04/2008
Fachzeitschrift für POLYGIS-Kunden
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RFID-Anwendung in der Gemeinde Borsdorf
Einer wie Keiner

In Borsdorf hat man den Nagel auf den Kopf getroffen – oder besser gesagt: in den Baum. Kleine Kunststoffstifte machen jeden Baum der kleinen Gemeinde am Rande der sächsischen Metropole Leipzig zum Innovationsträger. RFID-Technologie heißt das Zauberwort, das die exakt 1547 Alleenbäume zu unverwechselbaren Objekten macht. Mit dem Einsatz dieser Technik schließt die zukunftsorientierte Gemeinde die letzte Lücke in der digitalisierten Baumverwaltung und stellt klar: In Borsdorf gleicht kein Baum dem anderen.


Ob bei Außenterminen oder am Schreibtisch - der PDA unterstütz Andreas Burkard bei der Baumdatenpflege.
Komplett digitale und vernetzte Prozesse in der Kommunalverwaltung – das ist die Vision der 8400-Seelen-Gemeinde Borsdorf. Sie möchte informationstechnologische Möglichkeiten ausschöpfen und somit ihre Arbeitsprozesse optimieren – nicht nur zum Wohle der Verwaltung selbst, sondern vor allem auch im Sinne der Bürger.

Der Baumbestand einer Kommune muss regelmäßig überprüft und gepflegt werden. Das erfordern die Verkehrssicherungspflicht sowie die Baumschutzverordnung. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, machten sich die zuständigen Mitarbeiter bislang mit Stift und Papier bewaffnet auf den Weg zu den Bäumen. Vor Ort notierten sie händisch ihre Beobachtungen. Zurück in der Verwaltung mussten diese allerdings noch ins GIS überführt werden. Dies war in den meisten Fällen nicht nur zeitraubend, sondern barg auch die Gefahr von Übertragungsfehlern und Baumverwechslungen.

Dieser Umstand störte bis vor Kurzem auch Andreas Burkhard, der beim Ordnungsamt Borsdorf unter anderem für die Überwachung und Pflege des Baumbestandes zuständig ist. Mittlerweile führt er bei seinen Kontrollgängen ein mobiles Lesegerät (PDA) und kleine baumverträgliche Kunststoffnägel mit sich, von denen er nach und nach einen in die Rinde eines jeden Baumes bohrt. In diesen sogenannten Tags befinden sich wasserfeste Mikrochips, die mit einer eindeutigen Kennung (ID) versehen sind und den Baum somit unverwechselbar machen. Der Chip kommuniziert mittels der RFIDTechnologie (siehe Kasten) mit dem Lesegerät, welches die ID des Baumes erkennt. Identifiziert das Gerät den Chip, öffnet sich automatisch eine Maske, auf der die aus dem Baumkataster übernommenen Stammdaten zu dem jeweiligen Baum zu sehen sind. Solche feststehenden Daten sind unter anderem Baumart, Pflanzjahr und Baumnummer. Stellt der Mitarbeiter vor Ort zusätzlich variable, sich verändernde Merkmale fest, hat er die Möglichkeit, diese ebenfalls in die Maske einzutragen oder zu aktualisieren. Dies betrifft beispielsweise Angaben zu abgestorbenem Astwerk oder dem Schädigungsgrad des Baums. Anhand des aktuellen Baumzustandes entscheidet der Verwaltungsangestellte, ob und welche Maßnahmen zur Baumpflege durchzuführen sind. Diese kann er ebenfalls direkt vor Ort auf seinem PDA eintragen.

RFID
„Identifizierung mit elektromagnetischen Wellen“ – so lässt sich der englische Begriff Radio Frequency Identification (RFID) ins Deutsche übersetzen. Das Verfahren ermöglicht die automatische, berührungslose und vor allen Dingen eindeutige Identifizierung und Lokalisierung von Objekten. Somit erleichtert die Technologie die Speicherung und Erfassung von Daten. Das System benötigt einerseits einen Transponder, der das Objekt kennzeichnet und andererseits ein Lesegerät, das mit diesem korrespondiert und dessen Daten erkennt. Mittels der auf dem Lesegerät implementierten Software können die Daten wiederum auf EDV-Systeme oder Datenbanken übertragen werden.
Zurück im Büro werden die erhobenen Daten mithilfe einer Synchronisationssoftware an den Server übermittelt und fließen automatisch in die POLYGIS-Fachanwendung Baum ein. Vor der nächsten Begehung markiert Burkhard in der POLYGIS-Karte die Bäume, die er sich ansehen möchte und überträgt die Daten wiederum auf sein Handgerät, um sie vor Ort zu überprüfen. Vorteile durch die neue Technologie sieht er nicht nur in der reinen Präzisierung und der Unverwechselbarkeit des Datenbestandes, sondern vor allem auch in der dadurch optimierten Zusammenarbeit mit anderen Gemeindeeinrichtungen. Da beispielsweise der Bauhof, der in diesem Fall für das Schneiden der Kronen oder Entfernen toten Astmaterials zuständig ist, ebenfalls auf die POLYGIS-Fachanwendung zugreifen kann, entfallen langwierige Abstimmungs- und Kontrollprozesse.

Die Arbeiter sehen im System, welche Maßnahmen zu ergreifen sind und tragen wiederum dort ein, wenn sie diese durchgeführt haben. Auch Anträgen von Bürgern zum Baumfällen kann Burkhard dank der perfekten Datenlage nun schneller folgen. „Mit dieser Methode ist die Arbeitsersparnis im Bereich der Baumverwaltung enorm“, freut sich der Ordnungsamtsmitarbeiter und bemerkt weiter: „In solch hoher Qualität wie jetzt lagen noch nie Daten über Bäume vor.“ Grundlage für die genaue Darstellung der Baumstandorte auf der Karte bildete die Befahrung zur Straßendatenerfassung, die die Gemeinde Borsdorf bereits im Hinblick auf die Doppik durchführen ließ. Hinsichtlich der Weiterverwertbarkeit entschieden sich die Verantwortlichen neben den Straßenverkehrsflächen, direkt auch Bäume, Verkehrsschilder und Straßenbeleuchtung mit aufnehmen zu lassen.

Dieses vorausschauende Handeln ist typisch für die kleine Gemeinde. Auch die RFID-Technik soll in Zukunft noch in anderen Anwendungsbereichen zum Einsatz kommen. Bei den technologischen Weiterentwicklungen legt die Gemeindeverwaltung großen Wert auf die Meinung ihrer Mitarbeiter. Somit ist gewährleistet, dass Neuerungen positiv unterstützt und aktiv weiter vorangetrieben werden. Daher war auch Burkhard in seinem Element, als er vom Projektpartner Trigis die Möglichkeit bekam, die mobile RFID-Lösung POLYGIS Baum im Rahmen des Pilotprojekts nach seinen Wünschen mit zu gestalten. Dies kommt zum einen natürlich ihm zugute, da er über ein exakt auf seine Bedürfnisse abgestimmtes Verfahren verfügt. Zum anderen ist dies aber auch ein Mehrwert für zukünftige Nutzer, da die Konzeption der Fachanwendung auf reellen Praxisanforderungen beruht.