RFID-Anwendung in der Gemeinde Borsdorf
Einer wie Keiner
In Borsdorf hat man den
Nagel auf den Kopf getroffen
– oder besser gesagt: in den
Baum. Kleine Kunststoffstifte
machen jeden Baum der
kleinen Gemeinde am Rande
der sächsischen Metropole
Leipzig zum Innovationsträger. RFID-Technologie
heißt das Zauberwort, das die exakt 1547
Alleenbäume zu unverwechselbaren Objekten
macht. Mit dem Einsatz dieser Technik schließt
die zukunftsorientierte Gemeinde die letzte
Lücke in der digitalisierten Baumverwaltung und
stellt klar: In Borsdorf gleicht kein Baum dem
anderen.

Ob bei Außenterminen oder
am Schreibtisch - der PDA
unterstütz Andreas Burkard
bei der Baumdatenpflege.
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Komplett digitale und vernetzte Prozesse in der
Kommunalverwaltung – das ist die Vision der
8400-Seelen-Gemeinde Borsdorf. Sie möchte informationstechnologische
Möglichkeiten ausschöpfen
und somit ihre Arbeitsprozesse optimieren – nicht
nur zum Wohle der Verwaltung selbst, sondern vor
allem auch im Sinne der Bürger.
Der Baumbestand einer Kommune muss regelmäßig
überprüft und gepflegt werden. Das erfordern die
Verkehrssicherungspflicht sowie die Baumschutzverordnung.
Um diesen Anforderungen gerecht zu
werden, machten sich die zuständigen Mitarbeiter
bislang mit Stift und Papier bewaffnet auf den Weg
zu den Bäumen. Vor Ort notierten sie händisch ihre
Beobachtungen. Zurück in der Verwaltung mussten
diese allerdings noch ins GIS überführt werden.
Dies war in den meisten Fällen nicht nur zeitraubend,
sondern barg auch die Gefahr von Übertragungsfehlern
und
Baumverwechslungen.
Dieser Umstand störte
bis vor Kurzem auch
Andreas Burkhard, der
beim Ordnungsamt
Borsdorf unter anderem
für die Überwachung
und Pflege des Baumbestandes
zuständig ist. Mittlerweile
führt er bei seinen
Kontrollgängen ein mobiles
Lesegerät (PDA) und kleine
baumverträgliche Kunststoffnägel
mit sich, von denen er nach und nach einen
in die Rinde eines jeden Baumes bohrt. In diesen
sogenannten Tags befinden sich wasserfeste Mikrochips,
die mit einer eindeutigen Kennung (ID) versehen
sind und den Baum somit unverwechselbar
machen. Der Chip kommuniziert mittels der RFIDTechnologie
(siehe Kasten) mit dem Lesegerät,
welches die ID des Baumes erkennt. Identifiziert
das Gerät den Chip, öffnet sich automatisch eine
Maske, auf der die aus dem Baumkataster übernommenen
Stammdaten zu dem jeweiligen Baum
zu sehen sind. Solche feststehenden Daten sind
unter anderem Baumart, Pflanzjahr und Baumnummer.
Stellt der Mitarbeiter vor Ort zusätzlich
variable, sich verändernde Merkmale fest, hat er
die Möglichkeit, diese ebenfalls in die Maske einzutragen
oder zu aktualisieren. Dies betrifft beispielsweise
Angaben zu abgestorbenem Astwerk
oder dem Schädigungsgrad des Baums. Anhand
des aktuellen Baumzustandes entscheidet der Verwaltungsangestellte,
ob und welche Maßnahmen
zur Baumpflege durchzuführen sind. Diese kann
er ebenfalls direkt vor Ort auf seinem PDA eintragen.
RFID
„Identifizierung mit elektromagnetischen
Wellen“ – so lässt sich
der englische Begriff Radio Frequency
Identification (RFID) ins
Deutsche übersetzen. Das Verfahren
ermöglicht die automatische,
berührungslose und vor
allen Dingen eindeutige Identifizierung
und Lokalisierung
von Objekten. Somit erleichtert
die Technologie die Speicherung
und Erfassung von Daten. Das
System benötigt einerseits einen
Transponder, der das Objekt
kennzeichnet und andererseits
ein Lesegerät, das mit diesem
korrespondiert und dessen
Daten erkennt. Mittels der auf
dem Lesegerät implementierten
Software können die Daten wiederum
auf EDV-Systeme oder
Datenbanken übertragen werden. |
Zurück im Büro werden die erhobenen
Daten mithilfe einer Synchronisationssoftware an
den Server übermittelt und fließen automatisch
in die POLYGIS-Fachanwendung Baum ein. Vor
der nächsten Begehung markiert Burkhard in der
POLYGIS-Karte die Bäume, die er sich ansehen
möchte und überträgt die Daten wiederum auf sein
Handgerät, um sie vor Ort zu überprüfen. Vorteile
durch die neue Technologie sieht er nicht nur in der
reinen Präzisierung und der Unverwechselbarkeit
des Datenbestandes, sondern vor allem auch in der
dadurch optimierten Zusammenarbeit mit anderen
Gemeindeeinrichtungen. Da beispielsweise
der Bauhof, der in diesem Fall für das Schneiden der Kronen oder Entfernen
toten Astmaterials zuständig ist, ebenfalls auf die
POLYGIS-Fachanwendung zugreifen kann, entfallen
langwierige Abstimmungs- und Kontrollprozesse.
Die Arbeiter sehen im System, welche Maßnahmen
zu ergreifen sind und tragen wiederum
dort ein, wenn sie diese durchgeführt haben. Auch
Anträgen von Bürgern zum Baumfällen kann Burkhard
dank der perfekten Datenlage nun schneller
folgen. „Mit dieser Methode ist die Arbeitsersparnis
im Bereich der Baumverwaltung enorm“, freut
sich der Ordnungsamtsmitarbeiter und bemerkt
weiter: „In solch hoher Qualität wie jetzt lagen
noch nie Daten über Bäume vor.“ Grundlage für
die genaue Darstellung der Baumstandorte auf der
Karte bildete die Befahrung zur Straßendatenerfassung,
die die Gemeinde Borsdorf bereits im Hinblick
auf die Doppik durchführen ließ. Hinsichtlich
der Weiterverwertbarkeit entschieden sich die Verantwortlichen
neben den Straßenverkehrsflächen,
direkt auch Bäume, Verkehrsschilder und Straßenbeleuchtung
mit aufnehmen zu lassen. Dieses
vorausschauende Handeln ist typisch für die kleine
Gemeinde. Auch die RFID-Technik soll in Zukunft
noch in anderen Anwendungsbereichen zum Einsatz
kommen. Bei den technologischen Weiterentwicklungen
legt die Gemeindeverwaltung großen
Wert auf die Meinung ihrer Mitarbeiter. Somit ist
gewährleistet, dass Neuerungen positiv unterstützt
und aktiv weiter vorangetrieben werden. Daher
war auch Burkhard in seinem Element, als er vom
Projektpartner Trigis die Möglichkeit bekam, die
mobile RFID-Lösung POLYGIS Baum im Rahmen
des Pilotprojekts nach seinen Wünschen mit zu
gestalten. Dies kommt zum einen natürlich ihm
zugute, da er über ein exakt auf seine Bedürfnisse
abgestimmtes Verfahren verfügt. Zum anderen ist
dies aber auch ein Mehrwert für zukünftige Nutzer,
da die Konzeption der Fachanwendung auf reellen
Praxisanforderungen beruht.
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