensten selbst einbinden können.
|